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Lauenburg Nach dem Nazi-Spuk Treffpunkt friedlicher junger Menschen
Lokales Lauenburg Nach dem Nazi-Spuk Treffpunkt friedlicher junger Menschen
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18:29 26.03.2016
Beide Speisesäle sind mit einem umlaufenden Bildfries verziert, auf dem die Streiche Till Eulenspiegels dargestellt werden. Fotos (4): Norbert Dreessen

Was hat eine Jugendherberge mit Politik zu tun? Normalerweise wenig, aber das Haus am Ziegelsee in Mölln bildet da eine Ausnahme. Dass es überhaupt gebaut wurde, war schon eine sehr politische Entscheidung — in einer der dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte.

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Im großen Speisesaal gibt es auf den Wandmalereien einiges zu gucken. Das Mobilar ist noch immer rustikal gehalten.

Kurz nach der Machtergreifung der Nazis beschloss die NSDAP-Kreisleitung, die damalige Möllner Jugendherberge an der Schmilauer Straße, die spätere Landwirtschaftsschule, als Quartier zu nutzen. Also musste eine neue Jugendherberge her. Als Standort wurde eine Schafwiese im Nordosten der Stadt auserkoren, und dort entstand dann nahe dem Ziegelsee ein Neubau, der im Oktober 1936 in Anwesenheit von viel NS-Prominenz eingeweiht wurde.

Der Entwurf stammte vom Architekten Karl Schöning. Er verwirklichte hier einen Backstein-Fachwerkbau, der deutlich die Merkmale des von den Nationalsozialisten geförderten „heimatgebundenen Baustils“

aufweist. Da passte es ja, dass das Haus zunächst vor allem als Schulungszentrum der Hitlerjugend dienen musste.

Der Name des Gebäudes aber war unpolitisch und blieb deshalb bis heute erhalten: „Till-Eulenspiegel-Jugendherberge“ hieß und heißt es, wobei die Nazis sogar den berühmten Möllner Schalk für sich vereinnahmten: In Veröffentlichungen aus der NS-Zeit wurde unter anderem erklärt, Till sei „ein Sinnbild lachender Lebensbejahung und unverzagten Lebenskampfes“, er wurde sogar zum „Sinnbild der heldischen Unverwüstlichkeit des germanischen Menschen“ stilisiert.

Der Künstler Werner Lange bekam zu Baubeginn den Auftrag, die Speisesäle des Hauses jeweils mit einem umlaufenden Bildfries zu verzieren, auf dem die Streiche des Narren dargestellt wurden. Die Bilder sind bis heute erhalten, ebenso die auch von Lange gestalteten Kacheln mit Eulenspiegel-Motiven auf einem großen Kachelofen. Zum Glück verschwunden sind 1945 aber die zahlreichen Hakenkreuze, die damals in öffentlichen Gebäuden Deutschlands überall angebracht waren.

Gegen Kriegsende wurde die Möllner Jugendherberge noch zum Lazarett umgebaut, in den ersten Nachkriegsjahren war sie ein Wohnheim für Kinder, die ihre Eltern auf der Flucht verloren hatten. Erst 1950 begann der richtige und nun auch unpolitische Herbergsbetrieb. Die architektonische Grundkonzeption des dreistöckigen Gebäudes ist noch prinzipiell vorhanden, und da die Räume durchaus gemütlich sind, ist das auch gut so. Eins aber änderte sich grundlegend, wie Herbergsleiter Bernhard Forth-Stolze erzählt: „Früher hatten wir große Schlafsäle mit jeweils 30 Betten, heute gibt es nur noch kleinere Zimmer mit einem bis höchstens acht Betten.“ Die meisten der zweckmäßig, aber freundlich ausgestatteten Schlafräume haben vier Betten, meist in Doppelstock-Anordnung.

Viele andere Jugendherbergen haben sich im Laufe der Zeit zu vergleichsweise preiswerten Hotels für Einzelreisende oder Familien entwickelt, in Mölln blieb es dagegen weitgehend bei der traditionellen Belegung solcher Häuser: „Wir empfangen hier zu 90 Prozent Schulklassen und andere Jugendgruppen, etwa Sportler“, berichtet Forth-Stolze. Andere Reisende machen nur einen kleinen Teil der Gäste aus, sind aber nicht minder willkommen.

Rechtzeitig anmelden sollte man sich aber schon, denn Möllns Jugendherberge mit ihrem rustikal-nostalgischem Charme und ihren aktuell 148 Betten wird gut besucht. 14 500 Übernachtungen gab es im vergangenen Jahr, 2016 könnten es um die 15 000 werden. Da war es weitsichtig, dass das Haus 1970 durch ein Nebengebäude erweitert wurde. Das bereitet laut Herbergsleiter Forth-Stolze baulich übrigens mehr Probleme als der robuste Ursprungstrakt.

Herbergen im Lauenburgischen

Fünf Jugendherbergen gibt es im Kreis Herzogtum Lauenburg. Die größte und neueste ist die 2012 eröffnete Jugendherberge an der Reeperbahn in Ratzeburg mit ihren 170 Betten. Sie liegt direkt am See — wie auch das Haus in Mölln.

In Lauenburg findet man gleich zwei Jugendherbergen, beide mit Blick auf die Elbe: Das eine Haus liegt an der Elbstraße (alte Zündholzfabrik) und bietet 75 Betten, das andere an der Straße Am Sportplatz hat 122 Betten.

In Geesthacht wurde die Jugendherberge Ende 2015 für die Öffentlichkeit geschlossen. Für die nächsten drei bis fünf Jahre wird sie ein Quartier für etwa 60 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sein.

Von Norbert Dreessen

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