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Lauenburg Millimeterarbeit für den Koloss aus 160 Tonnen Brückenstahl
Lokales Lauenburg Millimeterarbeit für den Koloss aus 160 Tonnen Brückenstahl
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20:45 05.08.2015
Insgesamt vier Zylinder einer Hydraulikpresse heben die Brücke um etwa 15 Millimeter an. Erst dann können die Spezialmonteure die beschädigten Lager aus Hartgummi an den eigentlichen Auflagerpunkten tauschen. Quelle: Fotos: Holger Marohn
Rothenhusen

Der Motor des Generators röhrt. Die schwarzen Hydraulikschläuche der Presse sind zum Bersten mit Öl gefüllt. Angestrengt starrt Bauleiter Michael Mitzlaff auf die Lager unter der Wakenitzbrücke bei Rothenhusen. Dann hebt sich der 160 Tonnen schwere Stahlkoloss wie von Geisterhand an. Es geht nur um wenige Millimeter. Doch genau die sind erforderlich, damit die beschädigten Elastomerlager zwischen der eigentlichen Brücke und den Fundamenten ausgetauscht werden können. Bauleiter Mitzlaff ist erleichtert.

Während Mitzlaff sich noch über den gelungenen Hub freut, beginnt für die Kollegen der Firma Jansch-Spezialmontagen die eigentliche Knochenarbeit. Dort, wo eigentlich allenfalls Otter und andere wichtige Tierchen unter der Brücke herumkrabbeln sollen, arbeiten sich die Männer teils kriechend zu den Auflagerpunkten vor. „Die Herstellerfirma hat bei der Produktion offenbar minderwertige Kunststoffe verwendet“, sagt Stahlbauer Mitzlaff. Durch Wärme und UV-Strahlung seien in den nur sechs Jahre alten Lagern aus Hartgummi Risse entstanden. „Gegen solche Materialfehler sind wir als ausführende Firma machtlos“, sagt Mitzlaff achselzuckend.

Die beiden Spezialmonteure Mario Küchenmeister und Marco Trost haben sich inzwischen an das Auflager vorgearbeitet. Teils auf dem Rücken liegend und zwischen den Betonteilen und Stahlträgern eingeklemmt drücken sie mit vereinten Kräften den fast 50 Kilogramm schweren Kunststoffklotz aus seiner Position und das neue Ersatzlager wenig später nach. Millimetergenau ausgerichtet kann die Brücke keine halbe Stunde später wieder abgesenkt werden — für den Firmenchef Holger Jansch reine Routine.

Ganz anders sieht das schon beim benachbarten Brückenteil aus, der so genannten Vorlandbrücke aus Beton. Sie ist an der einen Seite starr mit dem Widerlager verbunden. Auch wenn nur wenige Zentimeter hoch, wird der Hub den Beton erheblich unter Spannung setzen. „So etwas habe ich auch noch nie gemacht“, räumt Spezialist Jansch ein. Bis auf einen blockierten Hydraulikschlauch, der den Pumpendruck auf bis zu 400 Bar hochschnellen lässt, leistet aber auch das Betonteil praktisch keinen Widerstand. Nach gut sieben Stunden sind alle Lager getauscht. Für weitere Arbeiten bleibt die Brücke noch bis in die kommende Woche hinein gesperrt.

• Ein Video zu den Sanierungsarbeiten gibt es unter LN-online.de/videos

Holger Marohn

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