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Lauenburg Möllner Schulleiter nach Kiel versetzt
Lokales Lauenburg Möllner Schulleiter nach Kiel versetzt
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18:10 28.04.2018
Heimlich Kamera installiert: Schüler und Lehrer demonstrierten.
Mölln

„Der Schulleiter ist versetzt worden. Wir versuchen, seine Stelle so schnell wie möglich wieder zu besetzen“, erklärte Patricia Zimnik, Sprecherin des Bildungsministeriums in Kiel. Der Pädagoge sei mittlerweile in der Lehrerfortbildung für das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig- Holstein (IQSH) tätig.

Die Bewerbungsfrist für seine Nachfolge ist gerade abgelaufen. Dabei wussten viele Möllner noch gar nicht, dass Thomas Eggers, Leiter des Marion-Dönhoff- Gymnasiums (MDG), vom Kieler Bildungsministerium auf einen neuen Posten versetzt worden ist. Der Versetzung ging eine längere Krankheit von Eggers voraus.

„Der Schulleiter ist versetzt worden. Wir versuchen, seine Stelle so schnell wie möglich wieder zu besetzen.Patricia Zimnik, Sprecherin Bildungsministerium

Eggers hatte am Möllner Gymnasium Akzente gesetzt. Zum Beispiel hatte er den 60-Minuten-Unterrichtstakt, das Kabinettsystem und die Arbeit im Lernatelier eingeführt. Das MDG wurde unter Eggers zur Hospitationsschule mit Vorbildcharakter. Bundesweite Berühmtheit erlangte er, als eine falsche Lehrerin an seiner Schule aufflog. Die 50-Jährige hatte ihr Diplom gefälscht und jahrelang an verschiedenen Gymnasien, unter anderen auch in Mölln, unterrichtet. Eggers hatte den Unterricht der falschen Pädagogin wiederholt besucht und kam ihr auf die Schliche. In dem anschließenden Prozess gegen die 50-Jährige sagte Eggers als Zeuge aus.

Allerdings gab es auch Kritik an seinen Methoden. So veranlasste er, dass 2017 ohne Wissen der Schüler- und Lehrerschaft im Gymnasium eine Überwachungskamera installiert wurde. Schüler entdeckten sie zufällig. Hunderte von ihnen protestierten dagegen. Kritik gab es auch aus dem Kollegium und von Eltern. Die Stadt Mölln als Schulträger entschuldigte sich. Die Videokamera sei auf Veranlassung der Schulleitung als „Ultima Ratio“ zur Aufklärung eines spezifischen Einzelfalles ohne Wissen der Verwaltung installiert worden, hieß es damals von Bürgermeister Jan Wiegels.

Der Schulelternbeirat schaltete daraufhin die Schulaufsicht ein. Es folgte eine weitere Demonstration vor der Schule, auf der Schüler und Lehrkräfte ihrem Ärger auch über die Schulleitung Luft machten. Noch heute hört man aus Kreisen des damaligen Schulelternbeirats, dass es im Kollegium Kritik am Führungsstil des Schulleiters gegeben habe.

Eggers hatte sich Ende des vergangenen Jahres krank gemeldet. Monatelang übernahm Rüdiger Behrens als Stellvertreter die Schulleitung und hat sie bis heute inne. Im Februar wurde klar, dass Eggers nicht zurückkommt. Zu den Gründen der Versetzung mitten im Schuljahr wollte sich das Bildungsministerium nicht äußern. Die Frage sei damit erledigt, dass er nicht mehr da sei. Die Stelle sei ausgeschrieben worden, hieß es.

Die Schulelternbeiratsvorsitzende Katharina Bode wollte sich am Telefon ebenfalls nicht zum Weggang Eggers’ äußern. Der amtierende Schulleiter Behrens hätte theoretisch die Möglichkeit, sich auf die Stelle zu bewerben, weil eine frühere Sperrklausel abgeschafft worden sei. „Aber ich möchte mich nicht bewerben, weil ich kurz vor der Pension bin“, erklärte Behrens. Er berichtete, dass es eine Herausforderung für die Schulleitungsrunde gewesen sei, den Abgang auszugleichen. Vor allem sei lange nicht klar gewesen, ob und wann Eggers wiederkomme. Erst am 1. Februar sei Eggers offiziell kein Schulleiter mehr gewesen.

 Florian Grombein

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