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Migrantinnen erradeln sich ein neues Freiheitsgefühl

Mölln Migrantinnen erradeln sich ein neues Freiheitsgefühl

Radfahren-können ist für uns selbstverständlich. Für Frauen aus Einwandererfamilien ist das aber nicht immer so. In Mölln werden deswegen während der Sommerferien Radkurse angeboten - denn wer ein vergnügtes, selbstbestimmtes Leben führen möchte, muss mobil sein. Ein Ortsbesuch.

Missan Ghubari (20, Mitte) will ihre Radfahr-Kenntnisse auffrischen und sicherer werden. Hier übt sie umrahmt von Edelgard Jenner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mölln und des Amtes Breitenfelde (links) und Kursleiterin Nesrin Yasar-Ziegler. Fotos (3): Dorothea Baumm

Mölln. Unabhängig von A nach B kommen: Für Migrantinnen ist das oft eine Hürde. Aus diesem Grund hat Edelgard Jenner, Möllns Gleichstellungsbeauftragte, den sechswöchigen Kursus „Radfahren für Migrantinnen“ organisiert. Gestern ging es los. Drei Frauen haben sich getraut, haben sich auf dem Gelände hinter dem ehemaligen Bauhof in den Fahrradsattel geschwungen.

LN-Bild

Die Möllner Gleichstellungsbeauftrage bietet Frauen aus Einwandererfamilien während der Sommerferien dienstags auf dem Gelände des alten Bauhofes einen Radfahrkursus an.

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Radfahren lernen

Dienstags von 10 bis 12 Uhr findet der Radfahrkursus für Migrantinnen statt, und zwar noch an den kommenden fünf Dienstagen im August.

Treffpunkt ist am alten Bauhof in Mölln an der Feuergräfenstraße (am Jobcenter vorbei).

Das Angebot ist kostenfrei. Ideal ist es, wenn die Frauen Räder mitbringen, sie können aber auch welche leihen.

„Lassen Sie mich erzählen, was ich vom Radfahren halte: Ich denke, es hat für die Emanzipation der Frau mehr getan als irgend etwas anderes auf dieser Welt. Ich stehe da und freue mich jedes Mal, wenn ich eine Frau auf einem Fahrrad sehe. Es gibt Frauen ein Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen.“ Große Worte von einer großen Frau, von Susan Brownell Anthony, einer Pionierin der US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung (1820 bis 1906). Und in der Tat hat sich nicht viel geändert in den vergangenen mehr als 150 Jahren.

Unter den wachsamen Augen von Nesrin Yasar-Ziegler stößt sich eine Teilnehmerin beherzt ab, legt die ersten Meter wie ein Kind mit einem Lauflernrad zurück. Die 47-Jährige ist Mutter von sieben Kindern. „Ich habe mit 14 geheiratet“, erzählt sie. Ihre jüngsten Kinder sind zwölfjährige Zwillinge – und nun möchte sie endlich auch Radfahren können, möchte mit den Kindern Schritt halten. Die Frage, ob sie Angst hat, verneint sie resolut: „Ich habe sieben Kinder. Ich habe keine Angst!“ Tatsächlich dauert es nur wenige Minuten, und sie tritt das erste Mal in die Pedale. Nach 30 Minuten radelt sie ohne Hilfe die Straße rauf und runter. Etwas eierig, aber strahlend. Ja, Susan B. Anthony hat absolut Recht: Radeln gibt dieser Frau das Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen.

So mutig wie diese Türkin ist die 25-jährige Irakerin nicht, die gerade unsicher die ersten Meter mit dem Fahrrad zurücklegt – rollernd, mit beiden Beinen auf dem Boden. „So ist es“, sagt Kursleiterin Yasar-Ziegler. „Seit drei Jahren leite ich Rad-Kurse für Migrantinnen, und immer haben wir einen Cocktail aus den verschiedensten Frauentypen. Manchmal kommen auch ältere deutsche Frauen dazu, die den Weg zurück aufs Rad finden wollen. Das ist dann jedes Mal besonders schön – jede hilft jeder, und alle lernen dabei auch noch die deutsche Sprache.“

Dritte im Bunde ist Missan Ghubari. Die 20-Jährige kann bereits radeln, sie möchte sicherer werden. Geradeaus und im Kreis fahren meistert sie souverän. Nun soll sie üben, eine Hand vom Lenker zu lösen, „Du musst zum Abbiegen Handzeichen geben können.“ Lenker? Abbiegen? Handzeichen? Mit Händen und Füßen ist alles binnen weniger Minuten verklickert, und die Syrierin legt los. So wie sie die Straße entlangsaust, mit strahlenden Augen, ab und an haarscharf am Sturz vorbei und doch lachend, drängen sich Zeilen aus einem Lied von Herman van Veen ins Gedächtnis: „Hey, kleiner Fratz auf dem Kinderrad, gekonnt hältst Du die Balance. . .“. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug, Jenner und Yasar Ziegler sind zufrieden, die Neu-Radlerinnen strahlen. Hier und jetzt sind sie ganz bei John F. Kennedy, der gesagt hat: „Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“

 Dorothea Baumm

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