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Mr. Dax predigt, Schwarzenbek lauscht seiner Botschaft

Kundenveranstaltung: Raiffeisenbank Lauenburg und Verband der Südholsteinischen Wirtschaft luden ein Mr. Dax predigt, Schwarzenbek lauscht seiner Botschaft

Der bekannte TV-Börsenanalytiker Dirk Müller, alias Mr. Dax, warnte in der Europaschule vor der schleichenden Inflation und vor dem zwanghaften Festhalten am Euro.

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Voller Saal: In der zweiten Reihe von rechts Aufsichtsratschef Norbert Brackmann und Vorstand Thomas Göthling.

Schwarzenbek. Für Dirk Müller war es nicht der ganz große Auftritt. Denn der ist bereits jahrelang als vereidigter Börsenmakler auf dem Frankfurter Parkett bekannt, wurde im deutschen Fernsehen quasi das Gesicht der Börse — Mr. Dax eben. Wann immer das Publikum hierzulande eine Antwort auf aktuelle Fragen zur Wirtschaft sucht, so wie jüngst bei der amerikanischen Haushaltskrise, spricht Müller. In das Schwarzenbeker Gymnasium zog den Buchautor sicher vor allem das Honorar. In Kreisen der Organisatoren wird gemunkelt, es sei sehr hoch.

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Mr. Dax kommt an: Thomas Göthling (Vorstand der Raiffeisenbank Lauenburg, 2. v.l.) und Dirk Müller (2. v.r.) begrüßen sich.

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Ein großer Abend sollte es jedoch für die Raiffeisenbank im Lauenburgischen werden. Ein ganz besonderer Leckerbissen für die Kunden. 70 Euro verlangten die Veranstalter von ihren Gästen — ein Eintrittsgeld, das erahnen lässt, wie teuer die Botschaften von Dirk Müller sind. So ist es nicht verwunderlich, dass die Tickets am Ende — der Vorverkauf lief nach LN-Informationen schwach — an Kunden verschenkt wurden. Von schleppenden Vorverkäufen berichtete Lucienne Kretschmer, Sprecherin der Bank, allerdings nicht. Lediglich dass man sich entschieden habe, den Kunden eine Freude zu machen, war zu hören. „Die Organisation lief sehr gut. Und die Reaktion der Gäste ist durchweg positiv“, berichtete sie.

Der Saal war am Ende mit über 200 Gästen voll. Dirk Müller spazierte gut gelaunt mit zwei Begleitern auf das Schulgelände, schüttelte im Foyer viele Hände, mischte sich unter das Volk und nippte an einem Orangensaft. Er ist Profi. Vor dem Auftritt nahm er sich in der Mensa gelassen Zeit für ein Interview mit den LN. Und als er unter Applaus die Bühne betrat, merkte das Publikum sofort, warum die Medien so dankbar dafür sind, Mr. Dax zu haben. Jeder Satz sitzt. Komplexe Sachverhalte werden einfach, verständlich und präzise erklärt.

Beim Vortrag, organisiert von Raiba und dem Verband der Süholsteinischen Wirtschaft unter dem Titel „Showdown — Europa am Scheideweg“, ging es nicht darum, die Nerven der gebeutelten Anleger zu massieren. Knallhart, aber mit griffigen und humorvollen Bildern gepaart, skizzierte der Finanzexperte, warum die hohen Staatsverschuldungen in der Zukunft bei nahezu allen Industrienationen zum Kollaps des Wirtschaftssystems führen müssen. Eine Inflation sei bereits vorhanden. Sie zeige sich allerdings nur bei den Anlegern, die durch niedrige Zinsen auf der Verliererstraße wandelten.

„Keine Angst, das wird jetzt keine Wahlveranstaltung für die Linken“, lauteten die einleitenden Worte für den Blick auf das Vermögen im Land: „Fünf Billionen Euro an Geldvermögen haben die Haushalte in Deutschland“, erklärte Mr. Dax und gebärdete mit den Händen ein Ausrufezeichen. Zehn Prozent der Bevölkerung besäßen zwei Drittel dieses Vermögens.

Müller bekannte sich zu Europa, jedoch mahnte er dazu, nicht auf der Eurowährung zu bestehen. Ein Europa der Regionen, mit unterschiedlicher Produktivität und Mentalität, bezeichnete Müller als erhaltenswert.

Es gab auch andere Möglichkeiten der Interaktion mit dem Publikum. Mit roten und blauen Kärtchen durften die Zuschauer ihre Zustimmung oder Ablehnung zu bestimmten Fragestellungen per Handzeichen zeigen. Thomas Göthling, Vorstand der Raiffeisenbank Lauenburg, zeigte sich am Rande des Vortrages überaus zufrieden mit dem gelungenen Abend. Das Buch „Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld“, (30. April 2013), kostet in der gebundenen Ausgabe rund 20 Euro.

• Mehr Informationen im Internet auf www.cashkurs.com

Dirk Müller — die Personifizierung des aktuellen Börsengeschehens
Heute genau vor 45 Jahren wurde Dirk Müller in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Abitur begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Mannheim. Später ging er zum Kursmaklerbüro ICF, für das er an der Frankfurter Börse arbeitete. Als im März 1999 Oskar Lafontaine als Bundesfinanzminister zurück trat, wurde Müller erstmals fotografiert, um den Dax-Stand zu personifizieren. In den Jahren darauf nutzten die Medien „Mr. Dax“ immer wieder, um seinen Gesichtsausdruck zusammen mit dem Kursverlauf des Index als Symbol des aktuellen Börsengeschehens darzustellen.
„Finanzwelt ist aus dem Ruder gelaufen“
LN: Was möchten Ihre Fans und Zuhörer am häufigsten wissen?

Dirk Müller: Alle haben Sorge um die Finanzsituation. Wir tanzen auf einem Vulkan. Jeder weiß, dass er ausbrechen wird, nur keiner wann. Die Menschen möchten mehr darüber erfahren, wie ernst die Situation wirklich ist und wie sie sich darauf vorbereiten und ihr Geld sicher anlegen können. Ich möchte den Menschen die Angst vor Aktien nehmen. Nur mit dem Sparbuch oder Staatsanleihen wird man seine Altersvorsorge nicht aufbauen können.


LN: Was wäre eine gute Anlage?

Müller: Ich rate dazu, zehn bis 20 Prozent in physische Edelmetalle wie Gold und Silber zu investieren. Gar nicht mal im Hinblick auf die Finanzkrise. Aber darauf kann ich immer zurückgreifen, und Edelmetalle gebe ich auch nicht einfach so wieder aus. Man sollte gute Unternehmen suchen und sich an diesen beteiligen, indem man Aktien kauft. Auf solchen Höchstständen wie momentan beim Dax tue ich mich schwer, Aktien zu kaufen. Ich rate deshalb dazu, die Liquidität zu halten, um in den nächsten Monaten möglicherweise wieder günstig kaufen zu können. Wer sich nicht mit dem Timing der Aktienkäufe auseinandersetzen möchte, dem rate ich, regelmäßig jeden Monat oder jedes Quartal zu kaufen.


LN: In der Zeit nach der Finanzkrise gibt es in der Bevölkerung Kritik an Banken und Spekulanten. Sind Sie für einige auch ein Buhmann?

Müller: Überhaupt nicht. Die Finanzwelt ist aus meiner Sicht eine sinnvolle Einrichtung. Sie ist leider vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Und da bin ich einer der größten Mahner vor dieser Entwicklung. Ich drücke mich sehr laut und deutlich aus, um diese Exzesse zu beenden. Die Börse war früher einmal ein sehr anständiger Ort mit hanseatischer Kaufmannsehre, wo man auf Zuruf Millionen gehandelt hatte. Dieses Wort war Gesetz. Ich war als vereidigter Kursmakler zur Neutralität verpflichtet. Und es gibt heute noch unternehmergeführte Banken, die keine hohen Renditen erwarten. Wir müssen die Finanzwelt wieder auf ein Niveau zurechtschrumpfen, in das sie hingehört in der Gesellschaft. Sie soll kein Zampano sein, der über den Dingen steht.


LN: Verdienen Sie persönlich mehr Geld mit Spekulationen oder mit Büchern und Vorträgen?

Müller: Ich war früher Börsenmakler. Da war das Maklergeschäft natürlich meine Einnahmequelle. Heute ist es im wesentlichen Informationsdienstleistung. Aber ich handle natürlich nach wie vor selbst. Die Spekulation gehört zu allen Zeiten zur Börse dazu. Wir brauchen sie, um die Liquidität aufrechtzuerhalten. Es reicht, wenn wir auf zehn seriöse Investoren einen Spekulanten haben. Aber leider ist die Welt heute eine andere. Langfristige Anleger spielen fast keine Rolle mehr, sondern nur noch die kurzfristige Spekulation dominiert. Ich möchte die Leute dazu aufrufen, sich nicht anstecken zu lassen, sondern auch langfristig seriös zu investieren. Ich sehe mich heute auch als Autor mit einer Botschaft. Mein Leben hat sich entwickelt. Es sind viele Elemente, die dort hineinspielen. Interview: Florian Grombein

Florian Grombein

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