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Lauenburg „Lasst Euch nicht den Schneid abkaufen“
Lokales Lauenburg „Lasst Euch nicht den Schneid abkaufen“
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22:14 07.03.2018
Silvia Tessmer erhält am 10. März 2018 den Förderpreis vom Soroptimist Club Ratzeburg für ihr ehrenamtliches Engagement.

Im ersten Stock des Volkshochschul-Gebäudes sitzt sie in ihrem Büro und strahlt. Silvia Tessmers blaue Augen drücken eine Mischung aus Neugier auf das Leben und viel Herzenswärme aus. Die ehrenamtliche Geschäftsführerin der VHS erhält am 10. März im Rahmen des Programms zum Weltfrauentag „Frauen zeigt euch!“ den Förderpreis vom Soroptimist Club Ratzeburg verliehen, weil sie in „beeindruckender Weise Sprach- und Integrationskurse für Geflüchtete in Ratzeburg ermöglicht“.

Seit 2005 ist die 53-Jährige aktiv für die Bildungseinrichtung. „Ich bin der Meinung, dass jeder Bürger ein Recht auf Bildung und lebenslanges Lernen hat.“ Auch kulturelle und politische Zweige sind neu. Für sie ist es wichtig, auch junge Menschen für Politik zu begeistern. Es gab einige Jugend-Projekte.

Die gelernte Buchhändlerin investiert bis zu 15 Wochenstunden in ihr Ehrenamt – neben ihrem Teilzeitjob in der Buchhandlung Weber. Als im Jahr 2014 erste Flüchtlinge Ratzeburg erreichten und die Willkommenskultur in der Stadt wuchs, begann sie mit den Deutsch-Sprachkursen: „Es zeigte sich sehr schnell, dass viele Menschen helfen wollten, aber es gab niemanden, der es koordinierte.“ Also übernahm sie die Koordination – sowohl die Wahl der Kursarten, die Anmeldungen der Geflüchteten als auch das Managen der Dozenten und Sprachhelfer. Bis Herbst 2017 rund 900 Teilnehmer.

In ehrenamtlich geleiteten Volkshochschulen ist es theoretisch nicht möglich, BAMF-Kurse (zertifizierte Integrationskurse und berufsbezogene Sprachförderkurse) anzubieten. Doch Tessmer hat es durch Kooperationen geschafft, die Kurse auch an der VHS zu installieren. Die Kurse reichen „von der Alphabetisierung bis zum B2-Kurs“. Im Schuljahr 2016/2017 fanden sechs Kurse gleichzeitig mit bis zu 140 Schülern pro Tag statt.

Die jetzige Auszeichnung empfindet die Mutter von fünf Kindern als Wertschätzung ihrer Arbeit: „Natürlich war ich sehr überrascht, als der Anruf kam. Und ich freue mich sehr. So wird ehrenamtliches Engagement auch nach außen sichtbar.“

Tessmer und ihr Mann arbeiteten beide in Teilzeitjobs, sodass immer einer für die Kinder da war und ist. „Das ist auch eine Art Gleichberechtigung“, sagt sie. Und was gibt sie jungen Frauen von heute mit? „Seid selbstbewusst! Immer! Lasst euch nicht den Schneid abkaufen!“ An der Gleichberechtigung müssten Frauen wie Männer gemeinsam arbeiten. Aber: „Es hat sich viel getan. Wenn man bedenkt, dass Frauen erst seit 100 Jahren wählen dürfen und seit 50 Jahren frei entscheiden, ob sie arbeiten gehen.“ Dennoch habe sie auch Sorge vor Rückschritten. Etwa im Hinblick auf Aussagen von Donald Trump oder den polnischen EU-Abgeordneten Korwin-Mikke: „Frauen müssen weniger verdienen, weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent seien. Das ist nicht demokratisch.“

Als Nächstes stellen wir die Präsidentin des Serviceclubs „Soroptimist Ratzeburg“, Claudia Bormann, vor.

Zur Person

Geboren in Hitzacker, 53 Jahre, verheiratet, fünf Kinder, zwei Enkelkinder

Erster Beruf Rechtsanwalts- und Notargehilfin, nach Ausbildung nicht übernommen worden, danach Betreuerin in psychogeriatrischer Einrichtung.

Nach Geburt von zweiter Tochter stundenweise im Buchhandel gearbeitet. Dann die Möglichkeit, in Ratzeburg Teilzeitumschulung zur Buchhändlerin. 1996 Umzug nach Ratzeburg. Tessmer: „Viele junge Frauen und Mütter wissen gar nicht, dass es Teilzeitumschulungen gibt.“

Hobbys: Lesen, Gartenarbeit, Reisen (England, Italien)

Steffi Niemann

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