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Lauenburg Nach Unfall: Polizei kontrolliert Gaffer
Lokales Lauenburg Nach Unfall: Polizei kontrolliert Gaffer
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22:03 11.12.2017
Die Fahrerin wurde mit ihren persönlichen Dingen zum Rettungswagen gebracht. Sie begleitete ihre Schwester ins Krankenhaus. Quelle: jeb
Gudow

Der Toyota einer Frau aus dem Landkreis Oder-Spree hatte sich auf der A 24 an der Anschlussstelle Gudow in Richtung Hamburg überschlagen, nachdem die Fahrerin nach rechts auf die Bankette geraten war. Das Auto blieb schließlich auf dem Dach liegen. Möglicherweise hatte die Frau das Tempo eines langsam vor ihr fahrenden Autos falsch eingeschätzt und dann das Lenkrad verrissen. Ihre Schwester, die mit im Autos saß, wurde bei dem Unfall leicht verletzt und später in ein Krankenhaus gebracht. Einsatzkräfte der Feuerwehr Gudow schnitten eine Tür mit hydraulischem Rettungsgerät heraus, um die Beifahrerin schonend aus dem Auto zu retten, wie Einsatzleiter Marc Eggert mitteilte. Die Feuerwehr Büchen musste nicht eingreifen. Auch ein angeforderter Rettungshubschrauber konnte noch während des Anflugs beidrehen.

Der Unfall auf der A 24 bei Gudow sah spektakulär aus. Glücklicherweise wurde lediglich eine Frau leicht verletzt. Diesen Ausgang kannte der Gaffer jedoch nicht, als er den Unfall mit seinem Mobiltelefon filmte. Die Polizei erwischte ihn auf frischer Tat, musste ihn jedoch nach kurzer Kontrolle wieder fahren lassen: Er hatte keine Personen gefilmt.

Während der Unfallaufnahme bemerkten die Polizeibeamten eine extrem langsam fahrenden Kleinwagen. Der Beifahrer filmte mit seinem Handy das Geschehen an der Einsatzstelle. Daraufhin wurde der Fahrer von der Polizei herausgewunken. Der Beifahrer wurde mit zum Streifenwagen geführt, wo zunächst die Personalien aller Insassen überprüft wurden. Dann musste der Mann, der wie seine Mitfahrer aus Bulgarien stammt, die Videosequenz löschen, bestätigte die Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg, Rena Bretsch. Anschließend durften die Männer ihre Fahrt fortsetzen.

„Die Beamten haben nach dem bisherigen Ermittlungsstand keine Ordnungswidrigkeitenanzeige geschrieben und es liegt auch keine Straftat vor“, so Bretsch. Im Bußgeldkatalog sucht man indes vergeblich nach einem Punkt „Gaffer“. Somit gibt es auch für die Bußgeldstellen, die bei der jeweiligen Kreisverwaltung angesiedelt sind, keine Möglichkeit, einen „Gaffer“ zu bestrafen. „Solange es keine Rechtsgrundlage gibt, die auf das Gaffen abzielt, kann man auch keine Gaffer belangen“, erklärt Tobias Frohnert, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Anders sei es allerdings, wenn eine Straftat nach Paragraf 201a vorliege. Nach diesem gerade erst überarbeitetem Paragrafen wird bestraft, wer unter anderem „eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt“. Das Strafmaß hierfür beträgt nun sogar maximal zwei Jahre (vorher ein Jahr).

Im vorliegenden Fall hatte der Mann aber keine Bilder von verletzten Personen gemacht. Polizisten würden sicherlich gern mehr gegen Gaffer durchgreifen. Doch das ist oftmals nicht einfach. „Bei der Unfallaufnahme haben wir andere Dinge zu tun, als uns um die zu kümmern, die ihre Handys zücken und Aufnahmen machen“, erklärt der Leiter der Autobahnpolizei Bad Oldesloe, Karsten Witt.

Marco Hecht-Hinz, Vorsitzender der Regionalgruppe Stormarn/Lauenburg der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt dazu: „Das Thema „gaffen“ ist sehr komplex. Für die Polizei ist es schwierig, gegen das bloße Gaffen vorzugehen. Wir können nur tätig werden, wenn durch Gaffen eine Behinderung im Straßenverkehr passiert oder wenn Feuerwehr oder Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert werden.“

 Von Jens Burmester

 

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