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Lauenburg Nach Sex-Chats: RSV-Vorstand suspendiert Jugendtrainer
Lokales Lauenburg Nach Sex-Chats: RSV-Vorstand suspendiert Jugendtrainer
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18:02 09.01.2018
Über eine Whats-App-Gruppe soll sich der Trainer Jungen angenähert haben. Quelle: Fernando Gutierrez-Juarez /dpa
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Ratzeburg

Der Mann wurde daraufhin umgehend suspendiert und erhielt Haus- sowie Kontaktverbot, bestätigte jetzt auf LN-Anfrage der Vorstand. Dem geschäftsführenden Vorstand des RSV wurden unlängst von Eltern junger Sportler Auszüge aus Chats vorgelegt, aufgrund derer die Vorstandsmitglieder dringenden Handlungsbedarf sahen.

Der Trainer ist schon seit vielen Jahren Mitglied des Ratzeburger Sportvereins. Der junge Mann, den viele als vertrauenswürdig und sehr sympathisch schildern, war unter anderem mit einer Mannschaft des RSV in der ersten Jahreshälfte auf eine Mannschaftsfahrt gefahren.

Dort und zu anderen Gelegenheiten soll sich der Trainer über eine Whats-App-Gruppe Jungen angenähert haben, indem er unter anderem deren sexuelle Neigungen abgefragt habe. Einige seiner ihm anvertrauten jungen Sportler soll er demnach aufgefordert haben, zu ihm zu kommen. Dem Vorsitzenden des RSV, Holger Möller, liegen entsprechende Auszüge aus Chat- Verläufen vor, bestätigte er gegenüber den LN.

„Wir waren uns im geschäftsführenden Vorstand schnell einig, dass wir sofort handeln müssen, und haben den Mann mit sofortiger Wirkung beurlaubt, ihm Hausverbot erteilt und ihm ein Kontaktverbot, soweit es in unserer Macht steht, auferlegt“, sagt Möller. Der Vereinsvorstand habe eine allseitige Fürsorgepflicht und habe sich deshalb zum schnellen Handeln gezwungen gesehen.

Er selbst habe als Vereinsvorsitzender erst am 29. Dezember von den Vorgängen erfahren, nachdem sich einer der Jungen seinen Eltern anvertraut hatte, sagte Möller. Ein Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg bestätigte den Lübecker Nachrichten, dass dort ein Ermittlungsverfahren in dieser Sache anhängig ist. Bisher sind dem Verein mehrere Fälle bekannt. Ob noch weitere dazu kommen werden, sei nicht absehbar.

Der Vorstand des RSV hat nach einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung des geschäftsführenden Vorstandes auch die Eltern der Sportler aus den betroffenen Mannschaften zum Gespräch eingeladen.

„Wir wollten die Eltern informieren und mit ins Boot holen“, erklärt Möller das bisherige Handeln des Vereins. Man wolle gemeinsam mit den Eltern eine möglichst komplette Aufklärung in dieser Sache haben, so der Vorsitzende.

„Es beschäftigt uns natürlich als Verein, aber auch als Menschen. Die Situation ist für uns extrem schwierig und so etwas ist für uns alle schwer zu verstehen“, sagt Möller. Es sei ihm und seinen Mitstreitern im Vorstand wichtig, dass die Eltern vom RSV direkt und schnell über alles informiert wurden. „Es wäre schlimm, wenn die Eltern das erst durch Dritte erfahren würden“, sagt der Vorsitzende, der auch auf der Internetseite des RSV alle Mitglieder informieren will. Dem Verein sei es wichtig, dass er nicht bewerten oder urteilen wolle, so Möller. Der Verein lässt sich inzwischen von einem Rechtsanwalt in dieser Sache beraten. Der Anwalt hat, wie auch eine Mitarbeiterin vom Jugendamt des Kreises, an den beiden Elternabenden in der vergangenen Woche teilgenommen.

Prinzipiell sollte jeder Jugendbetreuer und Trainer ein erweitertes, polizeiliches Führungszeugnis vor Antritt seiner Tätigkeit vorlegen. In Kindergärten und anderen Erziehungseinrichtungen wird das sogar vom Gesetzgeber verlangt. Ein solches erweitertes Führungszeugnis darf nicht älter als drei Monate sein. Der junge Trainer musste beim RSV kein solches Zeugnis beibringen, zumal er derzeit eine Ausbildung macht, bei der er auch mit Kindern arbeitet.

 Von Jens Burmester

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