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Lauenburg Möllner Hauptstraße viermal im Jahr autofrei
Lokales Lauenburg Möllner Hauptstraße viermal im Jahr autofrei
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14:42 09.11.2018
Schlechte Stimmung bei Geschäftsleute im Publikum: Alexander Weischedel (v. l., Investor ehemaligen Karstadt-Sporthaus), Rainer Jürss (Trend Men), Gerd Schmittat und Christian Schmittat (MC-Modezentren). Quelle: Grombein
Mölln

Immer wieder kocht die Stimmung hoch, wenn es in Mölln um das Thema Verkehr geht. Wer den Status Quo in der Hauptstraße ändern möchte, ruft seit Jahrzehnten die Kaufleute auf den Plan. Auch beim zaghaften Vorhaben, die Hauptstraße an lediglich vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr voll zu sperren, gab es einen Aufschrei. Aber auch Drohungen und Protestreden der Möllner Geschäftsleute konnten es diesmal nicht verhindern. Die Möllner Politik hat der Sperrung der Hauptgeschäftsstraße an verkaufsoffenen Sonntagen deutlich zugestimmt.

Investor droht mit Schließung

„Wir werden es ihnen vormachen, wie die Geschäfte nach einer Sperrung aussehen. Wenn sie das heute beschließen, werden wir zumachen und die Fenster zukleben, damit die Bürger ein Gefühl dafür kriegen“, sagte ein wütender Gerd Schmittat, Investor der Lauenburgischen Treuhand (LTG). Er diskreditierte auch Befürworter der Sperrung wie den Fahrgastschiffer Oliver Morgenroth (Grüne), der doch nur noch fünf Boote habe. „Nicht persönlich werden. Ich diskreditiere sie ja auch nicht“, entgegnete Morgenroth. „Warum sind unsere Geschäftsleute hier so rückwärtsgewandt? Wir haben eine Gelegenheit, es in einem winzigen Maße auszuprobieren. Die Leute fahren doch nur nach Hamburg, weil sie dort Fußgängerzonen haben“, sagte er unter Beifall im Publikum. „Warum haben sie uns Einzelhändler nicht einmal nach unserer Meinung gefragt“, fragte Rainer Jürss und erntet dafür Applaus.

Der Antrag

Die Fraktionen von SPD, Grünen, FMW und Die Linke hatten den Vorsitzenden des Bauausschusses Uwe Schlegel im Vorwege gebeten, den Antrag auf die Tagesordnung zu setzen. Der Bauausschuss möge beschließen, „die Hauptstraße an verkaufsoffenen Sonntagen und aus besonderem Anlass an Sonn- und Feiertagen zu sperren. Entsprechende Haushaltsmittel werden im Haushaltsplan 2019 eingeplant.

Die Sperrung würde die Aufenthaltsqualität erhöhen. So könnten die Verkehrsflächen für Außengastronomieangebote oder für Verkaufsstände genutzt werden.

„Wir werden Kunden von außen verlieren“

Der Betreiber des Herrenausstatters Trend Men war ebenfalls aufgebracht. Der Einzelhandel könne sich keine Experimente leisten. „Das erweckt den Eindruck einer Aussperrung. Dadurch werden wir Kunden verlieren“, setzte er nach. Die ersten beiden Reihen im Publikum waren am Donnerstagabend voll mit Geschäftsleuten besetzt. „Der Einzelhandel wird extrem leiden“, sagte auch Alexander Weischedel. Der Investor hat das ehemalige Karstadt-Sporthaus gekauft, und plant im Neubau neben Wohnungen an Geschäftskunden zu vermieten. Altstadtbewohner widersprachen: „Hier leben auch Kinder. Das ist doch nicht nur eine Geschäftsstraße. Da wohnen Menschen“, sagte Katrin Ledeboer, Mitglied der Bürgerinitiative gegen Verkehrslärm. Die Einzelhändler um Schmittat unterbrachen Ledeboer immer wieder. Uwe Schlegel musste immer wieder um Ruhe bitten. Darauf verließ Gerd Schmittat wortlos den Saal.

Händlerin: Aufenthaltsqualität ist schlecht

Es gab jedoch auch Händler im Saal, die es differenzierter betrachten. „Die Aufenthaltsqualität ist schlecht. Da muss man etwas tun“, sagte etwa Birgit Lechner vom Geschäft Spielerei. Sie sei in der Frage einer Sperrung unentschieden, sagte Cindy Dreyer vom Gewürzkontor. „Ich habe schon mehrere Sperrungen mitgemacht. Die haben Geld und Arbeitskräfte gekostet“, sagte Jürgen Landau vom gleichnamigen Geschäft in der Hauptstraße. Doch er schickte auch hinterher, dass vier Tage im Jahr „uns nicht kaputt machen werden.“ Die Politik lieferte sich ebenfalls einen Schlagabtausch: „Wir können nicht riskieren, den Einzelhandel zu ruinieren. Was nützt uns eine gesperrte Hauptstraße, wenn keine Geschäfte mehr da sind“, sagte etwa Jörg Steffen (CDU). Dieter Ruhland von der FDP bezeichnete den Antrag als „total undurchdacht“.

SPD: Einige Händler haben „brutale Position“

Regina Hälsig (Grüne) sagte in Richtung der Händler: „Wir brauchen ein Mobilitätskonzept. Wenn sie alles so wie immer machen, dann gehen sie kaputt.“ „Wir wollen die Hauptstraße nicht in Gänze sperren. Die Durchfahrt soll so abgesenkt werden, weil 12 000 Autos am Tag nicht tragbar sind“, sagte Matthias Esche von der SPD. Es warf einzelnen Kaufleuten eine „brutale Position“ vor. Wer in die Stadt ziehe, müsse nicht automatisch mit Lärm leben, so Esche. Seine Partei wolle in Kürze ein umfassendes Verkehrskonzept für Mölln vorlegen. Ein Teil davon sei die Forderung von Tempo 30 in der gesamten Stadt. Und obwohl die sich vorher abzeichnende Mehrheit für den Antrag während der hitzigen Diskussion zu kippen schien, wurde er schließlich mit sechs zu vier Stimmen beschlossen. Lediglich der Vertreter der Linken, Werner Hoffmann, machte einen Rückzieher.

Florian Grombein

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