Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Lauenburg 15 Jahre nach der „Jahrhundertflut“
Lokales Lauenburg Lauenburg 15 Jahre nach der „Jahrhundertflut“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 14.08.2017
„Hatte das Gefühl, über Pudding zu gehen“: Christian Asboe, Mitarbeiter der Lauenburger Stadtverwaltung und Feuerwehrmann, hat im August 2002 den Deich an den Söllerwiesen mit Sandsäcken verstärkt.

Überflutete Straßen, bedrohte Deiche – vor 15 Jahren kämpften die Menschen in Lauenburg gegen das Hochwasser der Elbe. Die Wasserstände der sogenannten Jahrhundertflut sind längst überholt. Doch wegen der alten Deiche war die Situation jedoch besonders dramatisch, sagen Zeitzeugen.

Im Jahr 2002 waren Stadt und Deiche schlecht auf das Hochwasser vorbereitet – Schutz für die Altstadt fehlt bis heute.

Harald Heuer war gerade eben zwei Wochen Bürgermeister von Lauenburg, als die Elbflut auf Lauenburg zurollte. Im August 2002 überflutete das Hochwasser Straßen in der historische Altstadt, nagte an Deichen und bedrohte ein Industriegebiet. Fast 600 Helfer kämpften tagelang gegen das Hochwasser, das als „Jahrhunderthochwasser“ in die Geschichte einging. Der damals erreichte höchste Pegelstand von 8,70 Metern ist längst überholt. „Doch das Hochwasser von 2002 ist vielen in Erinnerung geblieben, weil die Situation durch die alten Deiche besonders dramatisch war“, sagt Heuer 15 Jahre danach.

Die Pegelstände der sogenannten Jahrhundertflut – die Höchstmarke am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg lag 2002 bei 8,70 Meter – sind längst überholt. Im Jahr 2006 erreichte das Hochwasser dort eine Höhe von 9,12 Meter, 2011 lag der Höchststand bei 9,22 Meter und 2013 gar bei 9,58 Metern. Der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen gemessene Wasserstand der Elbe bei Lauenburg betrug 9,88 Meter. Er wurde am 20. März 1855 registriert.

Die Flut des Jahres 2002, die um den 20. August in Lauenburg ihren Höhepunkt erreichte, hatte sich schon Tage vorher angekündigt. Sie hatte bereits in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg schwere Schäden angerichtet und auch Menschenleben gekostet. „Uns war klar, was da auf uns zukam, so dass wir Zeit hatten, uns vorzubereiten“, sagt Heuer.

Für die Anwohner der Elbstraße in der historischen Unterstadt bedeutete das, Kellerschächte und Haustüren mit Sandsäcken zu schützen. „Unser eigentliches Sorgenkind war der Deich am Industriegebiet am Ostrand von Lauenburg. Der stammte noch aus den 1960er Jahren und entsprach nicht mehr den Anforderungen“, sagt der damalige Bürgermeister. Wäre der Hochwasserschutzwall gebrochen, wäre das dahinterliegende Industriegebiet überflutet worden, in dem sich unter anderem eine Chemiefirma und die städtische Kläranlage befinden.

Einer, der damals am Deich bis zur Erschöpfung Sandsäcke schleppte, war Feuerwehrmann Christian Asboe. „Der Deich dort war durch den tagelangen Druck des Wassers völlig durchweicht, man hatte das Gefühl, über Pudding zu gehen“ erinnert er sich 15 Jahre später. „Als der Alarm kam, dachten wir an einen ganz normalen Löscheinsatz und fuhren in voller Montur los. So haben wir dann den ganzen Tag lang in brütender Hitze Sandsäcke geschleppt“, erzählt er.

Insgesamt waren damals rund 560 Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und anderen Hilfsorganisationen fast zwei Wochen lang in Einsatz. „Sogar die polnische Armee schickte Kräfte als Dank für die Hilfe der Bundeswehr beim Oderhochwasser von 1997“, sagt Karsten Steffen, damals Pressesprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg. Am 18. August hatte der Kreis Katastrophenalarm ausgelöst.

„Wir haben damals wirklich das Schlimmste befürchtet, denn für den 22. August waren zunächst Wasserstände von mehr als neun Metern vorhergesagt. Deshalb gab es auch die Anordnung, die Häuser an der Elbstraße zu räumen“, erinnert sich Steffen. Doch dann stagnierte der Wasserstand bei 8,70 Metern – auch weil im Oberlauf der Elbe reihenweise Deiche brachen. Normal sind knapp 5,40 Meter. Die Menschen konnten in ihren Häusern und Wohnungen bleiben und auch der Schutzwall am Industriegebiet hielt.

In der Folgezeit wurden die Deiche dort und an der historischen Palmschleuse verstärkt und von knapp neun Metern auf 10,70 Meter erhöht. Ein Restaurant an der Palmschleuse, das vom Hochwasser überflutet wurde, bekam mobile Schutzwände. „Die haben sich bei den folgenden Hochwassern bewährt“, sagt Heuer. Ein Hochwasserschutz für die Altstadt mit ihren unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern fehlt dagegen noch immer. „Nach 2002 scheiterten die Planungen zunächst an den Bewohnern. Viele weigerten sich, der Kommune ein Betretungsrecht für ihre Grundstücke zuzusichern“, sagt Asboe, der inzwischen in der Lauenburger Stadtverwaltung für den Hochwasserschutz zuständig ist. „Doch die Flut von 2013 hat für einen Sinneswandel gesorgt, jetzt sich die meisten Hausbesitzer dazu bereit“, sagt er.

Mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts wird in etwa zwei Jahren gerechnet. „Bis dahin können wir nur hoffen, dass die Stadt von extremen Hochwassern verschont bleibt“, sagt Asboe.

Die Elbefluten

Die Sommerflut 2002 drohte damals nicht nur das Lauenburger Industriegebiet zu überschwemmen, sondern hätte die Delvenau-Niederung bis fast nach Büchen hochdrücken können. Mit viel Einsatz, Planen, vielen Sandsäcken und jeder Menge Kies zur Stützung des Deichfußes wurde ein Brechen des maroden Schutzbauwerkes verhindert. Der Deich wurde später komplett erneuert und erhöht.

Eine Umsetzung von modernen Schutzmaßnahmen auch für die Lauenburger Altstadt scheiterte an der Weigerung vieler Eigentümer.

Das große Elbehochwasser 2013 sorgte schließlich für ein Umdenken. Es war gut einen Meter höher, als das Hochwasser 2002 – und sorgte für große Schäden an den Altstadthäusern. Wenig später begann die Entwicklung von Konzepten für den zukünftigen Schutz.

Während der Schutz zwischen Palmschleuse Altstadt und Kanal inzwischen steht, sind die Voruntersuchungen, Planungen, europaweite Ausschreibungen für Büros und Bauleistungen für den Bereich dazwischen sehr zeitaufwendig. Einigen, auch Bürgern die sich einst weigerten, kann es heute mit dem Schutz nicht schnell genug gehen. Spätestens 2024 soll er komplett stehen. hm

Eva-Maria Mester

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Firma Fressnapf und Kunden spenden für Quarantänestation, die Hunde aus illegalem Handel aufnimmt.

14.08.2017

„INI Qualifizierung & Service“ bietet Onlineunterricht.

14.08.2017

Heute Abend ist Premiere im Domhof – Die tragenden Darsteller und Regisseurin im Portrait.

14.08.2017
Anzeige