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Lauenburg Doppelter Genuss: Saft aus eigenem Obst
Lokales Lauenburg Doppelter Genuss: Saft aus eigenem Obst
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14:51 20.09.2018
Normalerweise soll es um 10 Uhr losgehen. Doch gestern hatte sich Richard Rau (vorn beim Aufbau der Anlage) etwas verspätet. Zudem war ein Mitarbeiter ausgefallen. Quelle: FOTOS: JOachim Strunk
Sandesneben

Gefühlt bringt dieses Jahr eine Top-Ernte – jedenfalls bei Obstbauern und Hobbygärtnern. Zumindest im Vergleich zu den letzten zwei Jahren, als die Branche fast sogar von Totalausfällen sprach. Jetzt sieht es wesentlich besser aus. Bernd Velke, Chef der Süßmosterei in Lütau: „Täglich werden hier zwischen 13- und 15000 Kilo Äpfel angeliefert.“ Eine Bilanz könne er zwar noch nicht ziehen, so Velke. Aber „es wird sicher außergewöhnlich“.

Impressionen von der Obstpresse

Wenngleich er bei dem ersten Obst einen noch zu hohen Gehalt an Säure und zu wenig Zucker feststellt. „Das liegt an zu wenig Wasser und zu vielen Früchten, die sich gegenseitig am Ast den Platz und den Nährstoff wegnehmen.“ Daher rät er allen Obstliebhabern, ihre Äpfel und Birnen lieber noch ein paar Wochen am Baum hängen zu lassen. „Gerade in den letzten Wochen kann sich noch viel entwickeln.“

„Ernten ist ein schönes Gefühl“

Auch Richard Rau liebt „das Ernten. Es ist ein schönes Gefühl“, sagt der Chef von Getränke Stapelfeldt in Mölln. Er liebt aber nicht nur das Ernten, sondern vor allem das Verarbeiten von Obst und Früchten. Im Moment ist Hochsaison für Äpfel, Birnen und Quitten.

Bis Mitte November unterwegs

Hobbygärtner und Apfelbaumbesitzer können ihr Obst zu Raus „großer“ Annahmestelle nach Mölln bringen. Oder aber sie kommen an einem bestimmten Wochentag zur mobilen Obstpresse, die Rau seit dem 15. September bis Mitte November durch den Kreis und darüber hinaus fährt.

Richard Rau von der Möllner Firma Getränke Stapelfeldt. Quelle: Joachim Strunk

Und überall wird er mit seinen Mitarbeitern sehnlich erwartet. Die ersten Kunden stehen am Dienstag bereits um 8.30 Uhr parat. Doch heute hat sich Rau verspätet und kann erst gegen 11 Uhr die Arbeit aufnehmen. Da drängeln sich schon knapp zwei Dutzend Menschen vor der beeindruckenden Maschinerie.

„Das ist noch mal extra schön: Dass die Leute mit eigenen Augen sehen können, wie ihr Obst verarbeitet und abgefüllt wird. Das ist nicht nur frisch gepresster und pasteurisierter, also zur längeren Haltbarkeit erhitzter, Saft, sondern er ist auch noch aus dem eigenen Obst. Doppelter Genuss, beste Qualität und absolute Transparenz!“, schwärmt Rau.

Täglich zehn Tonnen verarbeitet

Muss er auch. Denn Qualität ist nicht billig. Die Obstpresse hat er sich maßschneidern lassen. Sie kostete entsprechend mehr als 400000 Euro. Die müssen erst mal wieder reingeholt werden. Das hat noch nicht geklappt, zumal es im vergangenen Jahr eine ganz schlechte Ernte gab. „Dafür ist es diesmal umso besser.“ Täglich verarbeitet er nur an der mobilen Presse etwa zehn Tonnen. „Das sind bis zu 5000 Liter im Schnitt am Tag.“

Mostereien im Umkreis

Getränke Stapelfeldt in Mölln residiert an der Ratzeburger Straße 31. Die Mobile Presse ist bis Mitte November von 10 bis 17 Uhr hier anzutreffen: montags Gärtnerei Aeschlimann in Groß Grönau, dienstags Sandesneben vor dem „Getränkeland“, mittwochs Lüneburg, donnerstags Bad Oldesloe (am Hagebaumarkt) und freitags Hornstorf.

Weitere Annahmestellen: Süßmosterei Lütau, Katthof 4; Raiffeisenmarkt Ratzeburg, „An der Vier“ in Boizenburg; Erlebnismosterei Lübeck, Kronsforder Landstraße 333.

Unter Raus Kunden am Dienstag befindet sich der wohl bekannteste Pomologe (Apfelkundler) des Kreises: Peter Schlottmann. Der Schulrat a. D. betreut bekanntlich die Streuobstwiese zwischen Einhaus und Ratzeburg, wo er mehrere hundert alte Apfel-, Birnen- und vor allem Pflaumenbäume hegt und pflegt (mit einem größeren Stamm an Helfern).

Supermarkt ist immer billiger

Sieben Plastiksäcke voller Früchte sind vom jüngsten Apfeltag übrig geblieben (der nächste findet am 29. September zwischen 14.30 und 16.30 Uhr statt). Die hat er hergebracht und lässt sie pressen. Insgesamt 37 Literflaschen hat er bekommen. Die Dienstleistung des Pressens und Abfüllens sowie das Pfand für Kästen und Flaschen beträgt alles zusammen 62,50 Euro.

Peter Schlottmann freut sich über insgesamt 37 Flaschen frisch gepressten und pasteurisierten Apfelsaft. Quelle: Joachim Strunk

Ein stolzer Preis, gesteht auch Rau ein. „Der Supermarkt ist immer billiger. Aber dafür sehen die Leute, dass es Saft aus ihrem eigenen Obst ist“. Qualität und Transparenz, siehe oben. Und das ist es den vielen Frauen und Männern wie etwa Hans-Jochen Hormann aus Rondeshagen wert. Er steht seit halb zehn hier und wird wohl gegen 12 oder 13 Uhr an der Reihe sein. Selbst diese Wartezeit von manchmal mehreren Stunden macht den meisten nicht viel aus.

„Bis 17 Uhr nehmen wir Aufträge an. Das heißt aber nicht, dass wir dann Feierabend machen. Das muss alles abgearbeitet werden. Gestern waren wir noch bis halb elf abends zugange“, erzählt eine Mitarbeiterin von Rau und sieht dabei immer noch müde aus.

Joachim Strunk

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