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Lauenburg Mutter Berlin (88) schließt ihren Laden
Lokales Lauenburg Mutter Berlin (88) schließt ihren Laden
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23:50 30.06.2018
Die 88-jährige Almuth Berlin schließt ihren Tante Emma Laden. Quelle: Timo Jann
Geesthacht

„Ich stehe hier seit 1945 im Laden. Damals habe ich als Lehrling angefangen. Aber jetzt möchte ich auch mal etwas Ruhe haben“, erklärt Almuth Berlin.  „Damit verliert Geesthacht seinen letzten echten Tante-Emma-Laden“, sagt Bärbel Ankele. Sie ist Stammkundin. „Das ist so schön praktisch hier, ich wohne um die Ecke“, berichtet sie.

Elisabeth Glogasa betreibt ein Geschäft an der Marktstraße und kauft täglich bei Almuth Berlin ein. „Es ist wirklich sehr schade, wenn es diesen Laden nicht mehr gibt“, sagt sie. Ulrich Hamester stoppt kurz seinen Kleinbus vor der Tür, kommt in den Laden und kauft sich schnell eine Zeitung. „Hier kennt man sich, hier fühlt man sich wohl“, sagt er und lässt Grüße an Gabi ausrichten – also an die Tochter von Almuth Berlin, die eigentlich Gabriele heißt. Krankheitsbedingt kann sie nicht mehr mitarbeiten, Almuth Berlins zweite Tochter Margitta unterstützt die Seniorin zurzeit. „Ich habe fünf Enkel und fünf Urenkel“, erzählt die 88-Jährige.

„Ich stehe hier seit 1945 im Laden. Damals habe ich als Lehrling angefangen. Aber jetzt möchte ich auch mal etwas Ruhe haben“, erklärt Almuth Berlin. Eine Entscheidung, die viele Geesthachter traurig machen dürfte: Denn ihre „Mutter Berlin“, so wird die 88-Jährige von vielen Einwohnern liebevoll genannt, wird voraussichtlich jetzt im Juli ihren kleinen Laden am Markt, direkt gegenüber vom Polizeirevier, schließen. Der Ausverkauf hat längst begonnen.

1886 wurde das Haus am Markt errichtet und im Erdgeschoss ein kleines Ladengeschäft integriert. Davor war die Adresse aber schon Anlaufpunkt für Backwarenliebhaber, denn dort stand mit der Backstube von Ernst Hackmack ein Gebäude mit markantem Schornstein, das heute noch auf dem Hof erhalten ist.

Almuth Berlin kommt mit 28 Quadratmetern konsequent bis unter die Decke genutzter Ladenfläche und zwei Lagern (acht Kühlschränke, acht Gefrierschränke) zurecht. „Hier gibt es alles, außer Fleisch“, sagt die Ladenbesitzerin, die seit 1961 ihre eigene Chefin ist und neben ihren beiden Töchtern auch noch einen Sohn aufzog.

Früher öffnete sich die Ladentür schon um 4.30 Uhr. Vor allem Handwerker, die zeitig auf dem Weg zu ihren Baustellen waren, stoppten und versorgten sich für den Tag. „Schon mein Großvater war Mitglied bei Edeka, die beliefern uns seit Jahrzehnten“, berichtet Almuth Berlin. Brötchen, Würstchen, Käse, Zeitungen, Getränke, Tabakwaren, Konserven, Süßigkeiten, aber auch Putzmittel, Haushaltsrollen und sogar Torten und Nagellackentferner gibt es bei „Mutter Berlin“, der die Geesthachter Band „Die Medizinmänner“ sogar eine Zeile in ihrem Geesthacht-Song gewidmet hat.

Alles hat in dem Tante-Emma-Laden seinen Platz, besonders gefragte Getränke stehen auf dem Fußboden, weil sie dort schnell nebenbei aufgestapelt werden können.

Geöffnet ist täglich von 7 bis 13 Uhr, sonnabends bis 12 Uhr. „Wir lassen es jetzt ruhiger angehen“, sagt Almuth Berlin. Sie freut sich auf mehr Zeit für sich, wenn sie den Laden im Juli das letzte Mal abschließt.

„Ich habe keinen Nachfolger gefunden und an Fremde möchte ich auch nicht vermieten“, berichtet die 88-Jährige, die im ersten Obergeschoss des Hauses wohnt. Die Räume unten und oben sind verbunden, mit einem Mieter im Haus würde sie sich nicht wohl fühlen. „Ich habe immer sehr gerne gearbeitet, aber jetzt muss auch mal Schluss sein“, sagt Geesthachts letzte „Tante Emma“.

Von Timo Jann

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