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Lauenburg Mit Gummistiefeln und Notizblock mitten im Feld
Lokales Lauenburg Mit Gummistiefeln und Notizblock mitten im Feld
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22:17 19.05.2016
Viktoria Laubach kennt sich als Landwirtstochter von Haus aus gut aus mit Getreide. Die 23-Jährige hat in Kiel Agrarwissenschaften studiert – und prüft nun auf heimischen Versuchsfeldern die Güte der Gerste. Quelle: Dorothea Baumm

Ein Männlein steht im Walde: Das kennen wir alle, da wundert sich niemand. Aber: Eine junge Frau, die mitten in einem Getreidefeld steht? Was macht die da? Viktoria Laubach, Arbeitshose, hohe Gummistiefel, grüne Zettel in der Hand, stapft in dienstlicher Mission durch die noch jungen, kräftig-grünen Pflanzen. Ihre Erklärung: „Ich bonitiere die Gerste.“

„Hier ist kein Getreide genmanipuliert.“Viktoria Laubach,

Agrarwissenschaftlerin

Was ein versierter Landwirt ist, weiß nun Bescheid. Für alle anderen erklärt es Wikipedia wie folgt: „Bonitur (Bonitierung) ist die fachgerechte, qualitative Beurteilung landwirtschaftlicher Betrachtungsobjekte. Die Tätigkeit wird als ,bonitieren’ bezeichnet. Ursprünglich war die Bonitur, analog zur Inventur, eine fachkundige Beurteilung der Qualität, beispielsweise von Wolle und Wollstoffen. Der Begriff wird heute nur noch im landwirtschaftlichen Zusammenhang verwendet, beispielsweise zur Erhebung von Pflanzenmerkmalen“ – und eben damit ist Viktoria Laubach gerade beschäftigt.

Die Sonne strahlt auf das sonderbare Feld hinunter. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die Pflanzen in kleinen Parzellen im Schachbrettmuster angepflanzt sind. Viktorias Vater, Dr. Eberhard Laubach, ist der Chef der Nordsaat Saatzucht GmbH, Zuchtstation Gudow. Die junge Frau beendet gerade ihr Studium der Agrarwissenschaft in Kiel. Die Masterarbeit ist abgegeben und muss nur noch verteidigt werden. Dann möchte die 23-Jährige erst einmal praktische Erfahrungen sammeln, sich bewerben.

Vorerst aber hockt sie noch mittenmang in der Gerste. Und guckt. Wonach denn bloß? „Zum Beispiel nach Blattflecken. Und nach Basalblattscheidenbehaarung.“ Oh. Ob man das nun so genau wissen wollte – klingt ja wie etwas, was man eher nicht sehen möchte, oder? Viktoria Laubach lacht: „Die Härchen sind ganz normal.“ Und mit ungeübtem Auge kaum zu erkennen, so winzig sind sie.

Was hier, vor Wild geschützt durch einen niedrigen Elektrozaun, angepflanzt ist und so sorgfältig geprüft und dokumentiert wird, sind potentielle Sorten. Was sich bewährt, wird beim Bundessortenamt angemeldet: eine Sortenzulassung für den Markt muss beantragt werden. Sorgen sind unbegründet: „Hier ist kein Getreide genmanipuliert“, versichert die 23-Jährige.

Hinter der schachbrettartigen Anpflanzung sind Großparzellen: „Dort haben wir Gerstenversuche in späteren Versuchsstadien“, erklärt die Studentin. Und sie weist auf noch größere Flächen: „Dort haben wir auf 30-Meter-Bahnen Gerste in Erhaltung und Vermehrung“, kurz, das sind Sorten, die es schon weiter geschafft haben.

Auch wenn das Wetter herrlich ist: Ein Spaziergang ist das nicht für Viktoria Laubach. Immer wieder geht die junge Frau in die Hocke, untersucht einzelne Pflanzen, schaut genau hin: „Hier steckt viel Handarbeit drin, wir müssen in allem ganz genau bleiben.“ Wieder etwas gelernt. Vielleicht habe ich keine Ahnung, wie man Gerste, Hafer, Roggen und Weizen auseinanderhält. Aber Basalblattscheidenbehaarung – die erkenne ich jetzt. Zumindest, wenn ich eine Lupe dabei habe. . .

Dorothea Baumm

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