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Lauenburg Möllns geheimer Modellbahn-Schatz
Lokales Lauenburg Möllns geheimer Modellbahn-Schatz
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18:18 01.01.2016
Züge ohne Ende auf und zwischen den original nachgebauten Bahnhöfen Helmstedt und Marienborn — ein eindrucksvolles Bild auf der Möllner Modellbauanlage.
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Mölln

An Dampfloks, die durch Mölln fahren, werden sich wohl nur die Älteren unter uns erinnern. Dabei schnaufen und dampfen solche nostalgischen Gefährte auch heute noch in der kleinen Stadt, allerdings nicht in Originalgröße und dann auch noch weitgehend im Verborgenen. Die Rede ist von einer der größten Modelleisenbahnanlagen weit und breit — die aber an einem geheimen Platz ist.

Ein 500 Quadratmeter großer Raum in einem Bürogebäude ist bis in den letzten Winkel mit Gleisanlagen, Bahnhöfen und Landschaften zugebaut, und überall rollen Züge. Die Anlage schuf ein Möllner Geschäftsmann, der nach eigenen Worten „dem Modellbau-Virus schon lange verfallen ist“. Außer ihm hat nur eine Handvoll Gleichgesinnter Zutritt zu der gut versteckten Bahn, und dafür gibt es Gründe:

„Die Züge sind enorm wertvoll, jeder kostet so viel wie ein Auto“, erzählt der Kaufmann. Einmal wurde bereits bei ihm eingebrochen, seitdem ist der Modellbahn-Schatz besonders gesichert und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nur für ein Grundschul-Projekt hat der heute 77-Jährige seine Halle mal geöffnet und die Jungen und Mädchen dort zum Staunen gebracht.

Dies ist nicht irgendeine Modellbahn, es ist die deutschlandweit einzige Spur-1-Anlage nach realem Vorbild. Spur 1, das ist mit einem Maßstab von 1:32 die „Königsspur“ der Modellbahner. „Ich schätze, dass es in Deutschland nur 20 Anlagen dieser Spur gibt“, erzählt der Geschäftsmann. Er hat den Betrieb, den er einst aufbaute, längst seinen Kindern übergeben und damit nun viel Zeit für sein Hobby.

Das reale Vorbild der riesigen Anlage ist der ehemalige innerdeutsche Grenzbereich der Bahnhöfe Helmstedt und Marienborn. Da er selbst 1955 über diese Grenze aus der DDR geflüchtet sei, habe er eine ganz besondere Beziehung dazu, so der jetzige Möllner. „Die Anlage stellt die Situation im Jahr 1965, also mitten im Kalten Krieg, dar“, erzählt er. Und da stimmt dann jedes Detail, von den Autotypen, die am Bahnhof parken, über die Uniformen der Bahnbeamten und Grenzsoldaten bis zu den platten politischen Parolen, die in der DDR überall auf Transparenten verkündet wurden. Wie viel Wert auch auf unscheinbare Kleinigkeiten gelegt wurde, zeigt das Beispiel Gleisschotter: 260 Kilo Basalt aus einem Steinbruch in Bayern wurden sorgsam geschreddert — und zwar so, dass genau Steinchen im Maßstab 1:32 entstanden. Jetzt passt der Schotter zu den Gleisen und überhaupt zur gesamten Anlage.

Alle Gebäude hat der Kaufmann selbst gebaut, natürlich auch absolut maßstabsgerecht: „Monatelang haben meine Frau und ich auf den Bahnhöfen Helmstedt und Marienborn recherchiert und alles mit einem 20-Meter-Maßband ausgemessen. Nachgebaut, und zwar aus einem sehr leichten kartonbeschichteten Kunststoff, wurde dann alles im Spur-1-Maßstab. Ein Gebäude, das in der Realität 30 Meter lang ist, nimmt nun in der Möllner Anlage eine Frontlänge von genau 96 Zentimetern ein.

Wie viele tausend Arbeitsstunden in der Anlage stecken, weiß ihr Besitzer nicht. „Allein für den Unterbau habe ich zwölf Monate gebraucht, und dann lag noch nicht ein Gleis“, erinnert er sich. 5000 Meter Kabel wurden verlegt, 600 Meter Gleise sind verbaut. Für manche Modelle mussten auch ungewöhnliche Lösungen gefunden werden. So wurde der ovale Tank des charakteristischen Wasserturms in Helmstedt aus einem grau bemalten Straußenei gefertigt — und entspricht dem Original perfekt, von der Größe mal abgesehen.

1998 habe er mit den Arbeiten begonnen, nach sechs Jahren war die Anlage weitgehend betriebsbereit. „Ganz fertig bin ich immer noch nicht“, sagt der Kaufmann. So werden immer mal wieder Lokomotiven durch noch bessere Modelle ersetzt. „Es gibt nur zwei Firmen in Deutschland, die noch so etwas bauen, es gibt aber auch nicht mal 50 Interessenten“, so der Geschäftsmann. Und die meisten Käufer stellen sich die wertvollen Fahrzeuge in eine Vitrine. In Mölln aber laufen sie in dieser kleinen großen Bahnwelt, und alles funktioniert. Da sieht man jeden einzelnen Gast im erleuchteten Speisewagen, da erklingen original scheppernd die Lautsprecherdurchsagen, und da dampft die Dampflok, wie es sich gehört.

Eisenbahnfreunde Schwarzenbek spielen öffentlich
In Schwarzenbek gründete sich vor viereinhalb Jahren der Verein Eisenbahnfreunde Schwarzenbek. Er verfügt auf einer Fläche von mehr als 600 Quadratmetern mittlerweile über drei Modellbahnanlagen. Eine in der Spur N (im Maßstab 1:160), und zwei weitere in der Spur H0 (im Maßstab 1:87), mit einer Stromspannung von Wechselstrom und Gleichstrom.

Vorsitzender ist Michael Hagel. Die Mitglieder sind Neu- und Wiedereinsteiger, aber auch „alte Hasen“. Das Vereinshaus liegt in der Röntgenstraße 24.
Derzeit treffen sich die Mitglieder mittwochs zwischen 18 und 22 Uhr und sonnabends zwischen 12 und 18 Uhr. Jeder an Modelleisenbahnen Interessierte ist eingeladen, zu den Öffnungszeiten mal vorbeizuschauen.

Norbert Dreessen

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