Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Mut machen zum (Weiter-)Leben

Ratzeburg Mut machen zum (Weiter-)Leben

Fotoausstellung mit Aktbildern krebskranker Frauen in der Röpersbergklinik.

Voriger Artikel
Betreuungsverein sucht weitere freiwillige Helfer
Nächster Artikel
Schock in Mölln: Regionalbahn rammt Baum und entgleist

„Model“ Gabriele kam einen Tag vor ihrem 55. Geburtstag extra aus dem Rheinland nach Ratzeburg, um zur Ausstellungseröffnung in der Röpersbergklinik Ratzeburg über ihre eigene „Veränderung“ nach einer Brustkrebserkrankung zu erzählen. Sie ist auf dem rechten Aktbild zu sehen.

Ratzeburg. „Brüste umständehalber abzugeben“ — lautet der Titel eines Buches von Nicole Staudinger, die darin ihre Brustkrebserkrankung mit allen operativen, chemo- und anderen therapeutischen Folgebehandlungen beschreibt. Dieser Buchtitel habe auch sie, Gabriele, berührt, und zwar durchaus positiv und hoffnungsfroh. Vor fast sechs Jahren erhielt die heute 55-Jährige die Diagnose Brustkrebs, entschied sich schnell für eine Amputation beider Brüste und durchlief danach ein langes, tiefes Tal der Schmerzen, der Trauer, Unsicherheit und Angst. „Ganz unten in diesem Tal angekommen, begegnete ich dem Projekt ,Veränderungen‘“, erzählte sie am Sonnabend vor über 50 Gästen und interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern bei der Vernissage dieser Fotoausstellung in der Röpersbergklinik.

„Krebs bringt körperliche und seelische Verletzungen mit sich. Ganz besonders und in großer Zahl trifft das auf betroffene Frauen zu. Sie leiden unter anderem auch an ihrer verloren geglaubten Weiblichkeit“, sagte Michael Stark, Geschäftsführer der Röpersbergklinik, in seiner Begrüßungsrede. Viele Fragen würden sich den Patientinnen stellen: nach Heilung, aber auch nach der möglichen Gefahr einer Wiedererkrankung oder nach einer Neugestaltung des Zusammenlebens mit dem Partner. „Das ist ein Selbstfindungsprozess, der aktiv angegangen und bewältigt werden muss“, so Stark.

Diesen Prozess schilderte auch Karin (44). Durch die Chemotherapie „verlor ich 70 Prozent meiner geliebten Haare, das war rein äußerlich für mich die schlimmste Veränderung. Mir ging es nicht gut und ich sah auch nicht gut aus“. Nach 25 Wochen war die Chemotherapie vorüber, nach weiteren zehn Wochen die Bestrahlung. „Am Ende war die Haut an der Seite der Brust schwarz und es tat höllisch weh. Während der gesamten Zeit habe ich mich nicht mehr schön gefühlt, und auch mich selbst habe ich nicht mehr gefühlt“, beschreibt sie ihr körperliches und seelisches Martyrium.

Doch dann hörte sie von dem Fotoshooting und dem Verein LebenLieben. Sie fragte an und bekam bald die Zusage. Erst sei es ihr etwas unangenehm gewesen, völlig nackt zu sein. Doch Fotograf Gerhard Zerbes und seine Mitarbeiterinnen machten es ihr leicht. „Ich habe mich beim Anschauen der Fotos wieder gefühlt, wie ich selbst. Dieses Gefühl war mir während der Therapie komplett verloren gegangen.“ Innerlich und äußerlich habe sie sich in der Zeit verändert. Und so habe sie sich auch gesehen: „Eine andere Karin, aber schön und endlich wieder ich“.

Auch Gabriele ist glücklich: „Ich wünsche mir, dass dieses Projekt weiterlebt, dass noch viele erkrankte Frauen diese Gelegenheit nutzen können. Es bringt uns Erkrankten so viel. Es macht uns glücklich und gibt uns einen kleinen Teil unserer Weiblichkeit zurück.“

Bisher haben 30 Krebspatientinnen ihren Mut zusammen genommen und sich in persönlich abgestimmten „Sitzungen“ ablichten lassen. 16 dieser Frauen schlossen sich zu dem Projekt „Veränderung“ an, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Anhand der ästhetischen Aktfotografien erleben die Betroffenen, dass sie trotz Narben schön sind und ihre Weiblichkeit und sinnliche Ausstrahlung nicht verloren gingen.

16 Aktfotos und ein begleitender Bildband
Eine Galerie mit 16 Bildern hängt bis zum 6. April im Durchgang von der Röpersbergklinik zum Senioren-Wohnsitz Ratzeburg (SWR). Ein Bildband begleitet die Ausstellung, die bei freiem Eintritt täglich geöffnet ist.


Der Fotograf Gerhard Zerbes (l.) entschloss sich nach einem Aktfotoshooting mit einer jungen Brustkrebs-Patientin, deren Erfahrung und Versöhnung mit ihrer angegriffenen Weiblichkeit auch anderen Betroffenen zugänglich zu machen.

Joachim Strunk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den April 2017.

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.