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Musischer Mensch mit nachhaltigem Öko-Gewissen

NAHAUFNAHME – LANDTAGSKANDIDATEN PERSÖNLICH: Burkhard Peters (Die Grünen) Musischer Mensch mit nachhaltigem Öko-Gewissen

Vom Sponti zum MdL: „Wir Grünen waren früher oft grauenhaft besserwisserisch“.

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Hornbek. Das erste Klischee passt. So stellt man sich das Zuhause eines Grünenpolitikers vor: in einem alten Bauernhaus, von einem wilden Garten umgeben. Der Kandidat von Bündnis90/Die Grünen für die Landtagswahl am 7. Mai weist lächelnd auf die Inschrift über dem Eingangsbereich der Bauernkate in dem Örtchen Hornbek: 1775. „Da steckt viel Arbeit drin“, sagt Burkhard Peters. Vom Eingang aus geht’s gleich in die geräumige Küche, wie es sich für ein solches Haus gehört. Mehr eine Stube als eine Küche. Die alten Sichtbalken haben wohl manche Debatte unter Mitstreitern gehört, wenn sie um den großen rustikalen Tisch herum gesessen und vielleicht Parteistrategien diskutiert haben.

Heute wird nicht diskutiert, sondern serviert. Peters hat gebacken. Einen Apfelkuchen, nicht unbedingt ökologisch, etwas dröge oder zu vollkörnig. Nein, ganz wie „bei Muttern“. „Ja, so etwas mache ich auch mal ganz gern“, sagt der Rechtsantwalt, „backen und kochen“. Viel kommt der Landtagsabgeordnete nicht dazu in diesen Wahlkampftagen. Zu viel unterwegs. Termine, Termine. Und das alles ganz unökologisch mit dem Auto. Denn wie sollte es auf dem flachen Land sonst gehen. Ja, nickt Peters, das gehöre noch zu den grünen Träumen – gute öffentliche Verkehrsverbindungen mit wenig Individualverkehr. Ob ökologisch nachhaltig oder kompromisslos wirtschaftsfreundlich orientiert; das Schicksal teilen alle Landespolitiker aus dem Lauenburgischen: die langen Autofahrten nach Kiel.

Es hat fast etwas Gemütliches, wenn Peters, Jahrgang ’54, von sich und der Politik erzählt. Eigentlich nur von sich, denn Politik gehört zu seinem Leben. Das begann schon sehr früh in der Studienzeit in West-Berlin, als sich der damals (natürlich) Langhaarige in der Sponti-Szene wiederfand. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir die K-Gruppierungen mit ihrer Verkrustetheit im Gestern nichts mehr geben konnten“, markiert der Grüne die Wegmarken seines politischen Werdegangs. Klar war aber die Linie: Protest gegen die bestehenden Verhältnisse. Und verstärkt war auch klar, dass die Umwelt ein immer größeres Thema wurde. So kam Burkhard Peters über die Alternative Liste 1984 zu den Grünen. So hat sich über mehr als 30 Jahre ein ökologisches Bewusstsein entwickelt, das über die Jahrzehnte zu einer im Gewissen verankerten Weltanschauung wurde. Wozu auch eine Portion Reflexion und Selbstkritik gehört. „Wir Grünen waren früher oft grauenhaft besserwisserisch“, lehnt sich Peters zurück und gießt noch einmal Kaffee in seinen Becher nach. Und dabei denkt er an die frühen Tage in Hornbek zurück, als seine Frau – wie er Juristin – und er das Haus gerade frisch gekauft hatten. Da war ein Nachbar, den man vielleicht als ökofundamentalistisch bezeichnen könnte. „Der hat als erstes den Nachbarn angezeigt, weil der gegen dieses und jenes verstoßen hatte. So etwas geht natürlich gar nicht“, sagt Peters. Aber früher trafen eben bei Landwirten und Grünen Betonhaltungen aufeinander. „Da hat sich viel getan, unser Umweltminister Robert Habeck ist immer wieder auf die Bauern zugegangen. Und der Bauernverband hat sein Imageproblem erkannt.“ So sieht es Burkhard Peters, der mit Landwirten Tür an Tür lebt.

Nein, einfach sei es auch für ihn nie gewesen mit und bei den Grünen. Was früher die aufreibenden Richtungskämpfe zwischen Fundis und Realos waren, sind heute die teils weggebrochenen oder von den Volksparteien vereinnahmten Themen. Aber nein, sie seien noch lange nicht überflüssig, die Grünen, schüttelt Peters mit dem Kopf. „Aber klar ist auch, die Themen laufen uns im Augenblick nicht gerade entgegen“, räumt der erfahrene Politiker ein. Vielleicht fehle den Grünen dieses gewisse Quäntchen Populismus, mit dem andere Parteien gerade punkten. Oder auch prominente Vertreter aus den eigenen Reihen wie der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

Zurück zum Wahlkampf. Auch da bleibt Peters bodenständig. „Gut, die Plakatkampagne ist in Stil und Aussage vielleicht etwas zopfig“, schmunzelt Peters und meint damit das Versprechen der Spitzenkandidatin Monika Heinold, Grün stehe für bezahlbare Bioprodukte. Natürlich, auch dafür. Aber eben auch für vieles andere, betont der Grünen-Kandidat aus tiefer Überzeugung. Es gehe auch um Wahrhaftigkeit, eben nicht um populistische Parolen. Viel mehr um Werte und Ideale, denen die grüne Partei nach wie vor verpflichtet sei. Da habe es leider immer wieder Kommunikations-GAUs gegeben, sagt Peters. Etwa zu Fragen der Flüchtlingsintegration, Inneren Sicherheit. Da sei man oft und immer wieder falsch verstanden worden. Oder man habe das Richtige zur falschen Zeit gesagt. Auch zur Windkraft, und da bäumt sich der ansonsten eher nachdenklich wirkende Mann regelrecht kämpferisch auf: „Die Kritik ist lächerlich, die meisten Menschen sind mit der Energiewende zufrieden. Das wird die Zukunft.“

Ob Burkhard Peters’ Zukunft zumindest für die nächsten fünf Jahre weiterhin in Kiel sein wird, ist nicht ganz sicher, aber mit Listenplatz sechs ziemlich wahrscheinlich. Wenn nicht, mache ihm das auch nichts aus, „dann habe ich endlich Zeit, meinen Garten wieder auf Vordermann zu bringen“, sagt der Jurist, der eigentlich auch hätte Musiker werden können. Er spielt Cello und Gitarre, entspannt sich gern auch beim Malen. Oder reist individuell mit seiner Frau „am liebsten immer an dieselben Orte“.

 Matthias Wiemer

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