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Ratzeburg Lesen, hören, schreiben: Deutsch lernen im Eiltempo

Die ersten Migranten haben an der Ratzeburger VHS ihre Zeugnisse erhalten – Alle haben bestanden, nun absolvieren sie Praktika oder belegen weiterführende Sprachkurse.

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Die Ratzeburger VHS zieht eine überaus positive Bilanz der ersten Deutschkurse für Migranten. Lehrerin Marianne Bettelhäuser (vorn, dritte von rechts) lobt Engagement, Zuverlässigkeit und Zielstrebigkeit der Schüler: „Das war sehr beeindruckend und hat Freude bereitet.“ Fotos (3): D. Baumm

Ratzeburg. Tahnia! Mabruuk a-iidäkk! Shnorhavorum yem! Das heißt „Herzlichen Glückwunsch“ auf arabisch, syrisch (zum Geburtstag – knapper teilt Tante Google es nicht aus) und armenisch. Wozu? Prüfung bestanden! 40 Sprachschüler aus den Flüchtlingssprachkursen der Volkshochschule Ratzeburg haben ihre ersten Deutschzertifikate erhalten. „Heute ist ein großer Tag in Schleswig-Holstein“, sagte Bürgermeister Rainer Voß, der sich die Ehre der Begrüßung nicht nehmen ließ. In allen Schulen des Landes würden die Zeugnisse ausgeteilt, „die schönste Zeugnisvergabe findet aber hier statt.“ Seine Ansprache an die sehr aufgeregten Migranten fiel herzlich aus: „Sie haben eine großartige Leistung vollbracht, wir sind sehr stolz auf Sie!“ Der erste Mann der Stadt denkt natürlich weiter: „Auch weil Sie nun viel besser in Ratzeburg und Umgebung zurecht kommen.“

LN-Bild

Die ersten Migranten haben an der Ratzeburger VHS ihre Zeugnisse erhalten – Alle haben bestanden, nun absolvieren sie Praktika oder belegen weiterführende Sprachkurse.

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Die Schüler der VHS kamen aus den verschiedensten Ländern, waren zwischen 18 und 40plus Jahren alt, hatten die unterschiedlichsten Bildungshintergründe – eine Herausforderung für die Sprachlehrer.

Die haben sie aber gern angenommen. 40 Schüler, die auf zwei Kurse verteilt in wenigen Wochen mit einem beeindruckenden Feuereifer die für sie so schwere Sprache mit den ungewohnten Lauten und der sonderbaren Schrift gepaukt haben. Alle haben bestanden, einige sogar mit einem Abschluss, der sie nun für ein Praktikum und eine Ausbildung berechtigt. Hut ab!

Das Ehepaar Marianne und Hans Jörg Bettelhäuser, beide Germanisten, hatte einen Kursus betreut, Hannelore Machnik und Sigrid Kuss, die beide nicht bei der Feier dabei sein konnten, den anderen. Alle vier Lehrer sind ausgesprochen stolz auf ihre Schüler. Hans Jörg Bettelhäuser bemühte den großen Literaten Oscar Wilde, der gesagt hat, das Leben sei zu kurz, um Deutsch zu lernen. „Sie haben ihn Lügen gestraft, haben es in kürzester Zeit weit gebracht.“ Sein schönster Lohn: „Wenn man einen Witz macht, und der Schüler lacht. Oder wenn eine Teilnehmerin alle überrascht, weil sie plötzlich ein Lied op Platt singt.“ Und noch einmal wird eine Geistesgröße zitiert, nämlich Konfuzius: „Das eigene einer Sprache besteht darin, dass man verstanden wird.“ Bevor Bettelhäuser sich dran machte, die Zeugnisse auszuteilen, gab er den Migranten noch etwas mit auf den Weg: „Ideal wäre es nun, wenn Sie auch auf Deutsch träumten. Dafür wünsche ich Ihnen angenehme, schöne Träume.“

Alle Schüler haben bestanden, mindestens auf dem Einstiegsniveau A1. Dafür gibt es Noten, mancher durfte sich über eine Eins freuen. Eine beeindruckende Zahl der Schüler hat allerdings auch auf dem weiterführenden Niveau A2/B1 der europäischen Sprachzertifizierung die Prüfung abgelegt. Die Prüfung fand vor drei Wochen stand, bestehend aus einer schriftlichen und einer mündlichen Leistungskontrolle. Alle bekamen einen begeisterten Applaus, besonders groß war der Jubel für jedes B1. Kein Wunder: Diese Note ebnet den Weg zu Praktikum und Ausbildung.

Strahlende Gesichter überall. Auch die Schwestern Lianna und Tatevik Khachatryan aus Armenien grinsten von einem Ohr zum anderen. Seit neun Monaten sind sie in Deutschland. Jetzt hatten sie vier knappe Monate Zeit, die Sprache mit den ungewohnten Lauten zu lernen. Die 27-jährige Tatevik ist gelernte Englisch-Dolmetscherin. Die Mutter des fünfjährigen Rustam möchte gern einen Bürojob lernen.

Ihre Schwester Lianna ist studierte Winzerin. Die 25-Jährige hat bereits einen Praktikumsplatz in Mölln bei „Gleis 21“, dem Jugendtreff des Diakonischen Werkes. Noch viel besser Deutsch lernen, so viele Kontakte zu Deutschen wie möglich: Das wünschen sich beide Schwestern. Lianna war es übrigens auch, die ihre Lehrer und Mitschüler mit „Dat du min Leevsten büst“ überrascht hat. Für sie und alle anderen heißt es nun: Weiterlernen. Und durchstarten. Herzlichen Glückwunsch!

VHS Ratzeburg unterstützt ehrenamtliche Sprachbegleiter in der Flüchtlingshilfe

Zahlreiche ehrenamtliche Sprachbegleiterinnen und -begleiter engagieren sich im gesamten Kreisgebiet als Paten oder in Lernkreisen für die Sprachkenntnisse von Flüchtlingen. Sie tragen damit ganz maßgeblich zu den Lernerfolgen bei, die in den Sprachkursen der Volkshochschule Ratzeburg systematisch vorbereitet und bis zu den europäischen Sprachzertifikaten geführt werden.

Der Anspruch für ehrenamtliche Sprachbegleiterinnen und Sprachbegleiter ist dabei sehr hoch, reicht doch das Spektrum der Arbeit von Alphabetisierungshilfe über Vertiefungsaufgaben in Absprache mit den Sprachkursen bis hin zu Konversationsübungen. Dabei tauchen immer wieder viele Fragen auf hinsichtlich der Vermittlung und Methodik, die am erfolgreichsten zum Ziel führen, so dass die Volkshochschule Ratzeburg kürzlich zusammen mit dem Landesverband der Volkshochschulen ein Tagesseminar gezielt zu diesem Thema für ehrenamtliche Sprachbegleiter durchgeführt hat.

Referentin Margarita Schramm- Klostermann vom Landesverband der Volkshochschulen stellte methodische Konzepte der Sprachvermittlung bei Flüchtlingen sowie geeignete Lehrmaterialien vor und ging sehr individuell auf die Fragen der 20 Seminarteilnehmer ein.

Silvia Tessmer , Geschäftsführerin der Ratzeburger Volkshochschule, konnte sich über eine sehr positive Resonanz zu diesem Angebot freuen: „Die Seminarteilnehmer, die aus dem gesamten Nordkreis zu uns gekommen sind, haben sich im Anschluss an die Fortbildung bedankt und den Wunsch geäußert, die Fortbildungsinhalte zu vertiefen. Gerade für die Ehrenamtler sind solche Veranstaltungen sehr wichtig, um mehr Sicherheit in der eigenen Arbeit zu erhalten.“

Dorothea Baumm

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