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Lauenburg Lauenburger Hafenmeisterin mit Herz
Lokales Lauenburg Lauenburger Hafenmeisterin mit Herz
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11:23 27.07.2017

Als Kind sprach sie nur Türkisch. Der Kontakt zu ihren deutschen Mitschülerinnen in der Lauenburger Grundschule war vom Vater verboten worden. Heute ist ihr Deutsch ausgezeichnet, und sie ist ein besonders gutes Beispiel dafür, dass Integration erfolgreich sein kann: Yildiz Frühauf. Die 42-Jährige betreibt die kleine Marina in Lauenburg – mit Café, Beachclub und 60 Liegeplätzen am Schwimmsteg.

 

Yildiz Frühauf (42), ist die gute Seele der kleinen Marina in Lauenburg. Die Hafenmeisterin hat für alle Fragen und Probleme ein offenes Ohr. Quelle: Foto: Silke Geercken

Wer die quirlige Frau mit den langen, glänzend schwarzen Haaren erlebt, ist augenblicklich gefangen von ihrem Optimismus, ihrer Lebendigkeit, ihrer freundlichen Art, auf Menschen zuzugehen. Nach ihrem Kindheit ist das keine Selbstverständlichkeit. Ihr Vater war einer der ersten türkischen Gastarbeiter, die in den 70er Jahren nach Lauenburg kamen. „Wir waren sieben Kinder und wurden sehr streng erzogen. Mit meinen Mitschülerinnen habe ich mich heimlich getroffen, mein Vater hatte mir den Umgang mit den ‘deutschen Schlampen‘ verboten. Von ihnen lernte ich auch Deutsch, denn zu Hause wurde nur Türkisch gesprochen“, sagt Yildiz Frühauf. Nach der Hauptschule wurde sie Fachverkäuferin. Mit ihrem ersten Mann, einem Bäcker, lebte sie in Tesperhude. Dann kam die persönliche Wende: „Wir wohnten über der Bäckerei, und ich bekam eine Mehlallergie, konnte kaum atmen.“ Mit ihren beiden Kindern, heute 18 und 20 Jahre alt, zog sie Anfang 2000 auf das Familienboot im Lauenburger Hafen.

Wegen der Allergie, aber auch wegen Eheproblemen. „Zwei Monate, dann stand der Winter bevor, und ich wusste nicht, wohin. Vor mir lag das leerstehende Gebäude der ehemaligen Reederei Burmester. Ich habe den Hausmeister angesprochen und konnte dort für wenig Geld eine Wohnung mieten“, so die 42-Jährige. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf, begünstigt durch die Umtriebigkeit der Lauenburgerin.

„Die Skipper haben immer bei mir geklingelt und nach der Altstadt oder einem Kaffee gefragt. Ich kam mir vor wie ein Touristenbüro. Dann hatte ich die Idee, einen Kiosk aufzumachen und Brötchen zu verkaufen. Das lief so gut, dass ich schließlich auch den unteren Raum angemietet habe“, sagt Frühauf, die ihren Lebensunterhalt mit Taxifahrten und als Serviererin bestritt, nebenbei Sportbootführerscheine für See und Binnengewässer machte. Heute gibt sie selbst Unterricht und macht Skippertraining. Der damalige Hafenmeister hatte sein Büro in der Bootshalle, aber 2009 war wieder ein bedeutendes Jahr. Er musste Insolvenz anmelden, und Yildiz Frühauf konnte den Yachthafen mit den Stegen und Bootshalle kaufen. „Ich hatte immer viel gearbeitet und eisern gespart, außerdem etwas Geld von der Berufsgenossenschaft“, sagt sie. Seitdem ist sie die Hafenmeisterin in der Lauenburger Marina.

In der vergangenen Saison haben einige hundert Boote dort Rast gemacht. „Die Lage ist optimal. Hamburg, Lübeck und die Ostsee sind gut zu erreichen. Und die Liegegebühren sind nicht so teuer.“

Im Winter gibt Yildiz Bootsführerscheinkurse, unterstützt von ihrem zweiten Mann. Der war bei der Lübecker Polizei und hat als Skipper einst in Lauenburg Stop gemacht. Ein Stop, der sich wiederholte und inzwischen im Hafen der Ehe endete.

 Silke Geercken

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