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Lauenburg Methadon 2903 Mal illegal abgegeben: Chefarzt vor Gericht
Lokales Lauenburg Methadon 2903 Mal illegal abgegeben: Chefarzt vor Gericht
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15:08 11.07.2018
Geesthacht/Lübeck

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte seit Sommer 2016 gegen H. ermittelt. Auf den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz stehen eine Geldstrafe oder maximal fünf Jahre Gefängnis, auf Betrug sechs Monate bis zu zehn Jahre Haft. „Hier ist die Menge der Taten schon besonders“, hatte Ulla Hingst, die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, mit Anklageerhebung erklärt. „Nach unserer Einschätzung hat der Angeklagte nicht nur, wie es ihm erlaubt und seine Aufgabe war, den Drogenersatzstoff Methadon in vor Ort einzunehmender Tagesdosis an Betroffene abgegeben, sondern ihnen für mehrere Tage vordosiert entsprechende Fläschchen mit dem Medikament mitgegeben“, sagte Ulla Hingst. Das ist einerseits verboten, andererseits dürfe diese Art der Abgabe nur über Apotheken laufen.

H. hatte bereits 2016 erklärt, dass ja niemand zu Schaden gekommen sei und zugesagt, die Ermittlungen zu unterstützen. Das Johanniter-Krankenhaus hielt an seinem Chefarzt zunächst fest, doch mittlerweile hat Dr. H. eine andere Aufgabe übernommen. Die Psychiatrie wird jetzt von einer neuen Chefärztin geleitet.

H.  gilt bundesweit als anerkannter Experte auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie, der innovative Behandlungsansätze umsetzte. Die Vorwürfe beziehen sich auf die von ihm zwischen September 2013 und Juni 2016 betriebene Methadon-Ambulanz. Hierbei handelte es sich nicht um eine Einrichtung der Klinik, sondern um eine auf einer persönlichen Ermächtigung beruhenden Einrichtung des Chefarztes. Am Johanniter-Krankenhaus gab es in dem Zeitraum die Methadon-Ambulanz, die seit 2013 von H. neben seiner eigentlichen Aufgabe geleitet wurde. Im Sommer 2016 wurden hier 94 Menschen versorgt. Wegen der Ermittlungen und der rechtlichen Probleme hat die Klinik das Angebot Ende 2016 aufgegeben.

Die so genannte Take-Home-Abgabe ist in Deutschland unzulässig. Dabei hatten Patienten Methadon für bis zu sieben Tage mit nach Hause bekommen. Das ist verboten, um den Handel mit dem Heroinersatzstoff zu unterbinden. Der ist gefährlich, wie der Fall der elfjährigen Chantal 2012 in Hamburg zeigte: Das Mädchen nahm das Methadon seiner Eltern und starb.

Für den Prozess sind zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt.

Heroin-Ersatzstoff

Methadon ist ein vollsynthetisch hergestelltes Opioid mit starker schmerzstillender Wirksamkeit. Methadon ist ein so genannter reiner Agonist am µ-Opioid-Rezeptor. Es hat als Heroin-Ersatzstoff im Rahmen von Substitutionsprogrammen seine Wirksamkeit bewiesen und wurde deshalb 2005 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der WHO aufgenommen.

Methadon ist der Name für ein Programm zum Entzug von Heroin, bei dem in Geesthacht das Medikament L-Polamidon genutzt wird. tja

Timo Jann

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