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Lauenburg Nach dem Dauerregen: Schleswig-Holstein säuft ab
Lokales Lauenburg Nach dem Dauerregen: Schleswig-Holstein säuft ab
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10:38 05.01.2018
Die Einsatzstelle in Kollow aus der Vogelperspektive. Quelle: jeb
Brunstorf/Geesthacht

Regen ohne Ende, nun kommt das Hochwasser: Im Süden des Landes traten Flüsse über die Ufer. Insbesondere im Kreis Herzogtum Lauenburg kämpften Feuerwehren in mehreren Ortschaften unablässig gegen Wassermassen, die Wohngebäude zu fluten drohten. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal konnten viele Autofähren keine Fahrzeuge mehr mitnehmen. Der Kanal war zu voll. 

Im Herzogtum Lauenburg sorgte sintflutartiger Regen an vielen Stellen für dramatische Überflutungen. Hunderte Feuerwehrleute und THW-Helfer waren im Einsatz, Feuerwehren aus Lübeck leisteten Amtshilfe.  Zahlreiche Feuerwehren und Einheiten des Technischen Hilfswerks (THW)waren beziehungsweise sind noch im Einsatz, um Überschwemmungen zu beseitigen. Besonders brisant war die Lage in Brunstorf. Dort drohte nach Feuerwehrangaben ein Klärteich überzulaufen. Mit mehreren leistungsstarken Pumpen wurde versucht, den Zufluss zu stoppen. 

In Geesthacht war das Neubaugebiet Finkenweg-Ost mit 500 Bewohnern komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die einzige Zufahrtsstraße war stundenlang wegen Überschwemmung gesperrt, die Feuerwehr war im Großeinsatz.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von dem Einsatz in Brunstorf zu sehen, bei dem ein Klärteich überzulaufen drohte.  

In Schwarzenbek, Wangelau, Kollow und anderen Orten waren teilweise Keller voll Wasser gelaufen. "Wohin man schaut, überall ist nur noch Wasser", sagte ein Feuerwehrmann. Der Dauerregen konnten auf den gesättigten Böden nicht versickern und lief in die Niederungen.

Sandsäcke werden knapp

Mittlerweile sind im Lauenburgischen die Sandsäcke knapp. Um der Regenfluten Herr zu werden, lassen Technisches Hilfswerk und Feuerwehr jetzt 2500 neue Sandsäcke füllen.

Auf Paletten verpackt sollen die Säcke unter anderem zur Grander Mühle (Kuddewörde) gebracht werden. Dort steht das Wasser der Bille bereits im Gastraum des historischen Gebäude und der Pegel der Bille stieg am Donnerstagnachmittag weiter um etwa vier Zentimeter in der Stunde. 

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von den Einsätzen bei der Grander Mühle zu sehen, die am Donnerstag nach dem Dauerregen überflutet wurde.

Freiwillige Feuerwehrleute und ehrenamtliche Helfer des THW halten Nachtwache an der vom Hochwasser der Bille bedrohten "Grander Mühle" in Kuddewörde, die als älteste Korn-Wassermühle Norddeutschlands gilt.

In dem historischen Gebäude ist heute ein italienisches Restaurant beheimatet, dessen Besitzer Leonardo Santoiemma aus Italien, sich noch mit Schrecken an die Hochwasser vergangener Jahr erinnert. Heiligabend 2014 drangen die Wassermassen in seinen Gastraum ein, richteten dabei immensen Schaden an, und vermiesten dem Gastronomen obendrein das Weihnachtsgeschäft.

Lesen Sie dazu mehr: Land unter im Südkreis: Helfer kämpfen gegen Wassermassen

Auch im Kreis Stormarn heftige Regenfälle und Unwetter

Und auch im Kreis Stormarn schlugen Unwetter und Regenfälle heftig zu: In der Nacht wurde der Garten eines Einfamilienhauses in der Neuen Straße in Siek überflutet. In der Folge lief das Wasser sturzbachartig über die Kasematten in den gesamten Keller des Hauses. Der Feuerwehr gelang es, den Keller mit Pumpen trockenzulegen.

Auch die Feuerwehr Lütjensee war in der Nacht stundenlang im Einsatz. Direkt neben der Feuerwache in der Alten Schulstrasse hat die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen können. In der Folge liefen die Keller und die tiefer gelegenen Garagen eines Mehrfamilienhauses voll. Mit mehreren Pumpen rückten die Feuerwehrleute gegen die Wassermassen vor. Nicht ganz einfach, denn das Wasser drückte immer wieder über die Kanalisation zurück.  Deshalb wurden mehrere hundert Meter Schlauchleitungen verlegt und das Wasser aus den Kellern in die Kanalisation an der Hamburger Strasse gepumpt.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von dem stundenlangen Feuerwehreinsatz in Lütjensee zu sehen, wo Starkregen Keller und Garagen überflutet hat.

Zahlreiche Feuerwehren sind auch am Donnerstag seit Stunden im Einsatz, um Überschwemmungen zu beseitigen. In Ahrensfelde drückte das Wasser von den Feldern bedrohlich nahe an die Häuser heran. 

Landwirt Wilhelm Rundshagen sagte: "an der tiefsten Stelle steht das Wasser rund zwei Meter hoch auf der Koppel, sogar unser Gartenhaus schwimmt." Feuerwehrleute aus Ahrensburg und Ahrensfelde brachten mehrere Pumpen samt Tragkraftspritzen in Stellung und lenzten rund 7 Kubikmeter Wasser von den überfluteten Feldern in den nahegelegenen Ahrensfelder Teich.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder zum Einsatz in Ahrensfelde zu sehen, wo die Felder bis zu zwei Meter unter Wasser stehen.

Baum droht auf Straße zu fallen

Zu einem Sturmeinsatz ist in der Nacht zu Donnerstag die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg ausgerückt. In der Adolfstrasse hatten Anwohner ein lautes Knackgeräusch gehört und einen beschädigten Baum am Straßenrand entdeckt. Sie wählten den Notruf.

Kurze Zeit später trafen die Feuerwehrleute ein. Schnell war klar, der Stamm hatte einen dicken Riss. Leider hatte ein Anwohner sein Auto direkt unter dem beschädigten Baum geparkt. Deshalb wurde von der Polizei ein Abschlepper informiert, der leider ohne Kranvorrichtung angerückt ist. Bevor ein weiterer Abschlepper alarmiert wurde, hatte der Autobesitzer bemerkt, dass er im gefährlichen Bereich parkte und fuhr seinen Wagen weg. Danach haben die Feuerwehrleute aus dem Korb der Drehleiter heraus, den beschädigten Stamm mit der Motorsäge entfernt.

60 Feuerwehreinsätze in Hamburg

In Hamburg musste die Feuerwehr wegen Sturmtief „Burglind“ in der Nacht zum Donnerstag rund 60 Mal ausrücken. In der Hansestadt liefen Keller voll Wasser, wurden Straßen überspült und Äste abgebrochen, wie ein Sprecher am Morgen sagte. Die Ausläufer von „Burglind“ brachten zudem eine leichte Sturmflut in die Hansestadt, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sagte. Der Elbpegel stieg demnach auf 1,83 Meter über dem mittleren Hochwasser.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder der Überschwemmungen und den Schäden in Norddeutschland zu sehen. 

Ausnahmezustand auch in Brunsbüttel: Am Donnerstag wurden mehrere Stunden lang alle Schleusen gesperrt – um die Entwässerung des Nord- Ostsee-Kanals in die Elbe zu ermöglichen. „Der Schiffsverkehr ruhte, weil das Wasser auch über die beiden großen Schleusenkammern ablaufen sollte“, berichtet Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Brunsbüttel. Über Nacht hatte wegen des Hochwassers für die Schifffahrt gar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zwölf km/h verhängt werden müssen. Etliche Kanalfähren transportierten nur noch Fußgänger. Die Fähren Breiholz, Nobiskrug, Sehestedt und Landwehr gingen außer Betrieb.

Störungen im Regional- und Fernverkehr blieben einem Sprecher der Deutschen Bahn zufolge aus. Lediglich ein Abschnitt der U1 war wegen eines Baumes auf den Gleisen am späten Mittwochabend gesperrt worden, wie eine Sprecherin der Hochbahn sagte.

Der erste Sturm des Jahres blies am Mittwoch mit mehr als 110 Kilometern pro Stunde über Norddeutschland. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes werden in der Nacht zum Freitag die Ausläufer eines neuen Sturmtiefs über der Nordsee den Norden erreichen.

In Lübeck trägt man Gummistiefel

Landesweit stehen Senken unter Wasser, teils kilometerweit. Felder sind zu nass, um sie zu befahren, ausgebrachtes Saatgut vergammelt unter Wasser. „Die derzeitige Situation ist brenzlig“, sagt Bauernpräsident Werner Schwarz. Ab der zweiten Januar-Hälfte würden die Bauern gern Gülle ausfahren. Denn die Behälter laufen über. Der Notstand treibt seltene Blüten: Erste Schweinemäster kaufen keine Ferkel mehr, weil sie nicht wüssten, wohin mit der Gülle, erklärt Schwarz.

Auch in Ostholstein macht der Dauerregen den Landwirten zu schaffen. 

Gebeutelt sind auch Kleingärtner. „Wer nach dem Rechten sehen will, kommt nur noch in Gummistiefeln zu seiner Parzelle“, sagt Gerd Stöver, Vize-Vorsitzender des Lübecker Kleingartenvereins Mühlentor. Dort stehen Wege und Gärten knöcheltief unter Wasser, an der Wasseroberfläche treiben Gartenzwerge. „Bei diesen Mengen läuft das Wasser einfach nicht mehr ab“, sagt Stöver, „trotz Drainage“.

tja/rtn/ctö

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