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Lauenburg Mit neuen Ideen gegen die Krise auf dem Milchbauernhof
Lokales Lauenburg Mit neuen Ideen gegen die Krise auf dem Milchbauernhof
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09:49 31.08.2016
Bauer Holger Behnke muss seine Kühe am Nachmittag ein zweites Mal melken. Ein kleiner Teil des Milchertrages geht in die neue Milchtankstelle in Mühlenrade. Quelle: Fotos: Sen

Fünf vor fünf am Morgen kräht der Hahn auf dem Hof von Familie Behnke. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, die Kühe kommen gemächlich von der Koppel in den Stall gelaufen. Sie finden den täglichen Weg auch im Dunkeln.

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Bauer Holger Behnke muss seine Kühe am Nachmittag ein zweites Mal melken. Ein kleiner Teil des Milchertrages geht in die neue Milchtankstelle in Mühlenrade.

Milch gibt es per Knopfdruck

Der Automat füllt frische Rohmilch auf Knopfdruck in Flaschen. Diese Milch sollte vor dem Verzehr unbedingt abgekocht werden.

Frischmilchautomaten sind unter www.milchautomaten-direktvermarkter.de auf einer deutschlandweiten Übersichtskarte zu finden.

Die Preise variieren meist zwischen 90 Cent und 1,50 Euro.

„Nur die einäugige Kuh wartet immer draußen vor dem Stall. Sie will nicht mit den anderen gemolken werden“, sagt Bauersfrau Heike Behnke. Sobald die Tiere im Stall sind, werden sie an die Stationen angebunden. Insgesamt 26 Milchkühe werden hier morgens um fünf und am Nachmittag um 16 Uhr gemolken. Nicht nur, weil die Milch den Lebensunterhalt der Familie sichert, sondern auch weil die Tiere sonst Milchfieber, eine schmerzhafte Eutererkrankung, bekommen könnten.

Gegen die schwankenden Milchpreise haben die Bauern nicht viele Möglichkeiten. „Sie können den Preis nicht selber bestimmen“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.

Direktvermarktung sei manchmal eine Alternative. Familie Behnke hofft darauf, ihr Budget mit der neuen Milchtankstelle, die die Familie vor viereinhalb Wochen vor dem Hof aufgestellt hat, aufzubessern. Statt 23 Cent pro Liter, die sie von der Großmolkerei Arla Hansa Milch bekommen, gehen durch den Direktverkauf 1 Euro pro Liter in ihre Kasse. Den vier Mal so hohen Erlös spüren sie jetzt aber noch nicht. „Denn das meiste Geld nutzen wir, um den Bau der Milchtankstelle abzubezahlen. Immerhin kostete der mehr als 20000 Euro“, sagt Heike Behnke. „Eine Direktvermarktung von Milch kann nur lokal funktionieren“, sagt Peter Koll. Denn vor allem genug Abnehmer seien nötig. „Der Bauer muss in der Lage sein, seine gesamte Milch dauerhaft zu vermarkten.“

Bei 26 Milchkühen auf dem Hof der Behnkes dürfte die Gesamtmilchmenge pro Tag gering sein. Etwa 30 Liter Milch gebe eine Kuh, die gerade gekalbt hat, pro Melkgang, erklärt Bauer Holger Behnke. Er nimmt vier Euteraufsätze, die die Milch bei den ersten Kühen abpumpen werden, und hängt sie auf die Stangen vor den Tieren. Bevor gemolken wird, verteilt Vater Claus, der den Hof 2014 an seinen Sohn abgab, Schrot an die Kühe. Seine Frau Anke schleppt eine große Mistgabel voll Heu hinter ihm her. Hier hilft die ganze Familie mit. „Viele arbeiten heute in Milchbetrieben, ohne dass sie bezahlt werden. Das mag kurzfristig über Krisen helfen, ist aber keine nachhaltige Perspektive für junge Bauern“, sagt Kirsten Wosnitza, die Sprecherin des Bundes Deutscher Milchbauern in Schleswig-Holstein.

„Wir sind hier in einer Top-Region und dennoch mussten sieben Prozent der Milchbauern in den vergangenen Monaten aufgeben.“

Holger Behnke hält durch. Er bringt die Melkaufsätze an die Euter. Durch Schläuche läuft die Rohmilch von dort in einen großen Behälter. Ein kleiner Teil davon, kommt in die Milchtankstelle. Pro Tag verkauft der Hof nämlich nur 30 bis 70 Liter, also etwa die Tagesmenge Milch einer Kuh. Der Rest geht an die Molkerei Arla Hansa Milch. Neben den insgesamt 80 Kühen bewirtschaftet die Familie 45 Hektar Land, auf dem Getreide und Futtergras wachsen. Die 30 Enten und fünf Gänse sind ein Hobby von Heike Behnke, der Gemüsegarten von Anke Behnke nur für den Eigenbedarf gedacht. Der Hof ist damit auf den Ertrag aus dem Milchverkauf angewiesen, so wie viele Bauern, die sich auf Milchkühe spezialisiert haben.

Im vergangenen Jahr hätte die Familie fast aufgegeben. Sie konnten sich durch harte Arbeit retten. Heike Behnke arbeitet als Krankenschwester und hilft nur ab und zu auf dem Hof. „Ich bin froh, einen Nebenverdienst zu haben“, sagt sie. „Obwohl es reicht, was wir hier erwirtschaften, wenn wir nicht großspurig leben wollen.“ Sie ist überzeugt, dass sie es geschafft haben, weil sie keinen riesigen Kredit abzubezahlen haben. „Andere bauen teure Ställe und verstricken sich in Schulden.“ Die Stallungen und Schuppen des Hofes sind schon lange im Besitz der Behnkes und wurden nicht umgebaut. „Wie viele Generationen es schon sind, können wir gar nicht mehr nachverfolgen“, sagt Großmutter Anke Behnke.

 Stefanie Ender

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