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Nach der Preiskrise: Milchbauern starten durch

Hollenbek Nach der Preiskrise: Milchbauern starten durch

Aufatmen bei den Milchbauern: Die Preiskrise ist seit dem vergangenen Herbst beendet. Für einige allerdings hat die Substanz nicht gereicht, sie mussten aufgeben. 2016 waren es neun, bis Mitte 2017 kommen weitere sechs dazu. Aktuell gibt es im Kreis noch 108 aktive Milchviehbetriebe mit 8241 Kühen.

Hollenbek. Anlässlich der heute beginnenden Grünen Woche in Berlin haben sich etliche Bäuerinnen und Bauern aus Schleswig-Holstein dorthin aufgemacht, um für eine Zukunftsperspektive ihrer Zunft zu demonstrieren. Ihre Forderungen lauten unter anderen: Existenzsicherung der Familienbetriebe, gesundes Essen und bäuerliche Landwirtschaft statt Agrarindustrie, für eine intakte Umwelt und Natur sowie gesunde Nutztiere.

Diese Forderungen kann Holger Miljes, Landwirt aus Hollenbek bei Behlendorf (Amt Berkenthin), gänzlich unterschreiben. Der Vorsitzende des Kreiskontrollvereins Lauenburg der Milchviehhalter weiß besonders, was es bedeutet, um die berufliche Existenz zu bangen. Wie er haben etliche seiner Berufskollegen enorm unter der jüngsten Milchpreiskrise (um und bei 20 Cent je Kilo) gelitten, nicht wenige mussten oder müssen im Laufe des vergangenen und dieses Jahres ihre Milchproduktion einstellen: 2016 waren es neun, bis Mitte 2017 kommen weitere sechs dazu. „Die Tendenz bei den Milchbauern geht klar in Richtung weniger Betriebe, die dafür umso größer werden“, so Miljes. Aktuell gibt es im Kreis noch 108 Milchviehbetriebe aktiv mit 8241 Kühen (durchschnittlicher Tierbestand: 76,3), die sich dem Landeskontrollverband (LKV) angeschlossen haben.

Damit rangiert das Herzogtum Lauenburg am unteren Ende der LKV-Liste von Milchbetrieben (nur sehr wenige gehören dem LKV nicht an). Lediglich in Stormarn (91 Betriebe, 8182 Kühe) und in Ostholstein (82/7943) sind es weniger. „Spitzenreiter“ im Land sind die Kreise Nordfriesland mit 548 Betrieben (58384 Tiere) sowie Rendsburg-Eckernförde mit 62805 Kühen (auf 497 Betrieben).

Holger Miljes’ Hof ist ein typischer Familienbetrieb. Den Findling an der Einfahrt ziert die Jahreszahl „1927“. „Wir haben 190 Tiere – 75 schwarzbunte Kühe mit einer Jahresleistung von 750000 Kilo, 28 Mastbullen, der Rest Kälber und Jungtiere“, erklärt der Milchbauer. Unterstützt wird er bei der Arbeit von seinem Vater und seinem Onkel sowie in der Erntezeit von seinem Bruder, der ansonsten in einer anderen Branche tätig ist. Insofern sind die Personalkosten gering.

Dafür sind die Kosten für Material- und Produktionsmittel, Energie (Diesel) und Dünger (für den Agrarbetrieb) in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Durch die Dumpingpreise für Milch in den Jahren 2015 bis Mitte 2016 sind viele Milchviehhalter, die angesichts der zum 31.3.2015 gefallenen Milchquote noch einmal kräftig investierten, in arge Existenznot geraten. Nur mit Ach und Krach sowie guten Beziehungen zu ihrer jeweiligen Hausbank gelang es den meisten, nicht unterzugehen. „Mit den jetzt ausgezahlten 35 Cent je Kilo Milch kommen wir aus, müssen aber erst mal die angehäuften Defizite ausgleichen. Investieren wird in diesem Jahr sicherlich kaum einer“, ist sich Miljes sicher.

Das bestätigt auch Sönke Clasen, „Außendienstler“ beim LKV und Bindeglied zwischen den Mitgliedern des LKV, den Milchleistungsprüfern sowie den Fachabteilungen des Landeskontrollverbandes. „Es gab immer ein Auf und Ab bei den Milchpreisen. 2009 war es auch schon heftig, da gab es über ein halbes Jahr nur 18 Cent.“

Was haben die Landwirte aus dieser Krise gelernt? Eine Fokussierung auf nur einen Bereich ist ein Risiko. „Wir haben zusätzlich den Getreideanbau. Wobei uns das im vergangenen Jahr bei der schlechten Ernte auch nicht geholfen hat“, sagt Miljes. Dennoch ist ein zweites Standbein nicht zum Nachteil. Die Investition in eine Biogasanlage würde sich heute aber nicht mehr lohnen, meinen die beiden.

Dagegen hat sich der Hofladen mit garantiert regionalen Produkten von Mutter Miljes nach fast 20 Jahre längst etabliert.

 Joachim Strunk

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