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Lauenburg Marode Werksruine verärgert Pantener
Lokales Lauenburg Marode Werksruine verärgert Pantener
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00:00 20.12.2012
Dieter Ruhland (FDP) war schockiert über den Zustand der Werksruine in Panten. Quelle: Fotos: Jens Burmester
Panten

Barbara Joten kann es kaum fassen. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als sie vor dem ehemaligen Kalksandsteinwerk in Panten steht und nach langer Zeit wieder auf die Ruine schaut. „Dass dieser Schandfleck immer noch hier steht, ist ein Skandal.“ Aufgehorcht hatte Barbara Joten, als die Lübecker Nachrichten mehrmals über das ehemalige Kalksandsteinwerk in Panten berichteten und sich eigentlich nie so richtig etwas getan hatte. Barbara Joten setzte sich an den Computer und schrieb an Landrat Gerd Krämer. Sie wollte vom Chef der Kreisverwaltung wissen, was der Kreis tut, damit der zehnjährige Dauerzustand in Panten sich endlich verändert.

Die Antwort aus Ratzeburg kam am 5. Dezember. Darin macht Landrat Gerd Krämer deutlich, dass die Situation der vergammelten Werksruine keinesfalls bei der Verwaltung liege. Vielmehr bestünden dort seit Jahrzehnten Genehmigungen zum Abbau von Böden und zum Betrieb eines Kalksandsteinwerkes. Diese seien erst abgelaufen, nachdem der Betrieb ein Jahr ruhe. Gleichzeitig blieben aber die unbefristeten Baugenehmigungen gültig. Weiter gab Krämer an, dass der Kreis in engen Verhandlungen mit der Eigentümerin, der Firma Xella stehe, um zu einem Abriss und einer Räumung des Geländes zu kommen. Krämer machte deutlich, dass er kurzfristig auf einen Abschluss hoffe.

FDP-Kreischef Dieter Ruhland aus Mölln, der wie der Landtagsabgeordnete der FDP, Christopher Vogt, ebenfalls vor Ort war, zeigte sich entsetzt. „So etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Ruhland zeigte sich besonders darüber verwundert, dass offenbar erst kürzlich ein Teil der Asphaltfläche abgefräst wurde. Und das, so kann man deutlich erkennen, mit einer kleinen Asphaltfräse. Der dabei entstandene Asphaltsplitt wurde offenbar abgefahren, denn zu sehen ist der nirgends. Und nicht nur auf dem Gelände vor der alten Werkhalle, die im Übrigen von Tag zu Tag mehr verfällt, wurde in der letzten Zeit etwas verändert. Auch im Bereich der ehemaligen Kiesgrube, wo schon kleine Birken und kleine Fichten aus dem Boden wuchsen, kam offenbar schweres Gerät zum Einsatz. Deutlich sind die Spuren eines mit Ketten angetriebenen Fahrzeugs zu sehen. Großflächig wurde Boden verschoben und an mehreren Stellen angehäuft.

Der Landtagsabgeordnete Christopher Vogt (FDP) sagte den LN: „Die Werksruine ist seit Jahren ein Ärgernis für die Region und mittlerweile zu einem echten Schandfleck geworden. Der Eigentümer muss seiner Verantwortung für das Gelände nun endlich gerecht werden und schnellstmöglich einen Abriss in die Wege leiten. Dann kann auch ganz konkret über die zukünftige Verwendung des Geländes gesprochen werden. Eine Renaturierung wäre an dieser Stelle die sinnvollste Lösung.“

Die LN fragte nach bei der Eigentümerin, der Firma Xella in Duisburg. Pressesprecherin Andrea Mittmann bestätigte die Verhandlungen mit dem Kreis Herzogtum Lauenburg, wollte aber zum aktuellen Stand wegen des laufenden Verfahrens keine weiteren Angaben machen. „Xella hat mit dem Rückbau eines Teils des Lagerplatzes begonnen“, so Mittmann. Eine erste Maßnahme sei gewesen, den Asphalt einer Wiederverwertung zuzuführen. Die Xella-Mitarbeiterin bestätigte auch die Arbeiten in der Sandkuhle. Dort habe man im November mit der Rekultivierung begonnen. Nach Angaben der Firma Xella sollen Mitarbeiter des Kreises am 29. November zur Abnahme vor Ort gewesen sein. „Aktuell gibt es Überlegungen, das Kalksandsteinwerk abzureißen“, so Mittmann gegenüber den LN.

Dieter Ruhland will dennoch eine Anfrage zu der Sache im Kreistag stellen. Und die LN werden am Ball bleiben und weiter über das Thema berichten.

Minderwertige Steine für den Hausbau

Das Werk „KS — Panten“ gehört der Duisburger Xella-Gruppe. Laut eines Berichtes im „Stern“ (10. Juli 2008) hat die Haniel Bau-Industrie (seit 2002 „Xella“) in drei Werken minderwertige Kalksandsteine produziert und laut Handelsblatt bis 2006 unter der Marke „KS“ vertrieben.

Die Steine seien später in etwa 45 000 Häusern verbaut worden. Der beider Produktion notwendige Branntkalk ist teilweise durch ein Bindemittel ersetzt worden, das bei der Rauchgas-Entschwefelung von Kraftwerken entsteht. Werke in Norddeutschland sollen nicht betroffen gewesen sein.

Jens Burmester

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