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Lauenburg Nach 14 Jahren: Das große Buddeln endet
Lokales Lauenburg Nach 14 Jahren: Das große Buddeln endet
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20:18 12.12.2015
Bis auf einige Restarbeiten ist die „grundhafte Erneuerung“ auch auf dem letzten verbliebenen Abschnitt bei Talkau jetzt abgeschlossen. Rund 14 Jahre lang haben die Sanierungsarbeiten insgesamt gedauert. Quelle: Holger Marohn

Sie ist die Schlagader des Kreises: Die Autobahn Hamburg—Berlin. Was 2001 mit einem Abschnitt bei Hornbek begann, hat nun ein Ende. 14 Jahre Buddelei mit zahlreichen Pannen, mehreren Pleiten und vielen teils schweren Unfällen auf den 41 Kilometern sind vorbei. Und dabei könnte das Ganze schon in einigen Jahren wieder von vorne beginnen.

Sie war einst im Kalten Krieg als Prestige-Objekt gebaut worden — ausgelegt auf ein paar Tausend Autos am Tag. Und genau das wurde nach dem Mauerfall schnell zum Problem. Denn die nur 20 Zentimeter starke Betonpiste erwies sich bald als nicht tragfähig genug. 40000 Autos am Tag, davon ein überdurchschnittlich hoher Anteil mit immer schwereren Lastwagen, ließ die Strecke schneller altern als üblich.

Und es gab ein weiteres ernsthafteres Problem: Um wie üblich bei „grundhaften Erneuerungen“ die beiden Fahrspuren je Fahrtrichtung auf eine Seite der Autobahn zu legen, war die Trasse einst zu schmal gebaut worden und musste nun erst einmal in der einen Fahrtrichtung auf 11,50 Meter verbreitert werden. Erst dann konnte der Verkehr im sogenannten 4:0 auf eine Richtungsfahrbahn gelegt werden. Die Arbeiter hatten auf ihrer Seite freie Baustellenfahrt. Mit nun 27 Zentimetern Autobahnbeton wurde die Piste fit für die Zukunft gemacht.

Zehn Jahre waren ursprünglich für die Erneuerung angesetzt. Doch nicht immer wurde auch tatsächlich so gebuddelt wie geplant. Mal floss das Geld aus Berlin nicht so, wie ursprünglich mal vorgesehen und einzelne Abschnitte wurden auf später verschoben. Mal gingen ganze Baufirmen in die Insolvenz und hinterließen wie bei Witzhave und zuletzt eben in Talkau halbfertige oder erst gar nicht richtig begonnene Baustellen. Guter Rat war dann teuer und vor allem zeitintensiv. Immerhin sprang im Fall Talkau gut sechs Wochen nach der Insolvenz der zunächst beauftragten Firma Betam Infrastructure das Traditionsunternehmen Johannes Bunte ein.

Unterm Strich bedeutete der Wechsel am Ende für die Autofahrer aber dennoch, drei Monate länger teils lange Umwege zu fahren und für die Anwohner der Ausweichstrecken und Schleichwege drei Monate länger mehr Lärm.

Immer wieder kam es im Baustellenbereich aber auch zu Unfällen. Nicht alle liefen glimpflich ab. Für Aufsehen sorgte 2002 ein tragischer Unfall, den Schauspieler Ralf Wolter bei Hornbek verursachte.

Der 75-jährige Karl-May-Mime wendete im Baustellenbereich an einem Stauende, löste damit einen Massenunfall mit drei Toten aus und beging Fahrerflucht. Knapp ein Jahr später wurde er zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Möglich war Wolters Manöver allerdings überhaupt nur, weil die beiden Fahrtrichtungen lediglich durch etwa zehn Zentimeter hohe Kunststoffprofile getrennt waren. In den vergangenen Jahren wurden zur Trennung etwa einen halben Meter hohe Stahlplanken oder sogar Betonbarrieren verwendet. Doch damit ist es mit dem Abschluss der Restarbeiten vorbei.

Doch in einigen Jahren könnte die Buddelei von vorne beginnen. Den in Beton ausgeführten Abschnitten wird eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren prognostiziert, den Asphaltbereichen wie zuletzt bei Talkau ausgeführt von „um die 15 Jahre“.

50 Jahre „Soda“-Brücken im Lauenburgischen
In den 30er Jahren begannen Planung und Bau der Reichsautobahn 44, doch schon wenige Jahre später wurde dies durch den Krieg gestoppt. Bis zum Weiterbau Ende der 70er Jahre standen daher lange Zeit einige Brückenbauwerke im Lauenburgischen wie Fremdkörper „nur so da“ in der Gegend herum. Einige wie die gemauerte Autobahnbrücke bei Gudow wurden 1982 auch für die weitergebaute Autobahn verwendet.
Der Bau der A 24 war auch ein Zeichen für die Annäherung von Ost und West. Obwohl sie die alte Transitroute zwischen Berlin und Hamburg über die B 5 durch Lauenburg und Geesthacht ersetzte, konnte man auf der „Geister-Autobahn“ die entgegenkommenden Autos anfangs allerdings oft noch an zwei Händen abzählen. Seit dem Mauerfall ist sie nicht mehr wegzudenken.

Holger Marohn

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