Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Müll brennt zu gut: Kosten steigen
Lokales Lauenburg Müll brennt zu gut: Kosten steigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:26 04.07.2016
Der Müllbunker der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld. Quelle: hm

Es klingt schon irgendwie kurios: Wenn der eingesammelte Müll der lauenburgischen und stormarnschen Haushalte in der Stapelfelder Müllverbrennungsanlage zu gut brennt, steigen die Kosten. Mehrkosten, die den Bürgern 2017 in Rechnung gestellt werden. Und auch chinesischer Billigstahl, mit dem die Asiaten den Weltmarkt überschwemmen, drückt auf den Entgelthaushalt der mit der Entsorgung beauftragten Abfallwirtschaft Südholstein.

Zur Galerie
Der AWSH fehlen bis zu einer Million Euro – Gründe: Bürger trennen Abfall vorbildlich und China drückt die Preise für Metallschrott durch Billigstahl.

„Nach derzeitigem Stand wird sich das Minus bis Jahresende auf voraussichtlich 800000 Euro aufsummieren“, räumte AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel jüngst im lauenburgischen Hauptausschuss ein.

Dem gegenüber würden allerdings auch Mehreinnahmen durch zusätzlich aufgestellte Mülleimer von rund einer Viertelmillion Euro stehen. Insgesamt zahlen die Bürger in beiden Kreisen rund 25,2 Millionen Euro. Das Verbrennungsproblem erklärt Kissel ebenfalls. So sei die Stapelfelder Anlage auf eine bestimmte Temperatur des Ofens ausgelegt. Würde diese steigen, bestünde das Problem, dass unter anderem die Roste schneller durchglühen könnten. Daher werde bei Müll mit höherem Brennwert die Müllmenge entsprechend reduziert und die Leistung der Anlage sinke, so Kissel. In den Verträgen mit Stapelfeld sei geregelt, dass in diesen Fällen der Verbrennungspreis je Tonne steige – also Mehrkosten für die AWSH anfielen.

Ein Grund für das Problem ist, dass die Bürger den Müll offenbar immer besser trennen. Durch einen geringeren Biomüllanteil steigt einerseits der Brennwert, anderseits sinkt durch die immer besser angenommene Biotonne auch das Gesamtvolumen des Restmülls. Um die vertraglich mit der MVA Stapelfeld vereinbarten Müllmengen zusammen zu bekommen, muss die AWSH woanders Müll aufkaufen – vor allem in Hamburg.

Auffallend sei, dass vor allem der in Hamburg aufgekaufte Müll einen besonders hohen Brennwert habe, räumt Kissel ein. Nicht zuletzt habe die Hansestadt bei dem von ihr selbst angelieferten Müll das gleiche Problem wie die AWSH.

Doch nicht nur der Brennwert drückt auf das Ergebnis – auch der Preis für Stahlschrott. Weil die Chinesen die Türkei als einen der Hauptabnehmer für europäischen Metallschrott mit Stahl zu Dumpingpreisen überfluten, seien die Weltmarktpreise von 100 Euro je Tonne vor einem Jahr auf etwa 30 Euro gesunken. „Dadurch können wir unser Altmetall von den Recyclinghöfen nicht mehr so gut vermarkten“, sagt Kissel.

Doch auch der Kreishaushalt wird die Entwicklung zu spüren bekommen. Während die Mehrkosten für den Hausmüll an die Bürger weitergegeben werden, belasten die höheren Kosten für die Müllentsorgung von Firmen im gewerblichen Bereich das Jahresergebnis der AWSH. „Die geplante Abführung von einer Million allein in den lauenburgischen Haushalt wird die AWSH nicht halten können“, kündigte Kissel an.

Doch zumindest was die Müllpreise angeht, ist Besserung in Sicht. Ab dem kommenden Jahr gilt ein günstigerer Entsorgungsvertrag mit Stapelfeld.

Abfallwirtschaft Südholstein

Die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) gehört den beiden Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn. Sie ist mit der Entsorgung des Hausmülls in beiden Kreisen beauftragt.

Die Kreise kassieren dabei als Treuhänder die Entgelte von den Bürgern und leiten sie an die AWSH weiter. Die Entgelte dürfen dabei nur die anfallen Kosten decken. Mehr- oder Mindereinnahmen werden bei der Kalkulation der Entgelte für das neue Jahr berücksichtigt.

Neben der Müllentsorgung im kommunalen Bereich ist die AWSH auch gewerblich tätig. Auf dem freien Markt buhlt sie bei Firmen um die Entsorgung des Gewerbemülls. Die Gewinne aus diesem Bereich werden an die Kreise als Gesellschafter der AWSH abgeführt – im vergangenen Jahr knapp eine Million Euro.

Holger Marohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dokumentation des Kreisarchivs über die Nazizeit zwischen 1933 und 1945.

04.07.2016

Es gibt einen Krankheitsfall bei den Mitarbeitern des Möllner Luisenbades. Deshalb springt nun die DLRG Mölln ein und übernimmt seit dem 26.

04.07.2016

Begegnung mit Viktoria Berlin ist Teil des Programms zum 100-jährigen Bestehen des SC Schwarzenbek.

02.07.2016
Anzeige