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Lauenburg Millionengrab Wasserturm soll verkauft werden
Lokales Lauenburg Millionengrab Wasserturm soll verkauft werden
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17:10 11.01.2019
Der Möllner Wasserturm ist nach einem Wasserschaden und jahrelanger falscher Sanierungsmaßnahmen wegen Schimmelbefalls gesperrt. Er darf derzeit nur mit Atemschutz betreten werden.  Quelle: Florian Grombein
Mölln

Das Schicksal des denkmalgeschützte Möllner Wasserturms bewegte die Möllner seit Jahren. Zwischen 2003 und 2008 aufwendig für 450 000 Euro grundsaniert und eröffnet fiel der Aussichtsturm einem Wasserschaden zum Opfer. Geschätzte Sanierungskosten laut Gutachten damals schon etwa 720 000 Euro, aktuell werden sie gar auf eine Million Euro geschätzt. Eine Instandsetzung ist angesichts klammer Kassen für Politik und Verwaltung unzumutbar. Der Ruf nach einem Verkauf wurde deutlich. Ein kürzlich nichtöffentlich gefasster Beschluss deutet diesen Weg an.

Interessent prüft Sanierungsfähigkeit

„Auf Grund der angespannten Haushaltslage und einer Vielzahl anderer dringender kommunaler Aufgaben wurde bislang von einer Sanierung des Wasserturms auf Kosten der Stadt abgesehen“, sagt Wiegels. Stattdessen habe nun ein privater Interessent gefunden werden können, der gegenwärtig die Sanierungsfähigkeit und den Umfang des zu erwartenden Sanierungsbedarfes prüft. Dazu sei eine Heizungs- und Lüftungsanlage installiert worden, so Wiegels. Der Zustand des Turmes ist zumindest von außen betrachtet, nicht gerade rosig. Die grüne Eingangstür des 36 Meter hohen Turms zeigt Spuren von Vandalismus: Sie ist mit Graffiti beschmiert. Das zwischen 1911 und 1913 errichtete Gebäude war konzipiert worden, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Es gab einen großen Hängebodenbehälter für Wasser im Inneren, der dafür sorgte, dass der Turm langsamer auskühlte, weil auch die Erwärmung und Abkühlung des Wassers im Behälter Träge ablief. Nach Entfernung des Wasserbehälters war der Turm jahrzehntelang den Witterungen ausgesetzt. Erwärmen und Erkalten sorgten für eine Schädigung des Mauerwerks. In jüngster Vergangenheit fielen immer wieder Steine von der Fassade.

Fehlerhafte Sanierungen

Nach einem Umbau, der 1987 abgeschlossen war wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Ein halbes Dutzend Mal musste der Wasserturm saniert werden. „Er ist mehrfach falsch saniert worden“, ergänzt Swantje Meins.

2003 bis 2008 war der Wasserturm für 450 000 Euro einer Totalsanierung unterzogen worden. Im Frühjahr 2013 kam es an dem denkmalgeschützten Bauwerk zu dem Wasserschaden. Vorher besuchten den Turm zwischen 4000 und 6000 Menschen im Jahr. Die Aussicht auf Mölln ist von dort oben wunderschön.

Hinweise auf notariellen Kaufvertrag

„Die Stadt Mölln sollte alles unternehmen, um den Wasserturm an einen privaten Investor zu verkaufen. Mir wäre es am liebsten, wenn die Verwaltung keinen weiteren Euro reinstecken würde“, erklärt Dieter Ruhland (FDP). Es scheine eine Lösung möglich, die es nach so einem Verkauf auch noch erlaube, den Turm öffentlich zugänglich zu machen, erklärte Ruhland. Es wurde zuletzt im September im Hauptausschuss in nichtöffentlicher Sitzung über einen möglichen Verkauf des Wasserturms beraten. Detaillierte Auskünfte darüber gibt es nicht. Doch in der Niederschrift gibt es bereits Hinweise auf einen notariellen Kaufvertrag: „Die Vorsitzende gibt bekannt, dass der Hauptausschuss zum Tagesordnungspunkt Vereinbarung über die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes den Beschluss gefasst hat, eine Vereinbarung abzuschließen und das darauf basierende notarielle Kaufangebot abzugeben.“ Darauf, ob die Stadtvertreter den Verkauf des Wasserturms beschlossen haben, gibt auch die Vorsitzende des Hauptausschusses Swantje Meins keine Antwort. Doch sie legt die Position der CDU zum Thema dar. „Es ist in 20 Jahren einfach zu viel Geld in diesem Turm versenkt worden“, sagt Swantje Meins. Wenn sich ein Käufer finde, der gewährleiste, dass er noch öffentlich zugänglich sei, sei ihre Fraktion dafür.

Der Möllner Wasserturm wurde als Aussichtsturm genutzt. Der schöne Blick über die Stadt ist vorerst nicht möglich. Aufgrund von Schimmelbildung ist er nur mit Atemschutz zu betreten.

Engagierter und vermögender Investor

Die Grünen können sich angesichts fehlerhafter Sanierungen und auch jetzt zu erwartender hoher Sanierungskosten nicht vorstellen, dass die Stadt den Turm selbst saniert. „Wir haben uns früher und auch aktuell für einen Verkauf ausgesprochen. Aber wir wünschen uns, dass ein öffentlicher Zugang gewährleistet wird“, erklärt auch Thomas Metz (Grüne). Laut Matthias Esche (SPD) sei der Umgang mit dem Wasserturm auf einem guten Wege. Wenn eine kulturell engagierter und ausreichend vermögende Person den Turm kaufe und saniere und die Öffentlichkeit nicht aussperre, begrüße er einen Verkauf.

Nichtöffentlicher Beschluss gefasst

Auch Esche spricht nur im Konjunktiv. Denn aufgrund der Geschäftsordnung dürfe er nicht über nichtöffentlich beratene Beschlüsse sprechen. „Es geht auf keinen Fall, dass der Turm auf Kosten der Stadt saniert wird“, sagt Horst Flöter von der Freien Möllner Wählergemeinschaft (FMW). Allein die Einrüstung des Wasserturms koste ein Vermögen. Deshalb sei man mit dem im Hauptausschuss nichtöffentlich gefassten Beschluss zufrieden.

Florian Grombein

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