Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Mehrere hundert Liter Pflanzenschutzmittel bei Berkenthin ausgelaufen
Lokales Lauenburg Mehrere hundert Liter Pflanzenschutzmittel bei Berkenthin ausgelaufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:19 26.10.2018
Etwa 700 Liter eines Herbizids liefen aus einer Spritze hinter einem Traktor auf die Straße, weil ein Schlauch offenbar abgefallen war.   Quelle: jeb
Berkenthin

Am Ende war alles nicht so schlimm, wie es sich zunächst anhörte. Bei der Alarmierung der Feuerwehren am Freitagmorgen wenige Minuten vor 9 Uhr hieß es noch, dass etwa 4000 Liter eines Pflanzenschutzmittels ausgelaufen sein sollten. Am Ende waren es nur 700 Liter, wie des Sohn des Verursachers gegenüber den Lübecker Nachrichten vor Ort erklärte.

Ein 68-jähriger Landwirt aus der Umgebung von Berkenthin war mit Traktor und Spritze zunächst auf einem Feld bei Klempau im Einsatz mit dem Herbizid „Malibu“. Als er dort fertig war, wollte er weiterfahren zu einem Feld bei Kulpin. Etwa 200 Meter vor dem Eisenbahntunnel bei Berkenthin passierte dann das Unglück. „Ein Druckschlauch ist vom Behälter abgesprungen. Dadurch konnte die Flüssigkeit auf die Straße laufen“, so der Sohn des Landwirts im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten.

Feuerwehr-Einsatz wegen Pflanzenschutzmittel

Straße in Berkenthin giftgrün verfärbt

Schnell färbte sich die Straße gelbgrün von der Brühe aus der Spritze, in der ursprünglich etwa 60 Liter des Herbizids mit etwa 4500 Liter Wasser verdünnt wurden. Das Herbizid „Malibu“ wird von vielen Landwirten genutzt, um das Unkraut auf den Feldern mit Wintergetreide zu bekämpfen. Für den Menschen besteht dabei eigentlich keine Gefahr, war von den Gefahrgutspezialisten vor Ort zu hören.

Bundesstraße 208 zeitweise komplett gesperrt

Die Polizei sperrte zunächst gemeinsam mit Einsatzkräften der Feuerwehr die Lübecker Straße zwischen Kählstorf und der Bundesstraße 208 in Berkenthin. Später wurde die B 208 innerhalb der Gemeinde Berkenthin auch gesperrt, weil viele Feuerwehrfahrzeuge im Bereich der Kanalbrücke zusammengezogen wurden. Am Ende waren mehr als 70 Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Löschzugs Gefahrgut vor Ort.

Um auszuschließen, dass das Herbizid auch in den Elbe-Lübeck-Kanal fließen konnte, ließ die Feuerwehr mehrere Boote zu Wasser und legte eine Ölsperre vor dem Ufer in dem Bereich des Kanals, wo der Graben in die Wasserstraße mündet. Doch ein Landwirt hatte schnell gehandelt und das Ende des Grabens, der auf einer Wiese parallel zum Kanal verläuft, mit Erdboden dicht gemacht. So staute sich die farbige Brühe im Graben und konnte nicht mehr weiterfließen.

Mit einem Güllewagen wurde das Pflanzenschutzmittel schließlich aus dem Graben gepumpt und später entsorgt. Mitarbeiter des Löschzugs Gefahrgut unterstützten dabei. Vorsichtshalber trugen die Männer so genannte Einmal-Schutzanzüge, Gummistiefel und Gummihandschuhe sowie einfache Atemschutzmasken mit Luftfilter.

Fahrbahn musste von Spezialfirma gereinigt werden

Nahezu gleichzeitig traf eine Lübecker Spezialfirma ein, die den Auftrag hatte, die Lübecker Straße komplett zu reinigen. Bis diese Arbeiten am Mittag abgeschlossen waren, durfte kein Anwohner die Lübecker Straße befahren. Eine Frau, die dort wohnt, hatte vorsichtshalber ihre Firma angerufen, dass sie möglicherweise etwas später zum Dienst kommen würde. Auf Anweisung der Feuerwehr durfte niemand über die kontaminierte Fahrbahn fahren.

Neben den Feuerwehren waren von der Kreisverwaltung ein Mitarbeiter der Katastrophenschutzabteilung und des Umweltamtes vor Ort, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Auch der Umweltdienst der Wasserschutzpolizei aus Travemünde war mit drei Beamten in Berkenthin, weil möglicherweise etwas von dem Herbizid in den Kanal gelangt sein könnte. Ob das allerdings der Fall ist, wird man wohl nicht mehr nachweisen können.

Herbizid „Malibu“ in konzentrierter Form durchaus gefährlich

Schaut man in das Sicherheitsdatenblatt von „Malibu“, so soll das Mittel laut Hersteller BASF Hautreizungen verursachen, Gesundheitsschädlich bei Verschlucken sein und kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein. Zudem soll der Stoff sehr giftig für Wasserorganismen, gerade auch mit langfristiger Wirkung sein. Doch das alles trifft für das Mittel „Malibu“ in nur in konzentrierter und unverdünnter Form zu. Dennoch haben die Einsatzkräfte in Berkenthin ihre Arbeit sehr ernst genommen und waren sehr vorsichtig. Dabei wurden alle möglichen Schutzmaßnahmen eingehalten.

Jens Burmester

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Mölln hat mit Fördermitteln die Sanitärräume der Dreifeldsporthalle auf dem Schulberg abgeschlossen. Die Maßnahme hat 400 000 Euro gekostet. Jetzt hat die Verwaltung zur Besichtigung eingeladen. Auch Rollstuhlfahrer kommen nun in Duschen und Toiletten. Doch eine Gutachten im Bezug auf „Betonkrebs“ bremst weitere Sanierungen.

26.10.2018

Das deutsche Wappentier ist nicht ein beeindruckender Greifvogel, sondern auch besondern schützenswert. Mit offenbar falschen Darstellungen zur Gefährdung fällt nun der BUND auf.

26.10.2018

Die Lauenburger Elbbrücke ist marode. Alle drei Jahre wird sie deshalb genau geprüft. Beim letzten Mal musste die Prüfung aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Am Montag kommen die Prüfer wieder.

26.10.2018