Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Für Bauplatz illegal Bäume gefällt?
Lokales Lauenburg Für Bauplatz illegal Bäume gefällt?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 05.12.2018
Der Neubau dreier Häuser an der Feldbäckerei neben einem Seniorenheim sorgt für Unruhe in Mölln. Obwohl F- und B-Plan noch nicht beschlossen wurden, hatten Mitarbeiter des Grünamtes bereits Rodungen vorgenommen, heißt es. Darunter war auch eine geschützte Eiche, die nach Aussagen von Naturschutzverbänden die Zufahrt zum künftigen Baugrundstück versperrt hätte. Quelle: Grombein
Mölln

Der geplante Bau dreier Einfamilienhäuser auf einer Moorlinse an der Feldbäckerei wird für die Möllner Verwaltung und die Bauherren zum Fiasko. Nicht nur, dass seit Monaten hunderte Anwohner und zwei Naturschutzverbände dagegen mobilisieren, weil tiefe Bohrungen das Gleichgewicht des angrenzenden Wohngebietes stören könnten. BUND und Nabu monieren gar, für die Realisierung seien weit vor Beschluss über F- und B- Plan ordnungswidrig geschützte Bäume gefällt worden.

Naturgeschützte Bäume wichen Baufeld

„Anders als in den Unterlagen in der ersten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung dargestellt, wurden zahlreiche schützenswerte und teilweise unter Naturschutz stehende Bäume gefällt, um ein freies Baufeld zu erhalten“, schreibt der BUND am 15. August in einer Stellungnahme. So sei verhindert worden, dass diese Bäume im B-Plan festgesetzt werden konnten. Dies habe der Fachdienst Naturschutz des Kreises (UNB) gefordert. „Besonders unverfroren ist dies bei der gefällten großen Eiche, die einen Stammumfang in ein Meter Höhe von 350 Zentimetern aufwies“, so der BUND. Bei einer Ortsbegehung sei festgestellt worden, dass die Eiche kein Krankheitsmerkmal aufweise. „Dieses Vorgehen ist inakzeptabel. Entsprechende Strafen beziehungsweise Bußgelder sind zu verhängen“, schreibt der BUND. Die Antwort der Stadt im öffentlich zugänglichen Dokument ist kurz: „Die Veränderung von Gehölzstrukturen sowie die Erteilung von Fällgenehmigungen innerhalb eines sich in Überplanung befindlichen Gebietes unterliegen nicht der Abwägung im Rahmen der Aufstellung eines Bebauungsplanes. Ausschlaggebend sind an dieser Stelle das Landesnaturschutzgesetz sowie die Baumschutzsatzung der Stadt Mölln“, so die Verwaltung.

Grundstück umstritten

Dem Gutachten der Firma Mücke ist zu entnehmen, dass Grundwasser sich an einigen Stellen des Fundamentes bereits in einer Tiefe von nur 70 Zentimetern befindet. „Aufgrund der setzungsverursachenden, organischen Böden, die überdurchschnittliche, nicht vertretbare Baugrundverformungen bei einer Überbauung verursachen würden, ist für die Neubauten eine Tiefgründung mit Bohrpfählen durchzuführen“, so das Gutachten.

Die Bebauung des Grundstückes scheiterte vor etlichen Jahren. Für 4,3 Millionen Euro wurde der Ausbau des Seniorenruhesitzes „Landhaus“ an der Möllner Feldbäckerei geplant. Obwohl ein Aufstellungsbeschluss zum F- und zum B-Plan bereits vorlag, wurde er mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP abgelehnt. CDU und FMW hatten damals für das Projekt gestimmt. Dabei ging es auch um bauliche, ökologische und verkehrstechnische Belange. Der Investor war damals auf einem erheblichen Teil der Planungskosten sitzengeblieben.

Kreis wurde nicht informiert

Der Kreis äußert sich vorsichtig aber auch kritisch: „Die Bäume wurden gefällt, obwohl die Stellungnahme der UNB den Erhalt der Bäume bevorzugt hätte“, erklärt Kreissprecher Tobias Frohnert. Der Kreis sei im B-Plan-Verfahren zwar ordnungsgemäß beteiligt worden. „Bei der letztlichen Entscheidung zur Fällung der vorhandenen Gehölze hat die Stadt dies jedoch bisher versäumt. Die Zusammenarbeit sollte an dieser Stelle daher noch optimiert werden“, sagt Frohnert. Es geht in diesem Fall um eine Ausnahme von der bestehenden Baumschutzsatzung der Stadt, über die die Möllner Verwaltung selbst entscheiden kann. „Die UNB ist jedoch zum einen zur Erteilung der Ausnahmegenehmigung zu hören, zum anderen wird dann im Einvernehmen zwischen Stadt und UNB über die zu schaffenden Ausgleiche entschieden“, so Frohnert. Dieser Schritt sei bisher noch nicht erfolgt.

BUND: „Mit falschen Faktengearbeitet“

„Der Fällantrag ist in der Tat während der laufenden Bauleitplanverfahren gestellt worden und daher auf Grundlage der städtischen Baumschutzsatzung abgearbeitet worden“, erklärt Bürgermeister Jan Wiegels. Nach öffentlicher Erörterung im Forstausschuss sei gefällt worden. Hans-Heinrich Stamer vom BUND Herzogtum Lauenburg war bei der Erörterung dabei. Er bewertet das Vorgehen anders: Dort sei berichtet worden, dass eine Mitarbeiter des vom Bauherren beauftragten Planungsbüros zusammen mit einem Mitarbeiter der Forstbehörde Bäume am Grundstück begutachtet hätte. Laut Planungsbüro habe damals ein Gutachten bestätigt, dass betreffende Eiche nicht standfest sei. „Da hat man mit falschen Fakten gearbeitet“, sagt Stamer. „Wir empfehlen den demokratisch gewählten Stadtvertretern in Mölln, diesen Betrug nicht mitzumachen“, so Stamer.

Eigeninteressen hätten„kräftiges Geschmäckle“

Stamers Lesart nach bestünden bei dem Bauvorhaben Eigeninteressen innerhalb des zuständigen Planungsbüros, was ein „kräftiges Geschmäckle“ habe. Wiegels erklärte auf Anfrage jedoch, an der Eiche sei eine große Faulstelle am Stamm sowie eine sich zurückentwickelnde Krone mit erheblichem Totholzanteil festgestellt worden. Kritisiert werde das Vorhaben wohl, weil in einer naturräumlich attraktiven Umgebung geplant wird und dort eine hohe Sensibilität für den damit verbundenen Verkehrs bestehe, sagt Wiegels. Das sieht der Nabu anders: Die geschützte Eiche sei zur Fällung freigegeben worden, weil „deren Standort sich im Bereich der geplanten Zufahrt befunden hätte.“ Trudel Borck, Mitglied des Möllner Nabu, bekräftigte diese Aussagen aus der Eingabe am Telefon.

Bürger: „lukratives Geschäft für kleine Interessengruppe“

Nach LN-Informationen sind etwa 400 Eingaben erfolgt. Diese Zahl bestätigte Wiegels nicht. Doch 19 Stellungnahmen von Behörden und Privatpersonen seien eingereicht worden, einige mit umfangeichen Unterschriftenlisten versehen. Privatpersonen schreiben, dass die Moorlinse bereits Setzungen an etlichen Häusern und der Straße „An der Hermannsquelle“ verursacht habe. „Es ist unverantwortlich, dieses Gebiet als reines Wohngebiet zu deklarieren, nur um einer kleinen Interessengruppe ein lukratives Geschäft zu ermöglichen“, heißt es. Sehr aufwendigen Gründungen mit Großbohrpfählen in bis zu 30 Metern Tiefe seien nötig. Der Einsatz von Rammsonden könne zu Setzungen und Rissbildungen an bestehenden Häusern führen. Der Bauausschuss berät am Donnerstagabend ab 19 Uhr im Stadthaus dazu.

Florian Grombein

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!