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Mammutprojekt „Krummesser Einbaum“

Krummesse Mammutprojekt „Krummesser Einbaum“

Ein Schulprojekt nahm ungeahnte Ausmaße an: Der 14-jährige Lukas Garens hat sich mit viel Fleiß und Arbeit einen eigenen Einbaum gebaut - aber die Arbeit hat sich gelohnt.

Am Anfang war der Baumstamm. Baum bergen, erster Versuch: gescheitert. Ein 40-Tonner musste her.

Krummesse. Normale Familien haben Autos vor der Garage stehen. Aber einen Einbaum? In der Einfahrt von Familie Garen in Krummesse steht einer. Mächtig gewaltig. Daneben steht Lukas, der 14-jährige Sohn der Familie. Ein bisschen verlegen grinst er, aber auch stolz. Keine Frage, sein Einbaum ist eine echt coole Nummer!

Angefangen hat die Geschichte recht harmlos. Leonhard Böhm ist der Klassenlehrer von Lukas an der Lübecker Waldorfschule. Und er hat den Jugendlichen im Herbst ein so genanntes Jahresprojekt aufgetragen. Von einem Einbaum war nicht die Rede, aber das war genau das, was Lukas sich in den Kopf gesetzt hatte. „Ich bin bis vor kurzem aktiver Paddler gewesen, und ich fand so einen Einbaum interessant. Auch den geschichtlichen Hintergrund dieser Boote“, so erklärt Lukas seine Motivation.

In der Tat: eine coole Nummer. Das sieht auch sein Vater so. „Ich fand die Idee klasse. Allerdings habe ich vor meinem inneren Auge die Arbeit gesehen – und Lukas deshalb von dem Projekt abgeraten.“

Da sein Sohn aber nichts anderes wollte, hat Torsten Garen eingelenkt. „Ich haben vor allem gedacht, dass es eine tolle und vermutlich einmalige Chance für so ein Vater-Sohn-Projekt ist. Darum habe ich dann zugestimmt.“

Wenn Lukas heute in seinem Einbaum sitzt, ist er sehr, sehr stolz. Aber er ist auch ehrlich genug um zuzugeben, dass er – im Gegensatz zu seinem Vater – die Aufgabe komplett unterschätzt hat.

Beginnend damit, einen Baum zu bekommen, der groß genug ist – und das Riesentrumm dann auch noch nach Hause zu schaffen, um dort arbeiten zu können. Hier trat Nachbar Eckhard Witzorky zum ersten Mal auf den Plan, und überhaupt: „Er war nicht mit Gold aufzuwiegen. Ohne seine unermüdliche Hilfe wären wir längst nicht da, wo wir heute sind“, stellt Torsten Garen fest.

Eckhard Witzorky jedenfalls war es, der den Kontakt zu einem Förster verschaffte. Vater und Sohn suchten sich einen Baum aus, eine Pappel übrigens, ein gewaltiges Gewächs. Der Förster hat diese Pappel fällen lassen. Und da lag sie nun, mitten im Wald, weit weg von der Krummesser Einfahrt, viel zu schwer für einen Autoanhänger. Also zückte Vater Garen zum ersten Mal in dieser langen Geschichte sein Portemonnaie und zahlte. Den Baum. Und direkt danach den Transport: mit einem 40-Tonner mit Kran. Spaßpreis unter Freunden, aber trotzdem. . .

Und so ging es munter weiter. Mit dem handelsüblichen Werkzeug, das sich in einer Familiengarage findet, ist aus einem Baum kein Boot zu gewinnen. Und überhaupt: Wie baut man so ein Ding überhaupt?

Muss es nicht vielleicht sogar ein ganz bestimmtes Holz sein? Ein ganz anderes? Mehr als einmal schauten Vater und Sohn dumm aus der Wäsche, mussten improvisieren. Nur gut, dass Torsten Garen Maschinenbau-Ingenieur ist, und spätestens seit Daniel Düsentrieb wissen wir es doch genau: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“. Bei Garens wurden also Videos mit Einbäumen angeschaut. Und Lukas musste rechnen: Wie groß musste der Baum sein, welchen Umfang musste er haben, damit, nach dem Schälen und Aushöhlen auf Hüftbreite, noch genug (Ein-)Baum übrigblieb?

Von November, seit Garens den Anruf vom Förster bekamen, dass ihr Baum gefällt auf Abholung warte, bis heute hat sich viel getan im Vorgarten der Familie. Wo gehobelt wird, fallen Späne – Stimmungshochs wechselten sich mit Motivationstiefs ab, mehr als einmal mussten Torsten Garen und seine Frau den Filius an das Jahresprojekt erinnern. „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“: Torsten Garen hat seine Lektion gelernt. Aber er hat über all den Geldausgaben und den vielen Stunden Motivationsarbeit und Einbaumbau-Unterstützung seinen Humor nicht verloren.

Hut ab. Eine echt coole Nummer, die Vater und Sohn da durchgezogen haben. Was aus dem Einbaum mal wird, steht noch in den Sternen. Zunächst einmal wird er am 18. Juni zu Wasser gelassen und getauft. „Ronja“ soll er heißen, nach der Tochter der Garens. Und anschließend gibt es im Garten der Familie ein Fest für alle, die mit angepackt haben, die Werkzeug geliehen und Transporte ermöglicht haben. Und für die Nachbarn, die den Lärm erduldet haben.

Das eigentlich coole an dem Einbaumbau wird sich Lukas vermutlich erst in einigen Jahren erschließen. Wenn er nämlich begreift, was für einen tollen Vater er hat, der das Projekt verstanden und unterstützt hat. Dieses beeindruckende Vater-Sohn-Ding. Lehrer Böhm und der Waldorf-Schule sei Dank.

Themenwahl und Bau

Die so genannte Jahresarbeit (auch Acht- bzw. Zwölftklassarbeit) ist Bestandteil des 8. und 12. Schuljahrs an freien Waldorfschulen. Der Sinn der Jahresarbeit besteht darin, dass sich der Schüler für ein Schulhalbjahr intensiv mit einem Thema sowohl praktisch als auch theoretisch und künstlerisch auseinandersetzt – so ist es laut Wikipedia definiert. Leonhard Böhm gab keine Vorgaben, und herausgekommen sind tolle Arbeiten, zum Teil auch beachtliches soziales Engagement, unter anderem in der Flüchtlingshilfe.

Das älteste bekannte Wasserfahrzeug ist ein Einbaum aus der Mittelsteinzeit. Diese Wasserfahrzeuge wurden über die Bronzezeit und das Mittelalter bis in die Neuzeit genutzt, in vielen Ecken der Erde werden sie immer noch als Transportmittel und beim Fischfang genutzt.

Der Bau erfolgt ein wenig „frei Schnauze“. Die Wahl des Holzes ist im Grunde völlig egal. Hauptsache, der Stamm ist möglichst gerade, lang und dick genug und ohne Risse. Allerdings sollte das Holz gut zu bearbeiten und nicht zu schwer sein. Torsten und Lukas Garen haben mit Dechsel (einem Querbeil) und diversen Motorsägen gearbeitet. Bei den Arbeiten war das Auflängebringen und Schälen des Baumstammes noch das einfachste. Das Aushöhlen war Knochenarbeit; die groben Maße hat Lukas vorher berechnet. teo

 Dorothea Baumm

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