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Mit Jagdinstinkt auf Stint-Fang

Geesthacht/Winsen Mit Jagdinstinkt auf Stint-Fang

Wenn es draußen langsam wärmer wird, ziehen Hunderttausende Stinte zum Laichen die Elbe hinauf. Dann beginnt für die Fischer die Saison. Der Edelfisch gilt als Delikatesse. Wilhelm und Per Grube gehören zu den wenigen Stintfischern, die noch auf der Unterelbe südlich von Geesthacht unterwegs sind.

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Teamwork: Seit drei Jahren arbeiten Vater und Sohn zusammen. Rechts: Bis zu 20 Zentimeter groß wird ein Stint. Er riecht nach Gurke.

Quelle: Schülermann

Geesthacht/Winsen (Luhe).  Tag für Tag fahren sie mit ihrem Boot raus und leeren ihre Reusen — immer abhängig von Ebbe und Flut.

LN-Bild

Wenn es draußen langsam wärmer wird, ziehen Hunderttausende Stinte zum Laichen die Elbe hinauf. Dann beginnt für die Fischer die Saison. Der Edelfisch gilt als Delikatesse.

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An diesem Morgen ist der Himmel bedeckt. Per Grube, groß gewachsen, mit Mütze und Ölkleidung gegen die Kälte geschützt, ist um 10 Uhr hinaus auf die Elbe gefahren, um die ersten Stinte aus dem Wasser zu ziehen. Sie sind über Nacht in die Reusen geschwommen, „bei ablaufendem Wasser“, erklärt Wilhelm (60), Pers Vater und Chef. Er wird am Mittag mit an Bord gehen. Auf 20 Kilometern liegen 180 Reusen am Grund des Flusses. Sie alle müssen gehoben, geleert und wieder versenkt werden. Wo, das sagen ihnen Erfahrung und Jagdinstinkt.

Der 23-jährige Per Grube arbeitet sei knapp drei Jahren im elterlichen Betrieb. Bevor sie eine kurze Pause einlegen, wollen sie noch einige Ketten heben. So nennen sie die Leine, an der mehrere Reusen in einer Reihe angebracht sind — an einem Ende ein Kanister, der auf dem Wasser treibt, unten ein Anker. Sie reden nicht viel. Alles geht wie automatisch: Wilhelm Grube schützt sich hinter dem hohen Kragen seines dicken Overalls gegen den Wind und steuert das Aluminiumboot auf eine der Bojen zu, mit einem Haken fischt Per sie steuerbords aus der Elbe und legt das Seil um eine Rolle. Ein Motor treibt sie an und hebt das Seil aus dem Wasser. Dann legt er es über die zweite Rolle, Wilhelm hebt die tropfende Leine in eine Alu-Rinne. Langsam lassen sie sich mit der Strömung treiben, fördern so Reuse für Reuse zu Tage und öffnen sie über blauen Kisten. Bis zu 20 Kilo wiegt eine volle Reuse — ein Kraftakt für die Fischer. Mit etwas Schütteln fällt auch der letzte Stint aus der Falle. Bis zu 20 Zentimeter wird ein Stint groß, Weibchen etwas größer. Wieder verschlossen geht die Reuse über Bord, auf geht‘s zur nächsten.

Viel gebe es auf der Elbe nicht mehr zu fischen, bedauert Wilhelm Grube. Das Kohlekraftwerk in Hamburg mit seinen Filteranlagen, Kormorane und Sauerstofflöcher durch Elbvertiefungen würden dafür sorgen, dass Bestände schrumpfen. Von der Politik fühlt sich der Fischer und Gastronom allein gelassen. Aber Stinte fange er glücklicherweise noch genügend — auch zum Beginn dieser Saison. Fischern in anderen Gebieten gehe es anders, berichtet er. Per möchte den Betrieb eines Tages übernehmen. „Besonders schön ist die Arbeit im Sommer, wenn die Sonne scheint“, sagt er, weiß aber auch: Gibt es vorher keinen elterlichen Betrieb, wird keiner mehr Fischer.

Nun geht es erst mal zurück, um Mittag zu essen. Schnell gleitet das Boot die Elbe entlang, links und rechts begleiten Kormorane den Weg im Tiefflug. Der kalte Wind lässt die Augen tränen.

Wenig später steuert Wilhelm Grube das Boot auf einen Trailer, sein Sohn zieht es aus dem Wasser, er ist kurz zuvor von Bord gegangen. Im Windschatten der Spundwand am Anleger breitet sich der intensive Geruch nach frischer Gurke aus — so riechen Stinte. An Bord stapeln sich randvolle blaue Kisten, die an der nahegelegenen „Grubes Fischerhütte“ abgeladen werden. der Stint wird dort direkt verarbeitet.

Der Stint gilt als Delikatesse und wird immer beliebter. Mitte April ist die Saison vorbei. 25 bis 30 Tonnen Stinte wollen Per und Wilhelm Grube dann gefischt haben. Dass sie dieses Ziel erreichen, hoffen die beiden Fischer — jeden Tag, wenn es sie raus auf die Elbe zieht.

Gebraten und paniert: Der einstige Geheimntipp ist besonders im Südkreis beliebt

Ganz klassisch , mit Mehl paniert und gebraten, empfiehlt Malte Jobmann, Juniorchef der gleichnamigen Fischerei in Ratzeburg, den Stint. „Dazu Speck und Zwiebeln.“ Als Beilage gibt es in seinem Restaurant Bratkartoffeln und Gurkensalat, gewürzt mit Essig und Dillspitzen. Mit selbstgemachtem Apfelmus schmeckt Fischer und Gastronom Wilhelm Grube der Fisch am besten. Seine Gäste bevorzugen Bratkartoffeln zum Stint.

Etwas ausgefallener zubereitet wird derFisch mit Orangensalat und schwarzen Oliven. Der Stint wird mit Semmelbröseln und Vollkornmehl paniert, in Butterschmalz gebraten und mit Zitronenabrieb bestreut.

Nur die großen Stinte müssen ausgenommen werden. Die Gräten der kleineren können nach dem Braten mitgegessen werden. Mehrere Fische auf einem Holzspieß lassen sich leichter wenden und braten.

Früher war der Stint ein Armeleuteessen. Heute steht er vor allem an der Elbe auf den Speisekarten der Restaurants. Günther Heiligenstühler, Vorsitzender der Dehoga im Lauenburgischen: „Im nördlichen Kreis ist das nicht doll, mehr in der Hamburger Region.“ So gut der Stint auch schmecke, sagt Heiligenstühler. Eine regionale Spezialität des Kreises sei die Maräne, die man das ganze Jahr haben könne.

Von Philip Schülermann

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