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Möllns Bürgermeister fordert, Integrationsdruck zu erhöhen

Mölln Möllns Bürgermeister fordert, Integrationsdruck zu erhöhen

Wiegels rät, Flüchtlinge verstärkt zur Teilnahme an Sprachkursen zu bewegen – 390 Schutzsuchende in Mölln – fast so viel, wie Sollwert der größeren Stadt Geesthacht (437).

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Sprachkurs für Flüchtlinge in Ratzeburg mit Menschen aus Eritrea, Syrien, und Afghanistan. Bürgermeister Rainer Voß (vorne links) hört zu.

Mölln. Der Möllner Bürgermeister Jan Wiegels sieht die Integration von Flüchtlingen nur langsam in Schwung kommen. Er fordert, den „Integrationsdruck“ zu erhöhen.

LN-Bild

Wiegels rät, Flüchtlinge verstärkt zur Teilnahme an Sprachkursen zu bewegen – 390 Schutzsuchende in Mölln – fast so viel, wie Sollwert der größeren Stadt Geesthacht (437).

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Seine Kommune hat ihre Hausaufgaben gemacht. Was die Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge betrifft, nimmt Mölln einen der vorderen Ränge im gesamten Kreisgebiet ein. Außerdem hat die Stadt einen hauptamtliche Flüchtlingskoordinatorin eingestellt und reichlich Wohnraum geschaffen. Doch Wiegels sieht bürokratische Hemmnisse für die Integration. Er warnt vor einem Scheitern der Integration und nennt Frankreich als Negativbeispiel.

„Trotz vielfältiger Bemühungen seitens der Willkommenskultur, einer Vielzahl von staatlichen Programmen und einem stark ausgebauten Angebot von Sprachkursen kommt die Integration nach meinem Eindruck nur schleppend voran“, teilt der Möllner Bürgermeister Jan Wiegels mit. Nach dem Schließen der Balkanroute sei der Flüchtlingsstrom zwar stark rückläufig. Es sei jedoch völlig ungewiss, ob und wann die Flüchtlingszahlen wieder steigen. „Die wesentliche Aufgabe bleibt die Integration der Flüchtlinge vor Ort“, sagt der Möllner Bürgemeister. Nach wie vor bestünden viele „bürokratische Hemmnisse“

und noch immer hingen ganze Volksgruppen mehr oder weniger in der Luft. Sie kämen meist aus Ländern mit ungeklärter Sicherheitslage. Das gelte etwa für die Gruppe der Afghanen, die mit fast 93 Personen in Mölln vertreten ist. „Nach meinem Dafürhalten müssen wir unsere Bemühungen zur Integration der Flüchtlinge noch erheblich steigern, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, dass sich fatale Fehlentwicklungen wie in Belgien und Frankreich wiederholen, in denen sich in den vergangenen Jahrzehnten Migranten und deren Nachfahren radikalisiert haben“, erklärt Wiegels in seinen öffentlichen Mitteilungen. Dies bedeute aber auch, den „Integrationsdruck“ auf die Flüchtlinge zu erhöhen, insbesondere hinsichtlich der Teilnahme an den Sprachkursen.

„Es ist Voraussetzung für die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur und befähigt Flüchtlinge ihr Leben wieder aktiv selbst zu gestalten und sich ohne Dolmetscher sprachlich auszudrücken“, sagt Charlotte Wienecke, Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Mölln.

Nur mit adäquaten Sprachkenntnissen bestünden realistische Chancen für Asylbewerber, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Wo kann ich Deutsch lernen?“ Dies sei eine der häufigsten Fragen der Asylbewerber nach ihrer Ankunft. Einige hätten bereits die Möglichkeit, während des Asylverfahrens an Integrationskursen teilzunehmen. Das sind Flüchtlinge mit sogenannter guter Bleibeperspektive aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea oder Somalia.

„Warten müssen trotzdem erstmal alle Flüchtlinge auf einen offiziellen Deutschkurs, da auch der Antrag auf Zulassung zum Kurs bearbeitet werden muss. „Dies kann Monate dauern“, so Wienecke. Sie wünsche sich, dass die Bearbeitungsdauer für die Zulassung von Integrationskursen verkürzt werde, um Flüchtlinge direkt in Sprachschulen einzubinden, sie in dieser Form zu beschäftigen und so die Voraussetzung für gelingende Integration zu schaffen. Die Unterscheidung von Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive und den daran geknüpften Zugängen zu Integrationsmaßnahmen sei für die Situation vor Ort problematisch. Wienecke: „Eine Entscheidung über Asylanträge von Personen mit offener Bleibeperspektive kann Jahre dauern.“

„Es kann nicht hingenommen werden, wenn Hunderttausende von Flüchtlingen zur Untätigkeit verdammt sind, während gleichzeitig die heimische Wirtschaft – auch in Mölln – immer wieder Klage darüber führt, dass sich immer weniger qualifizierte Mitarbeiter finden ließen“, so Wiegels. Die Eulenspiegelstadt beherbergt im Augenblick 390 Flüchtlinge. In den elf Gemeinden des Amtes Breitenfelde werden 75 Menschen im Asylverfahren untergebracht. „Mölln belegt, was die Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge betrifft, einen der vorderen Ränge im gesamten Kreisgebiet“, berichtet Wiegels. Der Sollwert der aufzunehmenden Flüchtlinge für Mölln (18856 Einwohner) gemessen an der Einwohnerzahl, liegt laut Kreisverwaltung nur bei 274. Der Sollwert der größeren Stadt Geesthacht (etwa 29300 Einwohner) im Bezug auf die Flüchtlingsaufnahme liegt bei 437.

Mölln sammelt Spenden für die Integration

Um unter Flüchtlingen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus den Unmut und die Untätigkeit zu vermeiden, bietet das Möllner Bündnis für Flüchtlinge und Asylbewerber (Willkommenskultur) einen spendenfinanzierten Deutschkurs für alle Asylbewerber ohne Zugang zu Integrationskursen an. „Dieser Kurs wird dankend und hochmotiviert wahrgenommen“, berichtet Charlotte Wienecke. Mitte Dezember finden dann voraussichtlich die Sprachprüfungen statt.

Auch die Sprachprüfungen werden von Spenden finanziert. Sie wollen einen Flüchtlinge dabei unterstützen seine Sprachprüfung abzulegen? Die Willkommenskultur freut sich über jede Spenden an den Verein Miteinander Leben, IBAN: DE37 2305 2750 1000 1950 53, Verwendungszweck: „Deutschkurs“.

DREI FRAGEN AN . . .

1 Einige Bürgermeister berichten, dass die Integration schleppend vorankommt. Kommt sie aus Ihrer Sicht gut voran? Ob wir bei der Integration erfolgreich sind, wird sich meiner Einschätzung nach erst in einigen Jahren zeigen. Die Startvoraussetzungen für Flüchtlinge und Asylbewerber sind sehr unterschiedlich.

Teilweise muss erst eine Alphabetisierung erfolgen, Sprachkenntnisse und Kenntnisse über die Grundregeln in Straßenverkehr, Hilfsmöglichkeiten bei Behörden, Ärzten und freiwilligen Helfern müssen vermittelt werden, der Umgang mit Geld und Banken muss geschult werden und dann kann erst eine Integration in die Gesellschaft erfolgen. Dass dies Zeit und Geduld erfordert, liegt auf der Hand. Wenn die Programme des Landes und der Arbeitsagenturen weiter geöffnet werden und Flexibilität zulassen, würden die Voraussetzungen für eine berufliche Integration erleichtert. Hier kann sicher noch etwas getan werden.

2 Gibt es im Lauenburgischen genug Sprachkurse für den herrschenden Bedarf?

Die gibt es noch nicht. Den Großteil können wir über inzwischen 14 DaZ-Zentren (Deutsch als Zweitsprache) abdecken. Der Markt für Lehrkräfte ist aber angespannt und die Anerkennung von Lehrkräften durch die Arbeitsagentur langwierig. Insbesondere eher seltene Sprachen können deshalb schwer abgedeckt werden.

3 Glauben Sie, dass es im Lauenburgischen gelingt, Asylbewerber mit Aufenthaltstitel in ein Arbeitsverhältnis zu bringen?

Wenn sich alle bemühen, wird das gelingen. In der Ausländerbehörde registrieren wir eine steigende Zahl von Praktikumsplätzen, die von Asylbewerbern wahrgenommen werden. Dies spricht dafür, dass gerade das Handwerk aber auch andere sehr bemüht sind, Flüchtlinge auf den Weg zum Arbeitsverhältnis zu begleiten und die Bereitschaft, hier Fachkräfte auszubilden und einzustellen besteht. Erste Ausbildungsverträge wurden abgeschlossen. fg

F. Grombein

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