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Lauenburg Lernen von Wikingern und anderen Minderheiten
Lokales Lauenburg Lernen von Wikingern und anderen Minderheiten
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20:53 04.10.2017
Christof Müller vom Verein Alte Schule in Buchholz am Ratzeburger See ging mit seiner Crew und u. a. Marvin Knüpfer (19), Julian Schindler (24) und Louis Bartel (24) in der Westukraine auf „Wikingertour“.
Buchholz

„Es war eine einmalige Erfahrung“, schwärmt Julian Schindler. Der 24-Jährige war einer von fünf Ratzeburgern und insgesamt zehn jungen Deutschen, die an dem deutsch-dänisch-ukrainischen Projekt im westukrainischen Nationalpark Podilski Tovtry nahe der moldawischen Grenze teilgenommen haben.

Dieses Gemeinschaftsprojekt läuft unter dem Titel „Von Wikingern und anderen Minderheiten – Demokratie in Europa“ über insgesamt drei Jahre. Involviert sind vor allem sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene, die noch keine Ausbildung oder keine Anstellung haben, sondern in „Arbeitsgelegenheiten“ – sogenannten „1-Euro-Jobs“ – beschäftigt sind oder waren. In Kooperation mit dem Jobcenter hat sich der Verein Alte Schule in Buchholz dieser Jugendlichen angenommen und fördert sie in Projekten von drei bis 24 Monaten Dauer.

Julian Schindler hat bereits verschiedene berufliche Erfahrungen gemacht. Die Ausbildungen als Koch und danach in der Logistik-Branche haben ihm nicht gefallen. Heute ist der 24-Jährige in einem forstwirtschaftlichen Betrieb tätig und macht „viel mit Holz“. „Insofern passte das mit der Fahrt hervorragend“, erzählt er. Sein Chef hatte ihm sogar extra die zwei Wochen frei gegeben, damit er kräftig Hand anlegen konnte beim Bau des Wikingerschiffes „Hugin“ in Chotyn und anschließend in Nowonystrowsk. Aufmerksam hatte er sich dort auch die dort üblichen Bauweisen von Bänken, Zäunen oder Hochsitzen angeschaut, um davon später in seinem Job profitieren zu können.

Die Arbeit als solche war allerdings eher zweitrangig. Im Vordergrund stand das gemeinschaftliche Erleben und Miteinander-Umgehen der jungen Dänen, Deutschen und Ukrainer. „Wir waren quasi viersprachig unterwegs: auf deutsch, dänisch, ukrainisch und englisch“, erklärt Louis Bartel (24), der schon seit Beginn des Projektes vor drei Jahren dabei und mittlerweile als „Teamer“ oder Gruppenleiter tätig ist.

Jungen und Mädchen beziehungsweise Männer und Frauen verstanden sich trotz unterschiedlicher Sprachkenntnisse und Kultur hervorragend. „Da war kein Platz für Diskriminierung. Alle waren gleichberechtigt, jeder wurde als eigenständiger Mensch angenommen, auch wenn die einen Lernschwächen hatten und die anderen an der Uni studierten“, erzählt Marvin Knüpfer (19). Er selbst hat die Hauptschule besucht. An der Berufsschule in Mölln scheiterte er am Realschulabschluss und kam so zum Jobcenter. Mittlerweile hat er aber – vielleicht nicht zuletzt durch das Wikingerschiffprojekt – eine Lehrstelle beim Bootsbauer Sager in Kulpin.

„Diese Camps – in Dänemark hatten wir vor zwei Jahren das erste und in Deutschland im vergangenen Jahr das zweite – fördern das Selbstwertgefühl der jungen Leute, die ansonsten vielfach sozial benachteiligt sind, unglaublich“, erklärt Christof Müller, der den Verein Alte Schule in Buchholz bereits 1980 gegründet hatte. „Das ist zudem eine hervorragende Maßnahme gegen rechte Tendenzen und Fremdenfeindlichkeit.“ Was Marvin, Julian und Louis eindringlich bestätigen und mit vielen kleinen Anekdoten aus dem gemeinsamen Lagerleben unterstreichen.

Das Konzept der „Alten Schule“ hat sich über die Jahre erfolgreich entwickelt. Derzeit unterhält der Verein neben dem Stammsitz in Buchholz fünf Tagungs- und Jugendgästehäuser sowie Begegnungsstätten – drei in Mecklenburg-Vorpommern und zwei in Schleswig-Holstein, nämlich inSüsel und Hanerau-Hademarschen.

Bei dem aktuellen Projekt arbeitet der Verein Alte Schule mit der Produktionsschule Roskilde (Dänemark) und der Deutsch-Ukrainischen Gemeinschaft der Jugendarbeit e.V. zusammen. Finanziert wird es durch das Land Schleswig-Holstein und das Europäische Förderprogramm Erasmus.

Bewährtes Konzept

Schon 1997 baute der bekannte Weltumsegler Burkhard Pieske gemeinsam mit Christof Müller vom Verein „Alte Schule“ in Buchholz mit arbeitslosen Jugendlichen fünf Wikingerschiffe.

Sie entwickelten das Konzept Euro-Viking, das die Reisen in der Natur „knallhart und konsequent“ einsetzt, um gestrauchelte junge Menschen zu therapieren und zu fördern.

Ein Team aus ehrenamtlichen Lehrern, Sportlern, Sozialarbeitern und Survivaltrainern begleiten die Reisen professionell.

Joachim Strunk

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