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Lauenburg Leerstand: „So darf es nicht weiter gehen“
Lokales Lauenburg Leerstand: „So darf es nicht weiter gehen“
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20:42 24.09.2013
Schon kurz nach Ladenschluss um 18 Uhr ist die Möllner Altstadt wie leer gefegt. Aber auch mittags herrscht oft nicht viel Betrieb. Vor zehn Jahren gab es neben Karstadt (später Hertie) auch Fachgeschäfte und einen Schlachter. Allenfalls Bekleidungsdiscounter siedeln sich heute noch an. Quelle: LN

In einem neuen Anlauf wollen die Verantwortlichen der Stadt Mölln etwas gegen den grassierenden Leerstand in der Altstadt tun. In einer öffentlichen Veranstaltung am Montagabend im Quellenhof stellte zunächst Projektberaterin Monika Siegels aus Schleswig einen aus ihrer Sicht richtigen Lösungsansatz vor. Später referierte Stefan Pötzsch aus Hamburg zum selben Thema. Er nutzte dafür das Modell der Stormarner Kreisstadt Bad Oldesloe. Auch dort gab es vor zwei Jahren einen großen Leerstand, den die Stadt mit seiner Hilfe inzwischen fast vollständig beseitigt hat.

Bürgermeister Jan Wiegels machte in seinen Eingangsworten deutlich, welch große Bedeutung gerade die Altstadt sowohl für Touristen als auch für den Einzelhandel habe. „Es gibt momentan 25 leer stehende Geschäfte. Diese Zahl ist besorgniserregend, und es wird Zeit, aktiv zu werden.“ Das letzte Einzelhandelsgutachten stamme aus dem Jahr 2006. Danach habe es nur noch ein Update im Jahr 2009 gegeben. Dennoch mangele es nicht an Vorschlägen oder Untersuchungen. Vielmehr fehlten Geld und Entscheidungen, etwas umzusetzen. „Allen Hauseigentümern und Geschäftsleuten in der Innenstadt sollte klar sein, dass es so nicht weiter gehen kann“, so der Bürgermeister.

Der Vorsitzende von Mölln Marketing, Hans-Jürgen Pieper, stellte die Frage, ob man so weitermachen wolle wie bisher, oder ob man enger zusammen rücken wolle. Man wolle wissen, was die Möllner Geschäftsleute und Hauseigentümer in der Innenstadt dazu beizutragen hätten und was sie wollten. Dann erst könne man Lösungsansätze aufzeigen. Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK Lübeck: „Die Rahmenbedingungen sind nicht gut. Viel geht heute über den online-Handel.“ Die Möllner Innenstadt sei aber eine 1A-Lage für Einzelhändler. Die Kaufkraftkennziffer im Jahr 2009 habe noch bei 127 Prozent gelegen, heute dürfte sie allerdings viel niedriger sein. Schöning sah es als ein Hauptproblem an, dass das Erscheinungsbild der Innenstadt relativ erschreckend sei.

Projektmanagerin Monika Siegels pries das pact-Projekt an. (pact: Partnerschaften zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen). Voraussetzung bei dem Projekt sei, dass die Ideen von den Eigentümern kommen müssten. Ein solches Projekt läuft über fünf Jahre und ist räumlich begrenzt. Dazu merkte die Fraktionsvorsitzende der Möllner CDU, Christiane Gehrmann, an, dass es solche Vorschläge vor elf Jahren schon einmal gegeben habe und daraus bis heute nichts geworden sei, weil sie in den politischen Gremien seinerzeit abgeschmettert worden seien.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde vor allem deutlich, dass in Mölln ein Zugpferd fehlt. Immer wieder wurde dabei auf die beiden „Ruinen“ von Hertie hingewiesen, die einen Schandfleck in der Innenstadt darstellten. Unternehmer Gerd Schmittat: „Die Stadt Mölln hat Schuld daran, dass in der Vergangenheit die Verbrauchermärkte außerhalb der Innenstadt auf der grünen Wiese entstanden sind.“ Auch er sieht es als wichtig an, dass ein Zugpferd in die Innenstadt kommen muss, um so einen Schub auch für weitere Ansiedelungen zu erreichen.

Nach dem Vortrag von Stefan Pözsch über seine Arbeit in Bad Oldesloe konnte sich Bürgermeister Jan Wiegels eine Zusammenarbeit mit dem Planer gut vorstellen, wenn da nicht ein kleines Problem mit der Finanzierung wäre. Denn sollte Pötzsch für Mölln aktiv werden, müsste die Stadt zunächst die Finanzierung seines Projektes übernehmen. Doch die Stadtkassen sind leer. Um das eventuell realisieren zu können, bedarf es sicherlich noch einiger Gesprächsrunden.

„Wir müssen uns professionalisieren. Daran gibt es keinen Zweifel, denn es ist fünf Minuten nach zwölf. Wir müssen wirklich in die Hufe kommen“, beschwor Wiegels die etwa 70 Anwesenden. Helfen sollen auch Vorschläge der Anwesenden, die einen entsprechenden Fragebogen an diesem Abend ausfüllen konnten. „Wir werden das alles auswerten, was sie in die Tonne geworfen haben“, versprach Jan Wiegels.

Karstadt galt einst als Zugpferd
25 Geschäfte oder Ladenlokale stehen in der Möllner Innenstadt leer. Dazu zählen auch die beiden Karstadt- (später Hertie-) Häuser. Beide Häuser wären nach einer Renovierung idealer Standort für ein von den Geschäftsleuten gefordertes Zugpferd. Laut Aussage des Möllner Bürgermeisters gibt es Grund zur Hoffnung, dass es bis Ende des kommenden Jahres zu einer Einigung mit den Eigentümern der Immobilen kommt.
Die Stadt Mölln ist an dem Dilemma nicht schuldlos.“
Gerd Schmittat, Unternehmer

Jens Burmester

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