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Lauenburg Leopold Köppen — Ratzeburgs neue Filmhoffnung
Lokales Lauenburg Leopold Köppen — Ratzeburgs neue Filmhoffnung
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02:15 06.08.2015
Jungregisseur Leopold Köppen (18), der im nächsten Jahr Abitur an der Lauenburgischen Gelehrtenschule macht, präsentierte seinen ersten Spielfilm „21. Century Gentlemen“ im Burgtheater Ratzeburg. Quelle: Strunk
Ratzeburg

Unter großem Medienrummel lief vor zwei Wochen „Kartoffelsalat“ in den deutschen Kinos an. Ein Streifen, der vielen Erwachsenen kaum etwas sagt. Bei den „jungen Leuten“, die sich in den sozialen Netzwerken tummeln, ist es dagegen ein „Bringer“. Denn die Hauptdarsteller und „Macher“ des Werkes kommen allesamt aus dem Jugendmedium „You Tube“. Im TV berichtete der Kinderkanal bereits umfangreich.

Einen kleinen „Hype“ in der lokalen Filmszene gab es aber auch im heimischen Ratzeburg, als vor wenigen Tagen der erste Spielfilm von Leopold Köppen, Schüler an der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG), im Burgtheater aufgeführt wurde. „21. Century Gentlemen“ lautet der Titel der 50-minütigen „Komödie über die Jugend von heute und ihren Umgang mit- und untereinander“, so der Jungregisseur.

„Ein Jahr, einen Monat und eine Woche“ habe es gedauert, bis der Film von der Entstehungsidee bis zur Fertigstellung im März dieses Jahres in der Aula der LG uraufgeführt wurde. „Ein voller Erfolg mit 230 Besuchern und durchweg positiver Resonanz“, berichtete Köppen nach der Premiere im „echten“ Kino Burgtheater. Da stand er gemeinsam mit einigen seiner Hauptdarsteller auf der Bühne und beantwortete Fragen aus dem Publikum.

„Der Anfang war eigentlich nur ein kurzer Sketch, der in einer Bar spielt, wo einer der Hauptdarsteller sein Bier selbst mitgebracht hat und trinkt, um deswegen hinaus geworfen zu werden“, erzählt der 18-Jährige. Diesen kurzen Clip habe er Samira Drilling, einer Mitstreiterin aus der Theater AG an der LG, gezeigt, die daraufhin meinte, daraus könne man mehr machen.

„Da habe ich erst was hinten dran gehängt, dann kam eine Vorgeschichte dazu und so ist der Film nach und nach länger geworden und gewachsen“, erklärt Köppen die unkonventionelle, aber nicht unbedingt untypische Art des Drehs. „Wir hatten kein Storyboard, auch keine Skizzen für die Einstellungen. Lediglich die Dialoge waren gescriptet“, sagt er. Aber auch da wurde viel improvisiert. Gerade die oben beschriebene Szene in der Bar benötigte 16 Takes (Aufnahmen), ehe sie im Kasten und Köppen zufrieden war.

Unterstützung erhielt Köppen nicht nur von seinen Mitstreitern und Darstellern — die meisten Freunde von der LG wie Leonard Bernd („Tom“), Andreas Portius („Paul“), Georg Klages („Kevin“) und Samira Drilling („Sarah“) —, sondern auch von seinen „Kameraleuten“, von der Filmschule Eduard Wehmeyers, von der er mit Equipment ausgestattet wurde, und von Frank Düwel, dem Intendanten des Kultursommers, der das Drehbuch las und einige Tipps gab.

„Willst Du mit dem Filmen weitermachen?“, wurde er von einem der Burgtheater-Besucher gefragt. „Ich habe diverse Ideen im Kopf, vielleicht eine Gangsterkomödie.“ Das sei aber noch nicht ausgereift. Vielleicht reicht ja die Zeit in den Sommerferien dazu. Auf jeden Fall will er später in diesem Metier arbeiten. „Ich fühl‘ mich gut. Im Film selbst spiele ich in einer etwas abstrusen Rolle auch mit, aber wohler ist mir hinter der Kamera“, sagt Köppen.

Noch hat er ein knappes Jahr vor sich, um sich auf etwas anderes zu konzentrieren: sein Abitur im nächsten Sommer. Danach will er ein längeres Praktikum im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres absolvieren. Was genau, ist noch offen. Und anschließend ein Filmstudium? „Mit 20, 21 kommt man da noch nicht an. Ich will lieber erst eine Ausbildung als Kameramann oder Tontechniker machen und darauf aufbauen. Dann klappt es vielleicht mit dem Regiestudium.“

Dass das alles klappt, darüber ist sich zumindest Martin Turowski sicher. Der Geschäftsführer des Burgtheaters Ratzeburg prognostiziert: „Leopold werden wir wiedersehen — in zehn Jahren. Aber nicht hier, sondern ganz oben in der deutschen Filmszene!“

Teilnahme beim Film-Fest
Mit „21. Century Gentlemen“ will Köppen sich auch beim Jugend-Film- Fest Schleswig-Holstein beteiligen, das im November bei Flensburg stattfinden wird. Wer sich den Streifen am heimischen Fernseher anschauen möchte, muss sich noch etwas gedulden, bis Köppen die Freigabe von der Gema erhalten hat. Dann kann man die DVD für vier oder fünf Euro kaufen. Die Einnahmen kommen übrigens der Filmschule zugute. Von dem Geld sollen eine Steady-Cam, eine Kameraschiene und Beleuchtung gekauft werden.


Sobald Köppen sich zum nächsten Filmprojekt entschieden hat, macht er sich auf die Suche nach Darstellern und Komparsen. Alle, die Lust haben, sich daran zu beteiligen und selbst mal im Film mitzuspielen, können sich zum Casting unter der E-Mail-Adresse film42-rz@outlook.de anmelden.
Kino am Wochenende
Das Norddeutsche Freiluftkino macht am Wochenende Station in Neu Horst und in Ratzeburg. Auf der Wiese hinter dem Theater im Stall läuft morgen um 21.30 Uhr die französische Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“: Alle in der Familie Bélier sind gehörlos — bis auf Tochter Paula. Die übersetzt immer und überall. Doch als sie für ein Gesangsstudium nach Paris zieht, stürzt die beschauliche Welt der Familie Bélier plötzlich ins Chaos.



Ein außergewöhnliches Aufeinandertreffen der Generationen ist auch die deutsche Komödie „Wir sind die Neuen“, die am Sonnabend um 21 Uhr im Seglerhafen des CVJM in Ratzeburg läuft: Aus finanzieller Not heraus gründen die Alt-68er Anne, Eddi und Johannes ihre alte Studenten-WG einfach neu. Doch über den dreien wohnen drei Studenten von heute. Der erste Krach lässt nicht lange auf sich warten.

Hauptdarsteller des Abends ist die schwimmende Leinwand und das Freiluftkino-Erlebnis. Der Eintritt beträgt wie immer 7,50 Euro, für Filmclub-Mitglieder fünf Euro. Sitzgelegenheiten wie Campingstühle oder Decken sind selbst mitzubringen.
• Weitere Infos im Internet unter
www.filmclub-ratzeburg.de

Unk Joachim Strunk

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