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Lauenburg Mit Rauschbrille zur Einsicht
Lokales Lauenburg Mit Rauschbrille zur Einsicht
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20:30 22.11.2016

/Ratzeburg. Wenn das Smartphone im Auto klingelt, ist der Fahrer dran: Mobilfunkgeräte gehören zunehmend zu den Unfallverursachern im Straßenverkehr. Genau so wie von Alkohol und Drogen geht auch durch technische Geräte, die vom Verkehr ablenken, erhebliche Gefahr aus. „Wenn es einen Unfall gibt, sehen wir bei mancher Fragestellung auch nach, ob vielleicht ein eingeschaltetes Handy in der Fahrerkabine liegt“, erklärt Patrick Moser, Präventionsbeamter bei der Polizeidirektion Ratzeburg. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tino Sdunek ist er diese Woche für die „Aktion Junge Fahrer: Probleme des Alkohol- und Drogenkonsums in Verbindung mit der Teilnahme am Straßenverkehr und Ablenkung durch Smartphone-Benutzung“ in der Ahrensburger Berufsschule zu Gast.

Der Präventionsbeamte Tino Sdunek ließ die Schüler mit einer Rauschbrille auf der Nase durch einen Hütchenslalom lenken. FOTO: BETTINA ALBROD

„Jedes Kreuz ist

eins zuvielMarc Schwellnus

Stellvertretender Leiter Berufsschule

Verkehrskontrollen und die Untersuchung von Verkehrsunfällen hätten gezeigt, dass wie in den Jahren zuvor Verkehrsteilnehmer unter Einfluss von Alkohol und Betäubungsmitteln am Straßenverkehr teilnehmen, heißt es in einer Mitteilung der Polizeidirektion Ratzeburg. „Ebenso spielt mittlerweile die Ablenkung durch Handybenutzung während der Fahrt als Ursache von Verkehrsunfällen eine erhebliche Rolle.“ Betroffen sei vor allem die Gruppe der 18 bis 24-Jährigen.

Was bei Alkohol am Steuer passiert, zeigt die Rausch-Brille der Kreisverkehrswacht. Ein Schüler setzt sie auf, steuert eine leere Sackkarre durch einen Hütchen-Slalom, und schon kommt es zum Zusammenstoß: Ein Hütchen fliegt beiseite. „Die Brille simuliert einen Rauschzustand“, erläutert Moser. „Sie demonstriert, wie sich die Motorik bei verschiedenen Promillezuständen bis hin zur Doppelsicht verändert, und zeigt die Einschränkungen, die man dadurch hat.“ 24 Klassen durchlaufen das Programm, das aufklärt, warnt und zusätzlich das Gefühl des eingeschränkten Fahrens erlebbar macht. Die Schüler sind mit Spaß bei der Sache, doch der Hintergrund ist ernst. „Vor einigen Jahren gab es einen Alkoholunfall, bei dem das Opfer auf diese Berufsschule ging“, sagt Sdunek. „Das hat bei den Schülern für große Betroffenheit gesorgt.“

Kreuze am Straßenrand erinnern an Tragödien, die ohne Alkohol vermeidbar gewesen wären. „Besser zu Oma anstatt ins Koma“ lautet ein Slogan auf einem der Plakate, das zu der Ausstellung der DAK „Bunt statt Blau“ gehört. Die Plakate wurden in einem Wettbewerb von Jugendlichen entwickelt und stammen damit aus der Gruppe der Gefährdeten. Der Fall eines Unfallopfers ist ausführlich geschildert; die Praxisbeispiele sind es, die die Schüler am ehesten erreichen. „Ich bin selber schon mal mit jemandem mitgefahren, der getrunken hatte“, erzählt eine junge Frau. „Ich habe ihm nichts angemerkt, aber dann hatten wir einen Unfall.“ Sie selber trinke so gut wie nie. „Ich bin meist die, die fährt, weil ich einen weiten Weg habe.“ Andere sehen das lockerer. „Ich bin selber schon mal unter Alkoholeinfluss gefahren“, heißt es von anderer Seite. „Ich dachte, es ist ja nur schnell bis nach Hause. Hinterher hatte ich kurz ein schlechtes Gewissen, aber ich habe es ja geschafft.“ Beim Thema Smartphone am Steuer gibt es viele Schüler, die sich dazu bekennen. „Das machen doch alle“, heißt es bei den Jugendlichen.

Nach der Präventionsveranstaltung vielleicht nicht mehr. „Wenn wir nur einen pro Jahr erreichen und dadurch ein Unfall verhindert wird, ist es gut“, erklärt Moser. Die Beamten haben auch einen Reaktionstest im Gepäck. „Bei Tempo 30 in der 30er-Zone steht zehn Meter vor dem Wagen ein Kind. Bei Tempo 30 ist der Bremsweg 9,70 Meter lang“, erläutert Sdunik. „Bei Tempo 50 sind es 20 Meter.“

„Das ist eine gute Aktion“, findet der stellvertretende Schulleiter Marc Schwellnus. „Unser Ziel ist es, dass jeder Schüler einmal die Präventions-Veranstaltung durchlaufen hat.“

Bettina Albrod

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