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Lauenburg Mit Plastikdeckeln gegen Kinderlähmung
Lokales Lauenburg Mit Plastikdeckeln gegen Kinderlähmung
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23:21 31.01.2016
Dennis Kissel kam auf die Idee, mit scheinbar wertlosen Kunststoffdeckeln gegen die Krankheit Poliomyelitis zu kämpfen. Quelle: Florian Grombein
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Mölln

„22 Millionen Deckel lassen sich in Deutschland sammeln“, sagt Dennis Kissel aus Mölln. Die Idee ist so einfach wie genial: Tonnenweise Schraubverschlüsse für PET-Flaschen werden gesammelt, recycelt und dafür weltweit Impfungen gegen Kinderlähmung realisiert. Bundesweit machen mittlerweile ganze Schulen und Kitas, Vereine und Privatpersonen mit. Was die wenigsten wissen: Initiator der Aktion sind Kissel, Chef der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) in Lanken, und seine Freunde vom Rotary-Club. Als Abfall-Experte kalkulierte er das Potential einer Sammelaktion vor gut eineinhalb Jahren durch. Sein Ergebnis: Deutschland kann potentiell 22 Millionen Deckel sammeln. Grund genug, die Aktion „500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung“ zu initiieren und den Verein „Deckel drauf e.V.“ zu gründen, dessen Vorsitzender Kissel ist. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Aktion ist bundesweit bekannt, die Resonanz ist sagenhaft, die Ideen der Deckelsammler so bunt wie die Verschlüsse selbst. In eineinhalb Jahren wurden 300 Sammelstellen eingerichtet und Deckel für umgerechnet 20000 Impfungen gesammelt.

„Plötzlich bekamen wir immer mehr Deckel aus dem ganzen Land. Aktuell steht hier wieder ein Container mit sieben Tonnen Deckeln“, berichtet Kissel und greift sich einen Haufen von Kunststoff-Verschlüssen aus einem randvollen Behälter. Es sei erstaunlich, wie dieses Material so viele Leute begeistern könne und gerade Kinder zum Sammeln anrege. Dabei sei ein einzelner Kunststoffdeckel doch für niemanden von Wert. In der Masse rechnet sich das Recycling jedoch. Etwa 2 bis 2,5 Gramm wiege ein Verschluss aus Polyethylen (HDPE). Ein Kilogramm davon reiche beim aktuellen Marktpreis aus, um eine Impfdosis gegen Polio (Kinderlähmung) im Wert von etwa 30 Cent zu finanzieren.

Im Sommer 2014 startete er die Aktion. Deckel für etwa 5000 Euro oder beinahe 17000 Impfdosen konnte der Verein im Jahr 2015 laut Kissel dank einer gemischten Schar an Helfern aus ganz Deutschland einsammeln. Und im noch jungen Jahr 2016 seien mit den Sammlungen im gesamten Bundesgebiet bereits 6000 Euro für potenziell 20000 Impfungen zusammengekommen. Das neue Jahr laufe extrem gut an und es sei zu erwarten, dass sich der Erfolg exponentiell steigere.

Bei einer Reise nach Portugal brachten ihn Gastronomen auf die Idee. Sie sammeltem in viel kleinerem Rahmen Deckel und kauften damit zum Beispiel einen Rollstuhl für einen gehbehinderten Menschen aus der Gemeinde. Die „Bill & Melinda Gates Foundation“ verdreifache nebenbei jeden von Rotary gegen Polio gesammelten Euro. „Das Ziel von Rotary ist es, die Krankheit weltweit zu besiegen“, sagt Kissel.

Das sei bei Kinderlähmung möglich, weil die Infektionskrankheit einen menschlichen Wirt zum Überleben brauche. Das unterscheide sie von Krankheiten wie Ebola, die auch von Affen übertragen werden könne.

Die Sammelaktion hat vor Kurzem auch den NDR dazu bewogen, eine Reportage im Lauenburgischen zu drehen, um den Erfolg der Aktion zu schildern. Der Sendetermin in „Markt im Dritten“ steht allerdings noch nicht fest.

Florian Grombein

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