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Lauenburg Lauenburgische Polizei zählt zu den Langsamsten im Land
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09:00 01.09.2016
"Seit Jahren wird Personal abgebaut.“ Thomas Nommensen, DPolG-Landesvorsitzender

Bei Anruf Hilfe. Darauf hoffen Bürger, die den Notruf der Polizei wählen. Doch bis die Hilfe vor Ort eintrifft, dauert es im Kreis Herzogtum Lauenburg so lange wie in kaum einer anderen Region des Landes. Das geht aus einer Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Ekkehard Klug an die Landesregierung hervor. Durchschnittlich 13,7 Minuten nachdem ein Einsatzleiter in der Leitstelle den Notruf angenommen hat, treffen Polizisten am Einsatzort ein. Nur in Schleswig-Flensburg (14,2 Minuten) und Steinburg (19,4 Minuten) dauert es länger.

Seit Jahren wird Personal abgebaut.“ Thomas Nommensen, DPolG-Landesvorsitzender

Die Einsatzstatistik

13,7 Minuten braucht die Polizei durchschnittlich, um vor Ort zu sein. Der Landesdurchschnitt liegt bei 12,1 Minuten.

7,2 Minuten davon dauert die Disposition in der Leitstelle.

Ziel einer Polizeidienstvorschrift sind zehn Minuten. Bereits vor eineinhalb Jahren waren durch eine CDU-Anfrage ähnliche Probleme bekannt geworden. Die Polizeigewerkschaft beklagt „nicht abgebaute Defizite“ in der Lübecker Leitstelle.

„Es ist ein ganz blödes Gefühl, wenn man den Notruf von einem Bürger bekommt, der vielleicht einen Einbrecher im Haus hat und dann auf seinen Monitor schaut und sieht, dass man keinen Kollegen dort hinschicken kann, weil kein Streifenwagen in der Nähe ist oder man schlichtweg keinen hat“, sagt Thomas Nommensen. Der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ist Einsatzleiter der Lübecker Leitstelle.

Verantwortlich macht der Gewerkschaftler dafür den Personalabbau der vergangenen Landesregierungen. „Es ist seit Jahren schlechter Stil, Personal abzubauen und die kleinen Polizeistationen auf dem Land zu schließen“, sagt Nommensen. Das dann als Konzentration zu bezeichnen, komme „einer Verdummung des Volkes“ gleich. Nur wo Polizei vorhanden ist, kann sie auch schnell vor Ort sein“. Er gehe davon aus, dass mit den bereits beschlossenen Schließungen weiterer Polizeistationen im Kreis sich diese Tendenz noch verstärken werde.

„Für meinen Geschmack dauert das deutlich zu lange“, pflichtet ihm der Landesvorsitzende der zweiten Polizistenvertretung, Gewerkschaft der Polizei, Manfred Börner, bei.

Grundsätzlich sei es allerdings nicht überraschend, dass der ländliche Raum schlechter abschneide, als die Städte. Anders als DpolG-Gewerkschafter Nommensen sieht der SPD-Kreistagsabgeordnete Börner den Abbau der kleinen Dienststellen aber nicht als Hauptgrund. Das Ziel von zehn Minuten aus der Polizeidienstverordnung sei auf dem Land vor allem aufgrund der geringen Personalstärke nicht zu erreichen, sagt Börner. Allerdings gebe es offenbar auch personelle Defizite bei der Disposition, sagt Börner. So benötigt die Lübecker Leitstelle erstmal durchschnittlich 7,2 Minuten, bis nach Annahme des Notrufe Einsatzkräfte überhaupt losgeschickt werden. Nur im Kreis Steinburg (12,2 Minuten) und Ostholstein (7,3) dauert es länger.

FDP-Landtagsabgeordneter Christopher Vogt sieht das Land in der Pflicht. „Es zeigt sich, dass anders als von der Landesregierung behauptet wird, sich die Zentralisierung der Stationen doch auswirkt“, sagt Vogt. Es sei wichtig, dass man auf die zehn Minuten komme, die man sich in der Polizeidienstvorschrift als Gesamtzeit vorgenommen habe. Für den Kreis sei es nicht akzeptabel, das man so weit vom Landesdurchschnitt von 12,1 Minuten weg sei. „Es mangelt hier nicht an Statistiken, sondern an Strukturen. „Das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat ist ohnehin schon angekratzt. Wir brauchen schnell ein Signal, dass sich das ändert“, sagt Vogt. In die gleiche Kerbe schlägt Klaus Schlie (CDU). „Bei der Fläche des Kreises brauche ich genügend Beamte in Einsatzbereitschaft“, sagt Schlie. Zwar sei die Landesregierung nach dem beschlossenen Personalabbau umgeschwenkt und habe angekündigt, mehr Leute einzustellen. „Doch was heute ausgebildet wird, ist erst in ein paar Jahren verfügbar“, so Schlie. Außerdem würden die Ausbildungskapazitäten gerade ausreichen, um den Pensionsweggang zu besetzen.

Landtagskollege Peter Eichstädt ist überrascht. „Ich war erst vor ein paar Monaten mit Ralf Stegner bei der Polizeidirektion zu Gast. Dort sind uns derartige Probleme nicht genannt worden“, sagt Eichstädt. Für erklärungsbedürftig halte er die langen Dispositionszeiten.

 Holger Marohn

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