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Lauenburg Lübecker Stromausfall legte digitale Alarmierung lahm
Lokales Lauenburg Lübecker Stromausfall legte digitale Alarmierung lahm
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23:04 17.05.2018
In der Integrierten Regional-Leitstelle Süd in Bad Oldesloe werden normalerweise Einsätze von 350 Feuerwehren in drei Landkreisen koordiniert. Funk und Alarmierung fielen jetzt teilweise aus. Quelle: Foto: Timo Jann

Damit konnten die Retter über Stunden nicht zuverlässig alarmiert werden, was gegen 16.30 Uhr dazu führte, dass vorsorglich Tausende Feuerwehrleute von 350 Feuerwehren in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein in ihre Gerätehäuser gerufen wurden, um gegebenenfalls nach telefonischen Einsatzinformationen schnell ausrücken zu können.

Das war eine Sonderlage, wie es sie zuvor noch nie gab. „Zum Glück gab es parallel keine große Schadenslage, so dass man das Problem und die Lösung fast als Übung verbuchen könnte“, sagte am Donnerstag Tobias Frohnert, der Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Doch tatsächlich steckt hinter der technischen Panne ein massives Problem. Funk und Alarmierung gelten als kritische Infrastruktur, die jederzeit funktionieren muss. Frohnert: „Der Ausfall war nicht der gedachte Soll-Ablauf für so eine Situation.“ Welche Probleme genau auftraten, müsse jetzt aufgeklärt werden. „Man muss alle technischen Maßnahmen ausschöpfen, damit so etwas nicht passiert. Wir saßen mit mehr als 30 Einsatzkräften in der Wache und wären so auf alles vorbereitet gewesen, aber das muss im Ehrenamt ja nicht sein“, sagte Geesthachts Feuerwehrchef Sven Albrecht.

Die Leitstelle in Bad Oldesloe verfügt über Notstromaggregate, war aber vom eigentlichen Stromausfall in Lübeck gar nicht betroffen. Wohl aber die Stromversorgung der DXT-Anlage, von der es bundesweit 64 Stück gibt und die das Land betreibt. Die Landkreise sind nur Nutzer. „Eigentlich soll die Anlage auch bei Stromausfall funktionieren. Woran es lag, dass das jetzt nicht ging, muss geklärt werden“, so Frohnert.

Die drei Kreiswehrführer reagierten nach der Problemmeldung und ließen vorsorglich ihre Feuerwehren in Alarmbereitschaft versetzen, da anfangs nicht erkennbar war, welches Ausmaß die Störung hatte.

„Wir konnten nicht alarmiert werden“, berichtete Ratzeburgs Wehrführer Christian Nimtz. Er telefonierte sich eine Mannschaft zusammen, um notfalls eingreifen zu können. „Die Entscheidung für den Alarm war genau richtig. Einerseits konnte man gleich prüfen, wo die Alarmierung läuft und wo nicht, andererseits hätte man bei möglichen Einsätzen auch schnell reagieren können“, erklärt Schwarzenbeks Feuerwehrchef Thorsten Bettin. „Ich mag mir aber nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn es beispielsweise auch noch zu einem Telefonausfall gekommen wäre“, so Bettin.

Die Technischen Einsatzleitungen des Katastrophenschutzes der Landkreise unterstützten die Leitstelle bei der Koordination. Nimtz: „Es ist ein beunruhigendes Gefühl, wenn man sich nicht 100-prozentig auf die angeblich so sichere moderne Technik verlassen kann.“ So hat der „Blackout“ – glücklicherweise ohne nennenswerte Folgen – eine massive Schwachstelle im System offenbart. Frohnert: „Das muss natürlich geklärt und für die Zukunft abgestellt werden. Da ist unser Katastrophenschutz auch schon dran.“

Bis 19.15 Uhr warteten die Retter in den Wachen – danach sollte das neu hochgefahrene System wieder zuverlässig funktionieren.

Schwachstelle entdeckt

Der Kreis Stormarn kündigte am Donnerstag an, dass man schon mit Hochdruck an der Problemlösung arbeite. „Das ist aber eine sehr komplexe Sache“, erklärte Ingo Lange, stellvertretender Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung. Lange ergänzte: „Außerdem ist unser Katastrophenschutz ohnehin dabei, unabhängig von diesem Zwischenfall, zu klären, inwieweit wir auf einen flächendeckenden Stromausfall vorbereitet sind. Aber solche Schwachstelle, wie wir sie jetzt hatten, stellt man manchmal auch erst fest, wenn sie aufploppt.“

 Timo Jann

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