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Lauenburg Misshandelt und entwürdigt: Zwangssterilisationen im Kreis
Lokales Lauenburg Misshandelt und entwürdigt: Zwangssterilisationen im Kreis
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19:16 04.07.2016

„Leid, das man lieber verschweigt . . . – Misshandelt, entwürdigt, stigmatisiert“, so ist die Dokumentation des Kreisarchivs Ratzeburg betitelt, die über Zwangssterilisationen während des „Dritten Reiches“ berichtet. Nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.

Hier erhältlich

Für acht Euro ist die Dokumentation im Kreisarchiv Ratzeburg zum Selbstkostenpreis erhältlich. Interessierte können die Dokumentation aber auch im Internet unter www.kreis-rz.de/kreisarchiv herunterladen.

Juli 1933 wurden zwischen 1934 und 1945 etwa 400000 Menschen, die sich im Zugriff des Deutschen Reichs befanden, auf Anordnung der dafür errichteten Erbgesundheitsgerichte auch ohne ihre Einwilligung unfruchtbar gemacht. Es betraf Behinderte und psychisch Kranke, Gehörlose, Blinde oder Alkoholsüchtige. Auch im Kreis Herzogtum Lauenburg gab es eine Vielzahl von Fällen der Zwangssterilisation. Im Kreisarchiv Ratzeburg sind 427 aus dem Herzogtum Lauenburg dokumentiert. Kreisarchivarin Cordula Bornefeld hat zu dieser sensiblen Thematik eine Dokumentation erstellt, in der sie 47 Fälle aufgearbeitet hat. Um die Betroffenen nicht ein weiteres Mal bloß

zu stellen, wurde so viel wie notwendig anonymisiert.

Es ist ein unrühmliches Kapitel der Medizingeschichte – haben sich doch zahlreiche Ärzte zu Handlangern der nationalsozialistischen Rassenhygiene machen lassen. In Zusammenarbeit mit den Erbgesundheitsgerichten in Lübeck, Hamburg-Altona und Schwerin waren die damaligen staatlichen Gesundheitsämter quasi Vollstrecker der von den Gerichten gefassten Beschlüsse. Dazu zählten Zwangssterilisationen zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses, ärztliche Untersuchungen zur Einhaltung der Erb- und Rassenpflege und Sippenfragebögen, aufgrund derer gezielt nach Erkrankungen in vorherigen Generationen gefragt wurde.

Die Dokumentation zeigt eine Übersicht, wie viele Menschen in den unterschiedlichen Orten des Kreises Herzogtum Lauenburg damals erfasst worden sind, welche Diagnose wie oft gestellt wurde und in welchem Beschäftigungsverhältnis die Betroffenen eventuell standen. Ergänzt wird die Dokumentation durch die Abbildung eines Intelligenzprüfungsbogens, einer Sippentafel, eines amtsärztlichen Gutachtens und des Urteils des Erbgesundheitsgerichts.

Die Auswahl der Akten stellt einen Querschnitt von gleich gelagerten und besonderen Verfahren dar. Eine Wiedergabe von Fällen, in denen ein Widerspruch erfolgreich war, dient dem Zweck, aufzuzeigen, wie schnell und wegen welcher Lappalien jemand als erbkrank beschuldigt werden konnte und wie schwer es war, ein drohendes Urteil doch noch wieder abzuwenden.

Im Gegensatz zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in anderen Bereichen gilt es hier ganz besonders, die Opfer von damals zu schützen. Dennoch soll an das begangene Unrecht erinnert werden.

LN

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