Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Minuszinsen bei den Banken vorerst nur auf hohe Anlagen
Lokales Lauenburg Minuszinsen bei den Banken vorerst nur auf hohe Anlagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:02 19.06.2017
„Privatanleger versuchen wir so lange wie möglich, nicht zu belasten.Anne Wohlfahrt, Sprecherin Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg

Unlängst veröffentlichte das „Handelsblatt“ die Nachricht, Genossenschaftsbanken preschten damit vor, nicht nur ihren vermögenden Großkunden, sondern dem einfachen Sparer vom ersten Euro an Minuszinsen abzuzwacken.

Aufgelistet in der Riege der Strafzins-Institute wird unter anderem die Raiffeisenbank Südstormarn- Mölln. „Sie reiten ein totes Pferd“, entfährt es spontan Vorstandsmitglied Kai Schubert, als er das Reizwort „Negativzinsen“ hört. Anschließend präzisiert er, das „Handelsblatt“ habe leider versäumt zu erwähnen, dass das Minus von 0,4 Prozent nur bei Großanlegern ab 750 000 Euro fällig wird. „Im Übrigen ist es im Privatkundengeschäft rechtlich gar nicht ohne weiteres möglich, eine solche Regelung einzuführen. Das bedarf immer der Zustimmung der Kunden“, stellt Schubert klar. Im Verbreitungsgebiet der Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln seien rund 30 Anleger von den Minuszinsen betroffen. Sie hätten ihr Einverständnis erteilt.

Nach Auskunft von Schubert hat die Raiffeisenbank im bayerischen Gmund in der Tat schon im Vorjahr die Einlagen generell mit so genannten Strafzinsen belastet. „Am Tegernsee wohnen ja auch durchweg vermögende Kunden, die sehr viel Geld anlegen und gleichzeitig aufgrund ihres Alters kaum mehr Kredite aufnehmen“, erklärt der Finanzfachmann. Im Kreis Herzogtum Lauenburg allerdings sei nicht geplant, diesem Beispiel zu folgen. Die einzige in Frage kommende Maßnahme sei, vielleicht die Summe, von der ab Minuszinsen gezahlt werden müssen, auf 500 000 Euro herabzusetzen.

Sabine Sierck, Prokuristin bei der Raiffeisenbank Ratzeburg, bestätigt, dass „ihr“ Institut bei einer Einlage von 250000 Euro das Verwahrentgelt von 0,4 Prozent verrechnet. „Allerdings ist das keine Einnahmequelle für unsere Bank, wir geben diese Gebühr von der EZB lediglich 1:1 weiter.“ Nach Möglichkeit versuche man, die Minuszinsen nach individueller Beratung mit den Kunden zu vermeiden und andere Möglichkeiten der Geldanlage auszuloten, erklärte Sierck. Ohnehin bewege sich die Anzahl der betroffenen Kunden „im überschaubaren Rahmen“.

Anne Wohlfahrt, Sprecherin der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, bestätigte Verwahrentgelte seit Herbst 2016. „Allerdings gilt das nur für Konten von Kommunen, die das Tagesgeldkonto als ,Zwischenspeicher‘ nutzen und bei Firmenkunden, die juristische Personen (GmbH & Co. KG) sind“, schränkte sie ein. Hier gelten Freigrenzen bis 500000 Euro. „Privatanleger versuchen wir so lange wie möglich, damit nicht zu belasten“, zitiert Wohlfahrt Vorstandssprecher Rainer Burghardt. Vielmehr versuche man im direkten Gespräch, andere Möglichkeiten der Geldanlage herauszufinden.

Die Idee des Verwahrentgelts für Tagesgeld und Girokonten kommt im Übrigen von der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank, die „von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt im Sommer 2014 Negativzinsen für Geschäftsbanken eingeführt“ hätten, erklärt Kai Schubert. Sie seien mehrfach erhöht worden. Inzwischen liegt der Stand bei 0,4 Prozent. 2015 sei das Thema dann entdeckt worden, weil die Banken reagieren mussten. Die Finanzkrise habe all das verursacht, unmittelbar zu spüren bekämen es aber nur Banken, die in der Realwirtschaft tätig seien.

 D. v. Dahlen und J. Strunk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige