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Lauenburg Mehr Unfälle, aber weniger Verletzte
Lokales Lauenburg Mehr Unfälle, aber weniger Verletzte
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11:39 07.03.2018
Aus ungeklärten Gründen kam im Juli 2017 ein Skoda Superb bei Niendorf/St. (B 207) von der Fahrbahn ab und krachte frontal gegen eine Linde. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Quelle: Fotos: Jeb (2)/fg

Die Kategorisierung „Disco-Fahrten“, mit denen schwere, oftmals tödlich verlaufene Verkehrsunfälle (VU) in den 1980er, 90er oder 2000er Jahren noch bezeichnet wurden, gibt es in der aktuellen Polizeistatistik gar nicht mehr. Holger Meincke, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, sieht das im „Führerschein auf Probe“ begründet beziehungsweise im begleiteten Fahren für junge Menschen ab 17 „ein Erfolgsmodell“.

„Das beglei- tete Fahren ist ein Er- folgsmodell. Holger Meincke Polizeidirektor

„Hinzu kommt auch, dass dann bis zum 21. Lebensjahr die 0,0 Promille-Alkoholgrenze gilt.“ Angesichts der teuren Führerscheingebühren würden sich die jungen Leute schon überlegen, ob sie sich angetrunken noch hinters Steuer setzen würden. Die Zahl der Unfälle mit den „Junioren“ als Verursacher hat jedenfalls von 155 im Jahr 2016 auf 141 im vergangenen Jahr abgenommen.

Dagegen ist die Zahl der Senioren (ab 65) als Verursacher von 151 in 2016 auf 191 in 2017 angestiegen. Entsprechend hoch sind die Steigerungen bei den darin enthaltenen Verletztenzahlen (2017: 118 – 2016: 105) und den Getöteten (3/ vorher 4). Signifikant ist übrigens auch der Anteil der über 75-Jährigen als Unfallverursacher. Das sind nämlich 101 von den oben genannten 191 Senioren, also fast 53 Prozent. Was Polizeidirektor Meincke allerdings nicht negativ bewerten will, weil es im Gesamtzusammenhang der demographischen Alterssituation der Gesellschaft zu sehen sei, die quasi eine auf dem Kopf stehende Pyramide darstellt.

Was aber nicht von der Hand zu weisen ist: Ältere Menschen sind auf jeden Fall im Straßenverkehr gefährdeter. Denn bei den Autounfällen mit Senioren hat nicht nur die Gesamtzahl um 40 zugenommen, sondern auch die der Verletzten (118 in 2017 von 105 in 2016) und die der Toten: Von den insgesamt sieben Todesfällen im vergangenen Jahr waren fünf Personen zwischen 61 und 87 alt.

Insgesamt verzeichnet die Polizeistatistik einen weiteren leichten Anstieg der Unfallzahlen um 1,6 Prozent auf 5442 (zum Vergleich im Kreis Stormarn, für den die PD Ratzeburg ebenfalls zuständig ist:

6334 Unfälle, was einer Zunahme von 3,5 Prozent entspricht). Dieser Zuwachs wiederum resultiert aus 94 weiteren Unfällen auf gesamt 4331, die „nicht polizeilich aufgenommen wurden“. Das sind etwa 80 Prozent aller erfassten Unfälle. Erfasst, aber nicht aufgenommen: Denn bei eher unbedeutenden Ordnungswidrigkeiten kommen die Polizisten zwar noch zur Unfallstelle, nehmen die Sache aber nicht mehr bürokratisch auf, sondern führen quasi nur noch eine Strichliste über den Unfall und überlassen es den Beteiligten, sich zu einigen.

Der Anteil an VUs unter Alkoholeinfluss blieb mit 65 (2016: 67) nahezu konstant. Bei den Unfällen mit Kindern verzeichneten die Mannen um Sachgebietsleiter PHK Andre Lutz mit 67 Fällen (statt 97 in 2016) einen signifikanten Rückgang, insbesondere als Radfahrer (35 statt 62). Auch die Zahl der verletzten Kinder ging von 102 auf 65 zurück. Das sei, so Meincke, möglicherweise ein Resultat der Radfahrerausbildung an den Grundschulen, der Ferienpassaktionen in den Städten und verschiedener Veranstaltungen des Sachgebietes Prävention der PD Ratzeburg.

Übrigens: Die vergleichsweise schlechtere Statistik der Polizeidirektion Ratzeburg für den polizeilich ebenfalls verantworteten Kreis Stormarn resultiert aus der Tatsache, dass Stormarn eher städtisch geprägt ist – näher an der Metropole Hamburg.

Mit 608 zugelassenen Fahrzeugen pro 1000 Einwohner stehen die Stormarner in der absoluten Spitzengruppe der Bundesautorepublik Deutschland. Der Kreis Herzogtum Lauenburg zählt sich mit lediglich 560 Fahrzeugen pro 1000 Bewohnern dann wohl doch eher zum ländlichen Raum . . .

Autobahn: Immer mehr Lkw-Unfälle

Betrachtet man die Zahl der Verkehrsunfälle auf den Autobahnen im Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg, so ist die 2017 wieder etwas angestiegen. Trotz der erhöhten Unfallzahlen ist die Anzahl der verletzten Personen mit 364 jedoch gleich geblieben.

Die Zahl der Unfalltoten auf den Autobahnen hat sich erhöht. War es im Jahr 2016 nur einer, so zählte man im vergangenen Jahr sogar fünf Tote. „Vermutlich werden wir diese Zahl in diesem Jahr noch toppen, denn wir haben bislang schon drei Todesfälle auf den Autobahnen registriert“, erklärte Polizeidirektor Holger Meincke.

Einen deutlichen Anstieg um 32 Prozent verzeichneten die Ordnungshüter bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung. Auf die Gesamtzahl der Unfälle auf den Autobahnen betrachtet waren Lkw an 15 Prozent aller Unfälle beteiligt. Alkohol und Drogen spielen auf der Autobahn nahezu keine Rolle. Vielmehr wurde oftmals nicht mit der den Straßen- und Witterungsbedingungen angepassten Geschwindigkeit gefahren – oder schlichtweg: deutlich zu schnell.

Ein größerer Teil der Unfälle ist laut der Statistik auch auf zu geringe Sicherheitsabstände zurückzuführen. Die Zahlen beziehen sich auf die Autobahnen 1, 20, 21, 24, 25 in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg.

 jeb Von Joachim Strunk

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