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Lauenburg Nachwuchsmangel in Gastronomie
Lokales Lauenburg Nachwuchsmangel in Gastronomie
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21:28 30.04.2018
Im Ratzeburger Hotel- und Restaurantbetrieb Der Seehof werden zum August in diesem Jahr wieder je zwei Nachwuchskräfte ihre Ausbildung beginnen. Quelle: Fotos: Hfr
Mölln/Ratzeburg

In Hotels und Restaurants zwischen Wakenitz und Elbe werden noch 26 Azubis gesucht, meldete jetzt die NGG. Zwar sind dies nur 26 von insgesamt 524 freien Lehrstellen branchenübergreifend. Doch allenthalben ist zu hören, dass gerade Ausbildungsstellen im Gastro-Gewerbe zunehmend schwer zu besetzen sind. Grund: unattraktive Arbeitszeiten. Alle wollen abends und am Wochenende zwar eine schönes Bierchen trinken und gut essen gehen – aber kaum jemand will gern hinter dem Tresen oder in der Küche stehen.

 

„Erfolgsbeteiligung hat sich bewährt. Philip Grasekamp Hoteldirektor Der Seehof

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Vom Luxus-Hotel mit Gourmetküche bis zum Schnellrestaurant, von der Frühstückspension bis zum Tagungshotel: In welchem Ausbildungsjahr man wo wie viel verdient – darüber informiert die NGG Hamburg-Elmshorn Jugendliche aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg am Telefon (040 / 767 945 70) oder per E-Mail (region.hamburg-elmshorn@ngg.net).

Dabei sind die Berufswege, die mit den Ausbildungen in dieser Branche beginnen, durchaus nicht unattraktiv, sagt die Gewerkschaft. Die Palette an Berufen in der Gastro-Branche reiche vom Koch über die Hotel- und Restaurantfachfrau bis zum Kellner als Fachkraft im Gastgewerbe, sagt Anne Widder, Gewerkschaftssekretärin bei zuständigen NGG-Region Hamburg-Elmshorn. „Wer in die Hotellerie einsteigt, kann die Karriereleiter hochklettern. Aber: Ob Küchenchef oder Hoteldirektorin – eine solide Ausbildung ist immer das Fundament für eine gute Laufbahn im Beruf", mahnt die Gewerkschaftssekretärin.

Sie empfiehlt Jugendlichen, bei der Auswahl des Ausbildungsbetriebes im Kreis Herzogtum Lauenburg genau hinzugucken: „Das Geld, das ein Azubi verdient, muss passen. Dafür hat sich die NGG starkgemacht und per Tarifvertrag eine Ausbildungsvergütung herausgehandelt. Die sollte der Ausbildungsbetrieb auf jeden Fall bezahlen. Wichtig ist, sich hier nicht über den Tisch ziehen zu lassen.“

Davon könne keine Rede sein, ist hingegen in Betrieben des Kreisgebietes zu hören. Der Direktor des Restaurants und Hotels Der Seehof in Ratzeburg, Philip Grasekamp, betont: „Wir bieten sogar über eine Prepaid-Firmenkreditkarte besondere Vergünstigungen für unsere Azubis. Das hat sich bewährt.“ So seien die jungen Beschäftigten an Erfolg und Umsatz des Betriebes beteiligt. Und die Bezahlung sei auch übertariflich angesiedelt. Sicher sei es aber so, dass sich die Betriebe heutzutage schon stärker um den Nachwuchs bemühen müssten. Was dem Seehof gelungen sei, denn zum August würden im Hotel- und Gastrobereich je zwei neue Auszubildende beginnen.

Freie Plätze und zur Zeit keine Bewerbungen weist der Betrieb Quellenhof in Mölln aus. Geschäftsführer Heinz Tofelde macht kein Hehl aus seinen Sorgen über die Entwicklung: „Wir haben gerade eine Tariferhöhung für die Azubis, die jetzt schon mit 600 Euro beginnen. Aber viele junge Leute wollen nur noch im Büro am PC sitzen und von neun bis fünf locker das große Geld machen.“ Und mehr als die jetzige hohe Einstiegsvergütung sei nicht mehr bezahlbar.

Die NGG appelliert an die Ausbildungsbetriebe im Kreis Herzogtum Lauenburg, bei interessierten Jugendlichen „nicht zu stark auf den Schulabschluss und auf die Noten zu schielen“. Auch wer kein Musterschüler war, könne mit anderen Qualitäten wie Kommunikationsfreude und Teamfähigkeit punkten. Und ganz wichtig: Jugendliche sollten den ausgesuchten Betrieb genau unter die Lupe nehmen, so der Hinweis von der NGG. Erst wenn sie überzeugt sind, sollten sie den Ausbildungsvertrag unterschreiben. Hier biete ein Vorab-Praktikum eine gute Orientierung. Ebenso das Gespräch mit anderen Azubis, die ihre Ausbildung dort bereits machen. „Entscheidend ist, dass sich ein Ausbildungsbetrieb um die Azubis kümmert. Dazu gehört ein fester Ansprechpartner. Aber gerade auch Respekt und Wertschätzung sind wichtig. Und, dass die Azubis nicht als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, sondern das lernen, was sie für die Prüfung und für ihr späteres Berufsleben auch brauchen“, so Gewerkschafterin Widder.

LN

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