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Lauenburg Methadon-Ambulanz: War die Apotheke in der Klinik?
Lokales Lauenburg Methadon-Ambulanz: War die Apotheke in der Klinik?
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22:11 25.07.2018
Lübeck/Geesthacht

Sollte am Landgericht Lübeck diese Schlüsselfrage im weiteren Prozessverlauf positiv beantwortet werden, könnte die rund 1000 Seiten starke Anklage der Staatsanwaltschaft teilweise implodieren. Wie berichtet, wird dem früheren Chefarzt und Leiter der Methadon-Am-

bulanz im Johanniter Krankenhaus sowie dessen Vorgänger vorgeworfen, Entwöhnungspatienten die Ersatzdroge Methadon zur Selbsteinnahme mitgegeben zu haben. Was aber nur Apotheker dürfen. Der frühere Chefarzt wird zudem in zahlreichen Einzelfällen des Abrechnungsbetrugs beschuldigt.

Eine Schlüsselrolle spielt in den Vorgängen in der etwa acht Jahre lang und mit Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen eingestellten Ambulanz im Johanniter Krankenhaus die Rolle eines Apothekers.

Er belieferte die Ambulanz mit dem Wirkstoff, zudem befand sich auch der computergesteuerte Dosierautomat für die Verabreichung der Ersatzdroge in seinem Besitz. Das Klinikpersonal musste auch mit viel Aufwand die Rezeptgebühr für ihn einziehen. Befand sich damit quasi eine Apotheken-Außenstelle im Krankenhaus? Auch nach der Vernehmung des Apothekers sowie zweier Krankenschwestern blieben Details über die praktischen Abläufe in der Ambulanz im Dunklen. So konnte nicht geklärt werden, ob der Wentorfer Apotheker über die ihm übermittelten PC-Protokolle des Dosierautomaten davon wissen musste, dass Methadon auch in Vorratsrationen an Drogenabhängige mitgegeben wurde. Deutlich wurde gestern allerdings eines: Nach Änderung der bis dahin geübten Praxis war der Medikamentenumsatz derart zurückgegangen, dass das Geschäftsmodell für den Apotheker zusammenbrach.

Ebenfalls als Zeuge war der Geschäftsführer des Krankenhauses geladen. „Die Methadon-Ambulanz war bei uns angesiedelt, lief aber autonom unter der Leitung des dafür zugelassenen Arztes“, sagte der 54-Jährige. Mit den internen Abläufen habe er nie etwas zu tun gehabt.

Der Prozess wird am 15. August fortgesetzt.

Von Matthias Wiemer

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