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Lauenburg Möllner Stromausfall: Warum zerriss ein Schiff das Kabel?
Lokales Lauenburg Möllner Stromausfall: Warum zerriss ein Schiff das Kabel?
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21:17 12.08.2015
Das Binnenschiff „Zander“ liegt seit dem Zwischenfall fest vertäut im Möllner Hafen. Quelle: Fotos: Jeb/jpg (1)

Wer war Schuld am Stromausfall? Hing die Leitung zu tief über dem Elbe-Lübeck-Kanal, als ein Binnenschiff am Dienstagabend gegen das 11-Kilovolt-Kabel fuhr und alle drei stählernen Seile zerriss, oder hat der Kapitän schlicht vergessen, den Mast mit Buglampe und Fähnchen herunterzuklappen?

Der Kapitän des Binnenschiffes „Zander“, ein 27-jähriger Hamburger, wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern. Doch die Polizei gab am Tag nach dem Ereignis erste Details bekannt. Nicht nur, dass der Matrose (52) des Schiffes den Mast hochgekurbelt hatte, sondern auch, dass das Schiff eben mit dem Mast auf dem Vorderteil die Leitungen herabgerissen haben soll.

„Üblicherweise befindet sich der Mast im liegenden Zustand zum Unterfahren der Brücken“, erklärt Dierk Dürbrook von der Pressestelle der Polizei in Lübeck. Zudem steht sogar mehrere hundert Meter vor der Stromleitung ein Hinweisschild für alle Bootsführer am Kanal, welches genau auf diese Gefahr hinweist (Foto). Bettina Kalytta, Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Lauenburg, sagte den LN: „Im Europäischen Schifffahrts- und Hafenkalender (Weska) kann jeder Bootsführer nachlesen, wo gefährliche Stellen sind, welche Höhen man zur Verfügung hat und vieles mehr. Den Weska kennt jeder Kapitän.“ An der Stelle des Kanals (gut einen Kilometer nördlich vor Mölln), an der die „Zander“ am Dienstag die Leitung kappte, sei die Höhe der Stromtrasse mit sechs Metern über dem Wasserspiegel angegeben, sagte Kalytta. Sicherlich aber sei die Leitung noch etwas höher als die Mindesthöhe dort angebracht.

Während die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat und in ihrem Bericht auch deutlich macht, dass die Leitungen sechs Meter über dem Wasser hing, laufen die Reparaturarbeiten der Hanse-Netz AG auf vollen Touren. Mitarbeiter haben nahe der Ziegelei drei Stahltrossen von jeweils etwa 110 Meter Länge ausgerollt und mit Muskelkraft bis zum Ufer gezogen. Dort hatte ein Schiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes mit einem Schwimmponton angelegt, um den Männern zu helfen, die Leitungen an das gegenüber liegende Ufer zu bekommen.

Der Elbe-Lübeck-Kanal war für diese Arbeiten für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Schleusenwärter und Berufsschiffer wussten Bescheid, doch zwei Freizeitkapitäne, die mit ihren Familien im Möllner Hafen übernachtet hatten, wussten davon nichts und fuhren in den Kanal. „Wir wurden relativ rüde angepöbelt von den Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Doch es gab für uns keine Beschilderung am Übergang vom Hafen in den Kanal“, beschwerte sich Kay Klöppner aus Hamburg deutlich.

Um 13 Uhr waren die Arbeiten am Kanal gestern beendet, so dass er wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Auch die Arbeiten an der Stromleitung an Land waren kurz danach abgeschlossen.

Jetzt hängt die Leitung in zwölf Metern Höhe über dem Kanal. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Schiff in dieser Höhe noch einmal die Leitung zerstören kann.

Der Stromausfall und die Reaktionen Betroffener
Einen heftigen Knall gab es erst, dann war der Strom weg. Rene Larisch, Oliver Rogge und Martin Lange wohnen im Nebengebäude der ehemaligen Gaststätte „Zur Ziegelei“ direkt am Elbe-Lübeck-Kanal und hatten den Krach gehört. „Ich habe aus dem Fenster geguckt und sah, wie die drei Stromkabel am Mast in Richtung Kanal drei Meter auf und ab schwangen“, sagte Lange. Sofort habe er sich gedacht, dass die Leitung gerissen sei. Dass aber die Kollision eines Schiffes mit der Leitung der Grund war, hatte er nicht vermutet. Sofort rief er bei der Störungsstelle der Hanse-Netz AG an, denn die Nummer steht in großen Zahlen an dem Mast, der das gesamte Gehöft der Ziegelei mit Strom versorgt. „Man hat uns zugesichert, sich sofort darum kümmern zu wollen und man hat uns sogar ein großes Stromaggregat versprochen, falls es länger dauern sollte, bis der Schaden behoben ist“, fuhr Lange fort.



Bis dahin aber haben sich die Männer selbst geholfen. Sie holten einen kleinen Stromerzeuger aus dem Keller und konnten so zumindest ihre Kühlgeräte mit Strom versorgen. Einer der drei hatte mehrere Kilo Fisch eingelagert, ein anderer Wild und Geflügel. Während für alle Kunden nach einer Stunde der Strom wieder floss, mussten die drei an der Ziegelei noch eine Stunde länger warten.
Dann brachten Hanse-Netz Mitarbeiter ein großes Aggregat, das bis zum nächsten Tag Strom lieferte.
„So etwas habe ich in meinen 25 Jahren bei Energie-
versorgern noch nie gesehen.“
Volker Mielisch, Pressesprecher Hanse-Netz AG

Jens Burmester

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