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Lauenburg Naturschützer vom BUND fordern Stopp des Kanalausbaus
Lokales Lauenburg Naturschützer vom BUND fordern Stopp des Kanalausbaus
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21:24 06.04.2017
Mitglieder des BUND haben sich während einer Trassenwanderung bei Güster vor Ort ein Bild gemacht und gegen den Ausbau protestiert. Quelle: BUND/hfr

Der Diplom-Ingenieur Hans-H. Stamer vom „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) aus Kuddewörde gehört zu den schärfsten Kritikern eines Ausbaus des Elbe-Lübeck-Kanals: „Mit den 836 Millionen Euro im Bundesverkehrswegeplan für einen Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) preist MdB Norbert Brackmann (CDU) seine gute Arbeit als Sprecher des Haushaltsausschusses des Bundestages an. Zehn Millionen Euro wurden bereits für Planungsarbeiten freigegeben. Der BUND ist zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Ausbau des ELK aus ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen absurd wäre.“

 

Bei einem Vortrag in der Waldhalle Büchen und auf einer Trassenwanderung in Güster hatte der BUND jüngst seine Thesen vorgestellt. BUND-Kanalexperte Dr. Heinz Klöser: „Der von der Generaldirektion Wasserstraße und Schifffahrt (GDWS) selbst berechnete Kosten-Nutzen-Faktor von 0,5 für den ELK schließt eigentlich einen Ausbau schon aus. Denn für sonstige Kanäle wird üblicherweise nur ein Wirtschaftlichkeitsfaktor von 30 bis 40 akzeptiert.“

Laut Klöser solle der Ausbau für das Großmotorschiff, Länge 110 m, Breite 11,40 m, Abladetiefe 2,80 m, erfolgen. Dafür sei eine Vergrößerung der Kanalregeltiefe von derzeit unter drei auf vier Meter nötig. Maßgebliche Kurvenbegradigungen mit Neubaustrecken würden in den Gemeinden Güster und Fitzen sowie in der Stadt Lübeck erforderlich werden. Die Kanalbreite von 32 Metern solle weitgehend beibehalten werden. Dafür sollten Begegnungsverkehre möglichst auf die Bereiche der Schleusen beschränkt bleiben. Diese Planungen hätten laut Klöser schwerwiegende Konsequenzen: „Durch die Erhöhung der Wassertiefe wird es absehbar erforderlich sein, auf der gesamten Kanallänge beidseitig Stahlspundwände einzubauen oder den Kanal mindestens einseitig zu verbreitern, weil die beidseitig vorhandenen Pfahlwände aus Kiefernstämmen durch die geplante Kanalsohlvertiefung ihre Standfestigkeit verlieren werden.“

Unabhängig davon, dass der BUND die Argumente der Befürworter des Kanal-Ausbaus auch unter wirtschaftlichen Aspekten für nicht überzeugend halte, prognostiziert die Naturschutzorganisation, dass ein Ausbau viele Arbeitsplätze vernichten und nur wenige neue Arbeitsplätze schaffen werde.

Die Kanalregion sei touristisch attraktiv geprägt und für die Wirtschaft gut erschlossen. Der Tourismus verzeichne 2016 eine gute Zuwachsraten in Höhe von 2,7 Prozent. Mit „Kultur am Kanal“ und anderen Kulturprojekten sei der Kreis Herzogtum Lauenburg in der Metropolregion Hamburg beliebt.

Nicht zuletzt seien die eiszeitlich geprägten Urstromtäler der Stecknitz und Delvenau mit dem überwundenen Eisernen Vorhang und dem Grünen Band mit seiner besonderen Naturausstattung attraktiv für alle Menschen in der Kanalregion. Hier könnten noch Silberreiher, Gänsesäger, Eisvogel, Kranich und weitere Vogelarten wie auch der wieder eingewanderte Biber beobachtet werden. Ein Ausbau des ELK würde die Attraktivität der Region schwächen. Der ELK würde monoton werden wie der Elbeseitenkanal, die Gäste blieben weg und es würde zu Arbeitsplatzverlusten im Tourismus kommen.

Der BUND sieht in dem Aus- und Neubau des ELK eine eklatante Steuerverschwendung. Es sei eine ökologisch und ökonomisch sinnlose Wirtschaftsförderungsmaßnahme, die eine Zerstörung der Kulturlandschaft zur Folge hätte. Er fordert die Politik auf, die Ausbauplanung für den ELK sofort zu stoppen.

Der Kanal-Experte des BUND

Dr. Heinz Klöser, 61 Jahre alt, ist Meeresökologe, Sprecher des BUND- Arbeitskreises Naturschutz Schl.-Holstein, stellvertretender Sprecher des BUND-Arbeitskreises Naturschutz Deutschland, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des BUND Deutschland, BUND- Vertreter im EU-life-Projekt Elbe. Klöser ist erster Ansprechpartner für den BUND bei dem Thema Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals.

Den Kommunen, Verbänden und Parteien bietet der BUND seine Recherche gern in einem erläuternden

Vortrag an.

Kontakt: Heinz.Kloeser@bund-rz.de

LN

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