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Lauenburg Missbrauch an Schule: Bewährungsstrafe für Erzieher
Lokales Lauenburg Missbrauch an Schule: Bewährungsstrafe für Erzieher
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20:51 01.03.2018
Der Angeklagte hat gestanden insgesamt zehnmal sexuelle Handlungen an dem Jungen vorgenommen zu haben. Quelle: LN-Archiv/dpa
Geesthacht

„Der Verurteilte wird nie wieder im erzieherischen Bereich Arbeit finden“, sagte Suntke Aden, Richter am Amtsgericht Schwarzenbek mit Verweis auf den Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis, das bei Bewerbungen vorgelegt wird. Das ist dem Mut des Zwölfjährigen zu verdanken, der sich anvertraute. In der Anklageschrift wurde deutlich, dass der Erzieher seine Position als Betreuer von Schutzbefohlenen in der offenen Ganztagsschule gezielt ausgenutzt hat. Er hat gestanden, in der Zeit von August 2016 bis April 2017 insgesamt zehnmal sexuelle Handlungen an dem Jungen vorgenommen zu haben.

Als Erzieher im schulischen Ganztagsbereich nutzte er die Unreife seines damals noch elfjährigen Schützlings aus. Er entfernte sich laut Staatsanwaltschaft regelmäßig gezielt mit dem Geschädigten von der restlichen Gruppe und fing ein spielerisches Gerangel unter freiem Himmel an. Es endete oft mit Streicheln im Genitalbereich des Jungen, was er laut Staatsanwaltschaft genutzt haben soll , um sich „sexuell zu erregen“.

Milde Strafe wegen "sexuellen Kontakts durch durch Kleidung"

Der sexuelle Kontakt sei durch die Kleidung erfolgt, weshalb das Gericht eine äußerst milde Strafe wählte und diese auch zur Bewährung aussetzte.

Während der Vernehmung wurden Besucher und Presse ausgeschlossen. Der Verteidiger des Geesthachters stellte gleich nach Verlesung der Anklageschrift den Antrag, die Öffentlichkeit während der Vernehmung seines Mandanten auszuschließen. Da auch Details aus dem Sexualleben des 48-Jährigen zur Sprache kommen würden, sollten seine Persönlichkeitsrechte nicht verletzt werden.

„Es geht hier nicht nur um den Angeklagten, sondern auch um die Interessen des Geschädigten“, sagte Richter Aden. Er stimmte dem Ausschluss der Öffentlichkeit zu, betonte aber vor allem die Persönlichkeitrechte des Opfers. Das Verfahren war dem Täter sichtlich peinlich. Im Flur vor dem Gerichtssaal trug er die schwarze Mütze tief ins Gesicht gezogen und stand mit dem Gesicht übertrieben dicht zur Wand, abgeschirmt von seinem Rechtsanwalt.

Täter muss sich therapieren lassen

 Der Geesthachter hat die Auflage, sich wegen seiner pädophilen Neigungen therapieren zu lassen. Erheblich strafmildernd habe sich ausgewirkt, dass er nicht vorbestraft ist und ein umfangreiches Geständnis ablegte. Damit wurde dem Jungen, der bei der Polizei glaubwürdig ausgesagt habe, die Teilnahme im Zeugenstand erspart.

Um weitere Taten zu begehen, könnte der Verurteilte sich als ehrenamtlicher Betreuer von Kindern engagieren. Aus Vorstandskreisen des Sportvereines wurde gestern bestätigt, dass der Geesthachter jahrelang als Trainer von Knabenmannschaften tätig war und noch immer ehrenamtlich im Verein arbeitet. Seine Neigungen waren unbekannt. Möglicherweise wird der Vorstand Konsequenzen ziehen.

Missbrauch durch Betreuer

Das Projekt Mikado der Universität Regensburg steht für „Missbrauch von Kindern: Aetiologie, Dunkelfeld, Opfer“. Die Forscher haben umfangreiche Studien verfasst. Laut Untersuchung wird der Missbrauch von Kindern auch im Rahmen von beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten ausgeführt. So waren 22,2 Prozent der befragten Täter Lehrer, 20 Prozent Betreuer in einer Jugendorganisation, 15,6 Prozent Pfarrer, 13,3 Prozent Trainer in Sportvereinen, 13,3 Prozent Betreuer einer Kinderfreizeit, 8,9 Prozent Betreuer in einem Kinderheim, 4,4 Prozent Pflegeeltern in einem eingetragenen Verein und 2,2 Prozent Betreuer in einer Kita.

Mehr Informationen zur Studie unter www.mikado-studie.de

Von Florian Grombein

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