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Lauenburger trockneten Flachs an offenem Feuer

Lauenburg Lauenburger trockneten Flachs an offenem Feuer

Langsam bekommen die Archäologen Klarheit darüber, wie es vor etwa 3500 Jahren entlang der heutigen Bundesstraße 5 vor den Toren Lauenburgs ausgesehen haben muss. Bevor die Stadt aus einem Ackerland ein Baugebiet macht, dürfen Archäologen nochmal graben.

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Grabungstechniker Michael Unze in einer ausgehobenen Grube, an deren Seitenwand noch Reste eines historischen Tongefäßes stecken.

Quelle: Foto: T. Jann

Lauenburg. Langsam bekommen die Archäologen Klarheit darüber, wie es vor etwa 3500 Jahren entlang der heutigen Bundesstraße 5 vor den Toren Lauenburgs ausgesehen haben muss. „Auf der Südseite gab es sehr wahrscheinlich eine Siedlung. Die Menschen, die dort lebten, hatten auf der nördlichen Seite der heutigen Straße ihre Lagerplätze. Unter anderem für Flachs, der mit Feuer getrocknet wurde, was entsprechend gefährlich war, weshalb man es nicht in direkter Nähe zu den Häusern gemacht hat“, erklärt Michael Unze. Aus dem Flachs wurden Fäden für Leinen gesponnen.

Unze leitete eine archäologische Grabung in dem Bereich. Hintergrund: Die Stadt möchte die Ackerfläche zum Baugebiet machen. „Ein Grabhügel und Kämpfe aus napoleonischer Zeit waren für diesen Bereich bekannt. Damit war klar, dass wir hier aktiv werden müssen“, berichtete Dr. Ingo Lütjens vom Archäologischen Landesamt bei einer Führung über das Gelände im Beisein mehrerer Lauenburger Politiker.

Ohne das Okay der Spezialisten, die seit April dabei sind, die Verdachtsflächen freizulegen und Gegenstände aus der Bronzezeit zu sichern, gibt es keine Zustimmung zur Bebauung. Klar ist aber: Durch die Untersuchung gibt es zwar eine kleine zeitliche Verzögerung, der anschließenden Bebauung steht dann aber nichts mehr im Weg.

„Leider haben wir hier keine Gebäudereste gefunden“, sagte Unze. Dafür sind es sogar zwei im Durchmesser gut elf Meter große Überreste zweier Hügelgräber, die die Archäologen am Stadtrand freigelegt haben. „Leider sind sie durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Fläche sehr zerpflügt, so dass wir nur noch die Umrisse erkennen können“, erklärt Unze. Fest steht: Hier wurden vor etwa 3500 Jahren Menschen bestattet. Die Menschen hatten zahlreiche Erdlöcher angelegt, in denen sie dann durch die Erde gekühlt in Tongefäßen ihre Lebensmittel und andere Sachen lagerten. „Die Dichte dieser Erdlöcher ist hier sehr hoch“, so Unze. Jedes Loch wird vermessen und dann vorsichtig ausgehoben. Bereits bei der Voruntersuchung des Areals hatte Udo Westerhold, der als Detektorengänger die Arbeiten unterstützte, ein in neun Stücke zerbrochenes Schwert aus der Bronzezeit gefunden. Viele Tonscherben mit markanten Verzierungen ergänzen die Funde jetzt – bis in die Jungsteinzeit zurück reichend.

Auf dem 14 Hektar großen Gelände sollen in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten Grundstücke für etwa 200 Wohneinheiten realisiert werden. „Birnbaumkamp“ heißt das Vorhaben, das die Stadt bereits seit Jahren verfolgt. Bis 2030 sollen alle Häuser gebaut sein, so die Idee. Geplant ist, dass die Stadtbetriebe als Eigentümer des Ackerlandes die Bauflächen nach und nach an Bauträger verkaufen. Für den ersten Abschnitt mit 40 bis 50 Wohneinheiten ist das bereits passiert.

„Wir wollen das Gebiet dosiert auf den Markt bringen“, erläuterte Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Kämen zu schnell zu viele Neubürger, müssten neue Kindergärten und Schulklassen entstehen. 450 bis 550 Menschen könnte das Gebiet zur neuen Heimat werden.

Urnengrab in Geesthacht

Die Archäologen wollen sich auch in Geesthacht ans Werk machen. Damit dort das Gewerbegebiet an der Mercatorstraße erweitert werden kann, muss ein Urnenfeld geborgen werden. 168 000 Euro wird die auf vier Monate Dauer geschätzte Hauptuntersuchung des Geländes kosten. Im April hatte man bei einer Voruntersuchung erste Spuren aus der Bronzezeit entdeckt.

 Timo Jann

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