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Lauenburg Möllner Figuren europaweit exportiert
Lokales Lauenburg Möllner Figuren europaweit exportiert
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17:29 02.05.2018
Weit über 500 unterschiedliche Heimo-Figuren wurden in Mölln produziert. Dazu gehörten die Stars von Walt Disney genauso wie Rolf Kaukas „Fix und Foxi“. Quelle: Fotos: Grombein/hfr
Mölln

Gegründet haben die Firma Hans Heidmann und seine Ehefrau Anni in den 1960er-Jahren. Das berichtet Horst Flöter, der die Firma durch Heirat mit Heidmanns Tochter Annelore weiterführte. Heidmann selbst war nach dem Krieg für den größten Spielwarenhersteller der Welt in Deutschland tätig: Louis Marx. Lange vor Firmen wie Mattel entwickelte der Konzern jegliche Art von Spielzeug und produzierte sie weltweit. Heidmann war in den 1950er-Jahren zuständig für das Einkaufen von Spritzgießformen. Er hat für die Amerikaner Formen hergestellt. 1963 gab die US-Firma die deutschen Standorte auf, weil es aus Personalkosten günstiger war, in Schwellenländern wie China zu produzieren.

Die Schlümpfe, Fred Feuerstein, Donald Duck oder Max und Moritz – wer hat die Figuren aus Kunststoff in seiner Kindheit nicht in Händen gehalten? Die Möllner Heimo GmbH verkaufte etwa 90 Millionen davon in ganz Europa. Ein Rückblick in eine erfolgreiche Möllner Firmengeschichte.

Firmengründer

Hans Heidmann gründete Heimo 1963 in der Stettiner Straße in Mölln. Zuvor hatte er beim damals weltweit größten Spielzeugproduzenten, Louis Marx, aus den USA gearbeitet.

Am 1. März 1963 gründete Heidmann deshalb die Firma Heimo, ein Wortspiel aus „Heidmann“ und „Mölln“ zunächst in der Stettiner Straße in der Waldstadt. Horst Flöter baute 1970 im Grambeker Weg 167, wo heute die Firma Culimeta ansässig ist, den Betrieb.

Die Flöters konnten die Spritzgießformen nutzen und bauten in Lizenz der großen Marken. Die Figuren wurden unter anderem in der damals üblichen Gefängnisarbeit handbemalt, berichtet Flöter.

Anfang der 1970er-Jahre gründete Flöter eine Tochterfirma in Portugal, wo die Figuren günstiger bemalt werden konnten. „Dann kam ein Ereignis, dass uns von den Socken gehauen hat“, erzählt Flöter. Im Rahmen der portugiesischen Revolution wurde der Betrieb enteignet.

Neue Formen mussten gebaut werden. Der Spritzgießbetrieb wurde in Mölln neu aufgebaut. In der Höchstzeit hatte der Betrieb 100 Beschäftigte. Unter anderem Modelleure, die Modelle für die Figuren entwickelt haben. Aus ihnen wurden die Formen gebaut, deren Herstellung bis zu 40 000 D-Mark kosteten. „Deshalb mussten wir große Stückzahlen produzieren.“

Die Bemalung der Figuren wurde zunächst wieder in Gefängnissen in Deutschland betrieben. Nach einem halben Jahr jedoch wurde dafür eine Firma in Tunesien gegründet. In Mölln wurden weiterhin die Rohlinge produziert. Das ging lange sehr gut. Doch 1984 musste die Firma Insolvenz anmelden. „Wir haben aufgehört, weil der Figuren-Markt zusammengebrochen war“, sagt Flöter.

500 verschiedene Figuren stellte Heimo oder offiziell Heimog im Laufe der Firmengeschichte her. Die Firma musste umbenannt werden, weil eine andere Firma den Namen nutzte. Nun wurde an das Heimo noch ein „G“ angehängt. Diese Lösung ließ sich gut aussprechen. Das eingestanzte Firmenlogo lautete stets Heimo.

Walt-Disney-Figuren, Robin Hood, Flintstones, Popeye, Stars der Sesamstraße oder Figuren aus der Sendung mit der Maus trugen an der Unterseite den kreisrunden Firmenstempel. Außerdem produzierte die Möllner Firma auch Figuren für die Werbung von Langnese oder Pfanni, Maskottchen für den Deutschen Sportbund oder etwa das Maskottchen „Waldi“ für die Münchner Olympischen Spiele, das Weltmeisterschaftsmaskottchen für die WM in Argentinien oder den Fußballer „Fritz“, der allein eine halbe Million Mal verkauft worden sei. Schlüsselanhänger, Flachfiguren, Hampelmänner, Spardosen, Stiftehalter oder Lernuhren aus Kunststoff hatte Heimo ebenfalls im Programm. Auch für die Überraschungseier produzierte Heimo spannende Spielzeuginhalte.

Über die Möllner Handelsagentur verkauften Flöters nach der Insolvenz noch einige Figuren weiter. Unter anderem den Till Eulenspiegel, der auch heute noch in der Touristinfo im Rathaus zu haben ist.

Heute vertreibt das Stadtmarketing die Original-Heimo-Figur jedoch auf eigene Initiative, was Flöter wie er sagt, etwas überraschte.

Figurensammler

Die Heimo-Figuren haben neben Schleich- und Linde-Figuren einen Platz in den Kollektionen von Spielwaren-Sammlern. Bei vielen Heimo- Figuren sei der Firmenstempel nicht oder nur schwach zu erkennen, erfährt man in Sammler-Foren. „Auf Rohlingen ist der Stempel klar erkennbar gewesen. Doch häufig verschwamm er durch die Bemalung.“ Das Logo zeigt neben den Buchstaben Heimo ein Kreuz in einem Kreis. Es ist das gleiche Logo, wie es die Firma Marx benutzte, nur mit dem Schriftzug Heimo.

Die Informationen über Heimo sind bei Sammlern Mangelware. Etwa bei „Wikipedia“ erfährt man, dass das Konzept durch Schleich kopiert worden sei.

 Florian Grombein

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