Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Mangels Flüchtlingen: Gemeinde Güster wird zum Hotelbetreiber
Lokales Lauenburg Mangels Flüchtlingen: Gemeinde Güster wird zum Hotelbetreiber
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:26 08.06.2016
Mit „Egge’s Gasthof“ hat Güster nun neben der Alten Schule ein weiteres Dorfgemeinschaftshaus – sogar mit Kegelbahn. Quelle: H. Marohn

Ein Kulturzentrum mit Sitzungssaal und eigener Bücherei hat die Gemeinde Güster bereits, auch ein Kulturpfad erinnert an die vom Kiesabbau geprägte Geschichte des Ortes. Seit einigen Monaten ist nun auch noch ein Dorfgemeinschaftshaus hinzugekommen: „Egge's Gasthof“. Eigentlich wollte die 1200-Seelen-Gemeinde die dort vorhandenen Fremdenzimmer zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzen. Doch der Zustrom ist bekanntermaßen nach der Schließung der Balkanroute abgeebbt. Folge: Die frisch umgebauten Zimmer wurden nicht mehr benötigt.

Eine andere Nutzung musste her. Und so ist die Gemeinde wie die Jungfrau zum Kinde Hotel-Betreiber geworden. Und das läuft gar nicht so schlecht. „Wir sind regelmäßig ausgebucht“, frohlockt Bürgermeister Wilhelm Burmester während der Gemeindevertretersitzung. Drei Anfragen pro Woche würden bei ihm auflaufen. 60 Euro, so viel wie zuvor bereits Gasthofbetreiber Egge, verlange die Gemeinde vorerst für ein Zimmer. Vor allem bei Radwanderern sei das Angebot begehrt. Der Gemeinde sei sogar schon empfohlen worden, bereits in Witzeeze an der Schleuse und nördlich von Mölln Hinweisschilder aufzustellen.

Doch nicht nur die Zimmer scheinen begehrt zu sein. Auch für den großen Festsaal, den die Gemeinde ebenfalls vermietet, bestehe enorme Nachfrage. „Grundsätzlich haben wir das erst einmal so gehandhabt, dass wir den nur an Güsteraner vermieten“, sagt Burmester. „Die Nutzer können dann über unsere Vermittlung sogar die Getränke beziehen“, so Burmester. Auswärtige müssten dann einen Güsteraner als Bürgen benennen – und 18. Geburtstage sowie ähnliche Feiern mit erhöhter Vandalismusgefahr seien ohnehin nicht erwünscht.

Das Geschäft mit dem neuen Dorfgemeinschaftshaus scheint sich so gut zu entwickeln, dass ein Steuerberater der Gemeinde inzwischen empfohlen hat, den Bereich auszugliedern. So könnte sich die Gemeinde künftig vor allem bei Investitionen die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen. Im Gegenzug müsste sie dann neben Vermietung- und Übernachtungspreisen auch die Mehrwertsteuer aufschlagen. Auch den Vereinen oder Verbänden dürfe das neue Dorfgemeinschaftshaus dann nicht kostenfrei überlassen werden. „Aber wir könnten den Vereinen dann ja an anderer Stelle Geld zukommen lassen“, sagt Burmester.

Doch nicht bei allen Gemeindevertretern kommt das spontane und unbedarfte Engagement der Gemeinde im Logiebereich ohne Vorbehalte an. Georg Prüß, Betreiber der Blauen Lagune und des Campingplatzes, klinkt sich offiziell aus der immer weiter ausufernden Diskussion aus. „Wenn ich sehe, was bei uns so an Auflagen im Gastronomiebereich los ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass das alles so mal eben ohne weitere Auflagen gemacht werden kann“, warnt Prüß. Andere warnten davor, dass die Gemeinde nicht dauerhaft mit dem Betrieb eines Dorfgemeinschaftshauses Verluste schreiben und gleichzeitig beim Finanzamt steuerliche Vorteile geltend machen könne. Wie es steuerlich nun weitergehen soll, will die Gemeinde noch detailliert klären. Auf der Basis des Ergebnisses soll dann auch eine endgültige Preisliste ausgearbeitet werden – mit oder ohne ausgewiesener Mehrwertsteuer.

Hohe Kosten für leere Flüchtlingswohnungen

Derzeit sind 262 Flüchtlinge und anerkannte Flüchtlinge im Bereich des Amtes Büchen untergebracht. Wohnraum zur Unterbringung hat das Amt sogar für maximal 380 Personen angemietet oder gekauft. Weil das Land nur Mietkosten für untergebrachte Flüchtlinge bezahlt, belastet der leerstehende Wohnraum den Amtshaushalt derzeit monatlich mit 30000 Euro.

Auf die Gemeinden kommen diese Kosten anteilig mit der Amtsumlage zu. Vor dieser Gefahr hatte andernorts bereits Ende vergangenen Jahres Breitenfeldes Amtsvorsteher Friedhelm Wenck öffentlich gewarnt. Im Büchen hingegen klang das im Januar während der Einwohnerversammlung noch ganz anders. Auf die Frage von Peter Schmid, welche Kosten der Gemeinde für die Flüchtling entstünden, antwortete Uwe Möller, Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden der kreisweiten Arbeitsgruppe Flüchtlinge: „Keine“. Nachzulesen im Protokoll der Versammlung ist dies allerdings nicht.

Auf Nachfragen räumt die Amtsverwaltung ein, dass diese Frage bei der Protokollierung „untergegangen“ sei. Allerdings habe man die Entwicklung im Januar ja auch nicht absehen können. hm

Holger Marohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Prozess um quälerische Tiermisshandlung und verbotene Tiertötung ist ein 61-Jähriger Bauer aus dem Nordkreis zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

08.06.2016

„Dass die Metropolregion erweitert und so auch die Kooperation zwischen den Landkreisen intensiviert wird, begrüßen wir ausdrücklich.

08.06.2016

Erste Lesung in Neu-Horster Scheune – 100 Besucherinnen.

08.06.2016
Anzeige