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Lauenburg Literaturherbst und ein Held wie Du und ich
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10:55 09.11.2017
Till Raether Jahrgang 1969, Journalist, Autor, Hamburgfan. Quelle: Foto: Brinkkoetter/hfr
Schwarzenbek

Vielleicht gehen eingefleischte Krimifans nach der Lesung nach Hause. Nehmen eine Kladde zur Hand, schreiben „Glückstagebuch“ auf den Umschlag und notieren auf der ersten Seite: „9. November.

Dankbar, dass ich Till Raether aus seinem neuen Krimi lesen hören durfte.“ So ein Dankbarkeitstagebuch soll ja nachweislich glücklich machen. Raethers Kommissar Adam Danowski führt eins. „Neunauge“

ist sein vierter Fall. Nachdem Danowski einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, hatte er „sich vorgenommen, sich vor allem darauf zu konzentrieren: Zufriedenheit. Und die Arschlöcher Arschlöcher sein zu lassen, so egal, wie sie waren“.

So schreibt Raether, so zeichnet er seine Hauptfigur: desillusioniert und genervt vom Leben, von seinem Arbeitsalltag. Der Autor selbst mag seinen Ermittler. „Danowski hatte sich neu erfunden, er lernte gerade, sich auf das Positive zu besinnen, jeden Tag. Aber daran, dass er sich immer wieder sagen musste, dass er sich neu erfunden hatte, merkte er, dass es bisher nicht so ganz geklappt hatte.“

Dieser Kommissar ist alles andere als fehlerfrei. Kein Superheld, der Fälle im eigenbrötlerischen Alleingang löst. Wie Raether seine Figuren entwickelt: Da merkt man den Journalisten, das genaue Beobachten, das Auf-den- Punkt-bringen. „Meine Frau ist auch Journalistin“, erzählt Raether. „Sie ist immer die erste, die meine Bücher liest. Wenn es ihr gefällt, weiß ich, dass es mir gelungen ist.“

Er habe umdenken und umlernen müssen auf dem Weg vom Journalisten zum Krimiautor. „Als Journalist recherchiere ich, um wahrheitsgetreu abzubilden. Krimischreiben ist ein ganz anderer Job; ein Krimi ist ein Kunstprodukt.“ Für seinen ersten Krimi habe er noch „wahnsinnig viel recherchiert“, erzählt der Hamburger, der unter anderem für „Brigitte Woman“, Merian und das SZ-Magazin gearbeitet hat.

Raethers Ziel ist es nicht, ein realistisches Abbild der Polizeiarbeit zu geben. Die Themen aber, die recherchiere er sehr genau. Für „Neunauge“ habe er viel Zeit an zwei Hamburger Schulen verbracht, „ich habe die Keller genau inspiziert und habe eine Schulbaustelle, eine Entkernung, genau angeschaut.“

Die Kinder des Hamburgers sind 13 und 10, „die sind mitten im Schulalter“. Was der Vater schreibt, lesen sie nicht. „Das ist wohl nicht interessant. Wenn das Paket mit dem neuen Buch kommt, finden sie das etwa anderthalb Minuten spannend.“

Raether selbst ist übrigens auch gespannt auf die Lesung. „Ich habe schon zwei Mal in Schwarzenbek gelesen, das war toll“, sagt er. Onkel und Tante leben in Schwarzenbek, sein Vater und dessen Frau kommen auch. „Eine Lesung vor der eigenen Verwandtschaft, das ist schon ein bisschen aufregender als sonst.“

NACHGEFRAGT

Nennen Sie mir bitte ganz spontan drei Gründe, „Neunauge“ zu lesen. Erstens hoffe ich, dass der Kommissar eine Figur ist, mit der man sich leicht identifizieren kann. Er ist ein ganz normaler, leicht genervter Arbeitnehmer.

Zweitens. . . . . .gibt das Buch einen ungewohnten Einblick in etwas, das jeder kennt. Sie können die Schule, das Schulsystem sozusagen von unten kennenlernen.

Und drittens? Ist das Buch eine Liebeserklärung an Norddeutschland im Sommer!

 Von Dorothea Baumm

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